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26.5.2002 | Von:
Thomas Herdin
Kurt Luger

Der eroberte Horizont

Tourismus und interkulturelle Kommunikation

Der Artikel beleuchtet die interkulturellen Aspekte touristischer Interaktion. Zu Beginn werden die theoretischen Aspekte aufgearbeitet, die dieser symbolischen Interaktion zugrunde liegen.

Einleitung

Reisen bedeutet Begegnung mit anderen Menschen, anderen Kulturen, anderen Gewohnheiten und Lebensumständen. Die Möglichkeit, Fremdes aus erster Hand kennenzulernen, bietet ein ideales Terrain für interkulturelle Kommunikationsforschung, in der die Massenmedien eine wichtige Rolle in der Produktion von Erwartungshaltungen, von Leitbildern oder von Stereotypen und Klischees spielen. Tourismus provoziert auch immer interpersonelle Kommunikation, Begegnung mit dem Fremden oder seinem medial vermittelten Abziehbild. [1]

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  • Kommunikation wird daher oft zum Austausch von Klischees, weil nur diese in die gewohnte Vorstellungswelt integrierbar sind. In der mobilen Freizeit der heutigen industriewirtschaftlichen Gesellschaft erfolgen die Begegnungen häufiger, abrupter, sind auf Grund der wirtschaftlichen Begleiterscheinungen auch nachhaltiger, strukturverändernd. Insbesondere trifft dies auf die so genannten "exotischen" Reiseziele in den Entwicklungsländern zu, die durch die touristische Erschließung in einen Modernisierungstaumel geraten sind. Was in Europa einige Jahrhunderte dauerte, die langsame Gewöhnung an Reisende und die Schaffung einer für sie adäquaten Infrastruktur, erfolgt in den Tourismusinseln der Dritten Welt innerhalb weniger Jahre, mit allen Folgeerscheinungen für Kultur, Natur und Gesellschaft. [2]


    Fußnoten

    1.
    Vgl. William Gudykunst/Stella Ting-Toomey, Culture and Interpersonal Communication, Newbury Park 1988.
    2.
    Vgl. Kurt Luger, Kulturen im Veränderungsstress. Kulturtheoretische Überlegungen zur Tourismusdebatte, in: ders./Karin Inmann (Hrsg.), Verreiste Berge. Kultur und Tourismus im Hochgebirge, Innsbruck 1995, S. 19-42.