Eine Gruppe Kindergartenkinder mit Betreuer und Spaziergaenger gehen durch eine Allee herbstlich gefaerbter Laubbaeume an der Dreisam in Freiburg, 27.10.2016.

Editorial


21.7.2017
Spätestens seit CDU und CSU Anfang Juli als letzte der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien ihr Programm für die Bundestagswahl 2017 vorgelegt haben, ist klar, dass Familienpolitik eines der zentralen Wahlkampfthemen sein wird. Auch in den Programmen der anderen Parteien spielen Familien und ihre Förderung eine wichtige Rolle. Ein lange besonders umkämpfter Gegenstand wurde wiederum überraschend zügig aus der Diskussion genommen: Durch das jüngst verabschiedete "Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts" lässt sich zumindest mit diesem Thema kaum noch Wahlkampf führen.

Die Diskussion um die "Ehe für alle" hat erneut gezeigt, wie emotional in Deutschland über die Definition von Familie gestritten wird und wie rasch dabei moralische Argumente ins Feld geführt werden. Das betrifft auch die "klassischen" familienpolitischen Themen, die sich vor allem um Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kinderbetreuung und Geschlechtergerechtigkeit drehen. Auch heute geraten Mütter und Väter immer wieder in Situationen, in denen sie sich für ihren Lebensstil rechtfertigen müssen, weil sie ihre Kinder vermeintlich "zu früh" oder "viel zu spät" betreuen lassen. Eine starke Meinung setzt dabei Elternschaft nicht voraus.

Familienpolitik kann und sollte Eltern ihren eigenen Wünschen gemäß unterstützen. Dass dies gelingen kann, zeigt die Einführung der Elternzeit vor zehn Jahren: Damals umstritten, gilt sie heute parteiübergreifend als Erfolg, auch wenn die Beteiligung der Väter nach wie vor weit hinter derjenigen der Mütter liegt. Dieses Beispiel verdeutlicht jedoch auch: Manche Bereiche entziehen sich politischer Regulierung und werden eher innerfamiliär sowie zwischen Eltern und ihren Arbeitgebern ausgehandelt.


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Autor: Johannes Piepenbrink für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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