Street of Prophets

6.4.2018 | Von:
Johannes Piepenbrink

Editorial

Yerushalayim, al-Quds, Jerusalem. Es gibt wohl kaum jemanden, bei dem der Klang des Namens dieser Stadt nichts auslöst, sei es intellektuell oder emotional. Jerusalem ist drei Weltreligionen heilig, die Stadt gilt als eine der ältesten überhaupt. Darüber hinaus liegt sie im Zentrum des seit Jahrzehnten andauernden Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern, die sie beide als ihre Hauptstadt beanspruchen. Auch zum 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels – nach hiesigem Kalender am 14. Mai – wird besonders auf Jerusalem geschaut, wollen die USA an diesem Tag doch ihre Botschaft von Tel Aviv in die heilige Stadt verlegen.

Dort, wo heute in der Jerusalemer Altstadt der Tempelberg liegt, auf dem seit etwa 1300 Jahren die al-Aqsa-Moschee und der Felsendom stehen, soll Gott den Staub gesammelt haben, um Adam zu schaffen. Am selben Ort, so heißt es, habe Abraham seinen Sohn Isaak zum Opferstein geführt. Es ist der Platz, wo die Klagemauer vom zerstörten jüdischen Tempel zeugt und an dem der Prophet Mohammed seine nächtliche Himmelsreise angetreten haben soll. Der enorme Symbolwert dieses Ortes macht jede politische Regelung über die Stadt und den Tempelberg zu einer extrem heiklen Angelegenheit.

Nachdem der Ostteil Jerusalems ab 1949 unter jordanischer Oberhoheit stand, übt Israel seit 1967 die Kontrolle über die gesamte Stadt aus; 1980 erklärte es Jerusalem zu seiner "ewigen und unteilbaren Hauptstadt". Die Lebensrealität ist in vielen Bereichen aber nach wie vor die einer geteilten Stadt. Dass die "Jerusalemfrage" durch den Alleingang des US-Präsidenten, die Stadt als Hauptstadt Israels anzuerkennen, tatsächlich "vom Tisch" ist, darf bezweifelt werden.

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Autor: Johannes Piepenbrink für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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