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26.5.2002 | Von:
Thomas Herdin
Kurt Luger

Der eroberte Horizont

Tourismus und interkulturelle Kommunikation

I. Interkulturelle Kommunikation als symbolische Interaktion

Kommunikation erfolgt medial, d. h. durch Verwendung von Sprache, mittels nonverbalen Zeichen, Gesten usw. Menschliche Kommunikation wird daher auch als symbolisch vermittelte Interaktion bezeichnet. Erfolgreich wird Kommunikation dann, wenn die Teilnehmer an der Interaktion die Symbole des Gesprächspartners richtig deuten können. Bedeutungen werden daher in der Kommunikation "ausgehandelt", in die auch subjektive Erfahrungen und kulturelle Bezüge einfließen. [3]

Je unterschiedlicher der individuelle oder kulturelle Hintergrund, desto schwieriger gestaltet sich Kommunikation, umso größer wird die Gefahr des Missverständnisses. Zeichen und Symbole, die Grundlage von Bedeutungssystemen und Mittel der Kommunikation, sind zutiefst kulturell verankert. Je fremder eine Kultur der anderen, desto mehr Aufwand ist erforderlich, um Kommunikation zu realisieren, weil sich etwa Normen und Werte, Glaube und Mythen, die Modelle für "richtiges" Verhalten, stark unterscheiden.

Zur Analyse interkultureller Kommunikation bedarf es einer praktikablen Definition von Kultur. In diesem Kontext wird Kultur als die Gesamtheit der erlernten Verhaltensweisen und übernommenen Einstellungen, Wertesysteme und Kenntnisse gesehen, die von einer Ethnie geteilt und tradiert werden. Ethnie im Sinne der Ethnomethodologie stellt eine "beliebig große Gruppe von Personen dar, die gemeinsam eine spezifische soziale Wirklichkeit hervorbringen, aufrechterhalten und ihr Denken an ihr orientieren" [4] . Diese Definition lässt Spielraum für Wandlungsprozesse innerhalb eines soziokulturellen Systems zu. Kulturen verändern sich, weil gesellschaftliche Werte einem Wandel unterworfen sind. Kultur ist daher nicht ein Modell von Verhalten, sondern ist als Modell für Verhalten zu sehen und enthält Vorstellungen von der "richtigen" Lebensweise bzw. auf der Mikroebene von einem Lebensstil. Menschen benutzen Kultur, um ihre Aktivitäten zu organisieren und normalisieren. [5]

Fußnoten

3.
Eine ausführliche Darstellung des Konzepts liefert Herbert Blumer, Symbolic Interactionism, Berkeley 1986.
4.
Werner Patzelt, Grundlagen der Ethnomethodologie: Theorie, Empirie und politikwissenschaftlicher Nutzen einer Soziologie des Alltags, München 1987, S 14.
5.
Vgl. Kurt Luger, Interkulturelle Kommunikation und kulturelle Identität im globalen Zeitalter, in: Rudi Renger/Gabriele Siegert (Hrsg.), Kommunikationswelten. Wissenschaftliche Perspektiven zur Medien- und Informationsgesellschaft, Innsbruck 1999, S. 317-345.