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26.5.2002 | Von:
Dietmar Sturzbecher
Detlef Landua

Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit unter ostdeutschen Jugendlichen

Unter den brandenburgischen Jugendlichen zeigen Rechtsextremismus wie auch Jugendgewalt seit 1993 eine insgesamt rückläufige Tendenz. Allerdings existiert eine kleine Gruppe von meist männlichen, hoch gewalttätigen Polit-Hooligans.

I. Einleitung

Fast täglich berichten die Medien von Vorfällen, bei denen Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Nationalität, ihrer religiösen oder politischen Überzeugungen diskriminiert oder tätlich angegriffen werden. Besondere Besorgnis erregen in der Öffentlichkeit die Häufung solcher Vorfälle in Ostdeutschland und der hohe Anteil Jugendlicher unter den Straftätern. Zweifellos müssen politischer Extremismus, Gewalt und Ausländerfeindlichkeit in das Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gestellt werden, um effiziente Strategien der Prävention und ein entschlossenes Handeln gegen die Täter und ihre geistigen Brandstifter zu gewährleisten. Ob allerdings die zuweilen in der Medienberichterstattung beobachtbaren "Es-wird-immer-schlimmer"-Kommentare ein Beitrag dazu sind, darf bezweifelt werden. Für solide Handlungsempfehlungen im politischen und sozialpädagogischen Sinne erscheint aus unserer Sicht ein Blick in die Ergebnisse der Jugendforschung sinnvoller.

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  • Das Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam (IFK) forscht seit zehn Jahren zur Lebenssituation und Delinquenzbereitschaft brandenburgischer Jugendlicher. Mittlerweile liegen die Ergebnisse aus fünf landesrepräsentativen Befragungen von Schülern und Auszubildenden vor. Ergänzt wurde dieser quantitative Forschungsansatz durch die Intensivbefragung von Mitgliedern der rechtsradikalen Szene.


    Das umfangreiche Datenmaterial zielt vor allem darauf ab, die Erscheinungsformen und die Verbreitung normabweichenden Verhaltens unter Jugendlichen zu ermitteln, zugrunde liegende Ursachen aufzuklären, Veränderungstendenzen zuverlässig zu prognostizieren und Empfehlungen für die Erarbeitung von Präventionsstrategien bereitzustellen. 2001 wurden Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schülerbefragung aus dem Jahr 1999 erneut befragt. Durch diese Wiederholungsbefragung besteht neben der Fortsetzung der bisherigen Trendanalysen die Möglichkeit, auch Fragen nach der Dynamik und den Entwicklungsverläufen rechtsextremer und fremdenfeindlicher Einstellungen im Jugendalter zu beantworten. Der vorliegende Beitrag stellt einen Ausschnitt der Forschungsergebnisse zu Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aus den Erhebungsjahren seit 1993 vor.