Gleise zwischen Warschauer Brücke (hinten) und Modersonbrücke (Langzeitbelichtung)

Editorial


11.4.2017
Wir nutzen sie täglich, setzen sie als gegeben voraus, und obwohl sie unseren Alltag in vielerlei Hinsicht prägt, bemerken wir sie eigentlich nur, wenn einmal etwas nicht reibungslos funktioniert – die Brücke gesperrt ist, "Kein Netz" auf dem Display steht. Die technische Infrastruktur, deren beschleunigter Ausbau mit der Industrialisierung einsetzte, ist uns zur "zweiten Natur" geworden. Leistungsfähige Verkehrs- und Kommunikationsnetze sowie die Versorgung mit Energie und fließendem Wasser sind überdies Gradmesser dafür, ob Regionen oder Länder als entwickelt gelten oder nicht.

Aufgrund der Wichtigkeit der technischen Infrastruktur für Gesellschaft und Wirtschaft ist mit ihr – ebenso wie mit der sozialen Infrastruktur (Bildungssystem, Gesundheitssystem, kulturelle Einrichtungen) – der Begriff der öffentlichen "Daseinsvorsorge" eng verknüpft. Dieser wurde in der NS-Zeit eingeführt, hat sich aber bis heute gehalten. Er bezeichnet die vom Staat zu gewährleistende "Grundversorgung" der Bevölkerung mit wesentlichen Gütern und Dienstleistungen. Was dazu gehört – was also Aufgabe der öffentlichen Hand sein sollte – und was von privaten Firmen übernommen werden kann, ist strittig und unterliegt einem Wandel, wie Privatisierungen und Rekommunalisierungen zeigen.

Infrastrukturvorhaben sind häufig auch Prestigeprojekte: Gelingen sie, können Politikerinnen und Politiker mit ihnen punkten; brauchen sie zu lange, sind sie vermeintlich zu teuer oder haben sie Mängel, können sie zur politischen Dauerbelastung werden. Eines langen Atems bedarf es in jedem Fall, da kein Großprojekt heute unumstritten ist. Dies gilt auch für die Energiewende und den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland, die in dieser Ausgabe exemplarisch betrachtet werden. Erst die Zukunft wird zeigen, ob oder wann sie als Erfolg gewertet werden.


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Autor: Johannes Piepenbrink für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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