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26.5.2002 | Von:
Hans Gerhard Mendius

Das Handwerk und seine Beschäftigten - Verlierer des demographischen Umbruchs?

Der im vollen Gang befindliche demographische Umbruch führt zu einer rasch alternden Erwerbsbevölkerung. Ein weiteres absehbares Problem besteht bei der Arbeitskräfteversorgung.

Einleitung

Der in vollem Gang befindliche demographische Umbruch führt auch zu einer rasch alternden Erwerbsbevölkerung. Von den absehbaren Problemen bei der Arbeitskräfteversorgung werden viele Unternehmen des Handwerks voraussichtlich überdurchschnittlich betroffen sein. Die zu erwartenden Schwierigkeiten haben ihre eigentlichen Ursachen dennoch nicht in erster Linie in der demographischen Entwicklung, sie trägt aber dazu bei, tiefer liegende, fast schon "traditionelle" Versäumnisse und Schwächen bei Rekrutierung, Personalplanung und -entwicklung sowie bei der Qualifizierung offen zu legen und verschärft wirksam werden zu lassen - umso mehr, als bisher praktizierte "Ausweichlösungen" bei knapper werdenden Nachwuchsjahrgängen immer weniger funktionieren. Das gilt für das verbreitete Ausbilden weit über den eigenen Bedarf (mit der Folge hoher Fluktuation und sehr niedrigem Durchschnittsalter in vielen Betrieben) und für den nicht selten beobachteten produktiven Einsatz von Lehrlingen über ein vom Ausbildungszweck gerechtfertigtes Ausmaß hinaus. Auf diesen Feldern liegt das eigentliche Manko vieler Handwerksbetriebe, das zu einer insgesamt schwachen Arbeitsmarktposition führt.

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  • Die demographischen Engpässe sind daher ein Grund mehr, auf zukunftsfähige Strategien umzuschalten und unter Anknüpfung an die vorhandenen positiven Potenziale das Arbeiten im Handwerk zu einer langfristig attraktiven Perspektive zu entwickeln. Ansatzpunkte sind u. a. die alternsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen, generationenübergreifender Erfahrungsaustausch und entsprechende Weiterbildung, vermehrte Beschäftigung von Frauen sowie Schaffung innerbetrieblicher Aufstiegsmöglichkeiten. Wenn es gelingt, dafür Inhaber und Beschäftigte zu mobilisieren, sind die Erfolgsaussichten günstig - insbesondere wenn es gelingt, die Beteiligung der Arbeitnehmerseite in den Selbstverwaltungsgremien, die Bestandteil der Handwerksordnung ist, dafür zu nutzen. [1]

    Fußnoten

    1.
    Der Beitrag entstand im Rahmen des Vorhabens "Altautoproblem lösen und Arbeitsplätze schaffen - zwei lohnende Aufgaben, ein Ansatz", das als Teil des Transferprojekts "Öffentlichkeits- und Marketingstrategie demographischer Wandel" durchgeführt wird. Bearbeiterinnen sind Stefanie Weimer und Petra Schütt, bei denen ich mich für wichtige Hinweise bedanke, sowie der Autor. Genutzt werden konnten auch konzeptionelle Ansätze und Ergebnisse des Projekts "Erstausbildung im dualen System - und was kommt dann?", das vom ISF München im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch Joachim Jaudas und den Autor bearbeitet wird. 1 Vgl. den Beitrag von Ernst Kistler und Markus Hilpert in diesem Heft.