Verschiedene Buttons, die während des Women´s March in Washington im Januar 2018 verkauft wurden

20.4.2018 | Von:
Anne Seibring

Editorial

Hubertine Auclert hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass eines Tages der Mann, der ihr Land regiert, als Feminist wahrgenommen werden möchte. Die französische Frauenrechtlerin war die Erste, die sich nachweisbar, 1882, als "Feministin" beschrieb. Der Begriff féminisme, damals synonym zu Frauenemanzipation verwendet, verbreitete sich im Zuge der Frauenbewegungen von Frankreich aus in Europa und auf andere Kontinente und hat heute seinen festen Platz in Forschung, Politik, Popkultur.

Hedwig Dohm wäre wohl nicht überrascht, dass Politiker wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Ausnahme von der Regel bilden und der Antifeminismus weiter blüht. Der Abbau von Privilegien qua Geschlecht trifft auf Widerstände – oder, wie es die radikale deutsche Gleichheitsfeministin 1902 in ihrer Aufsatzsammlung "Die Antifeministen" formulierte: "Je dringender die Gefahr der Fraueninvasion in das Reich der Männer sich gestaltet, je geharnischter treten ihr die Bedrohten entgegen."

In aktuellen Debatten scheinen die Fronten von Antifeminismus und Feminismus teilweise zu verwischen. Ist "antifeministisch" der richtige Begriff, wenn Frauenrechte strategisch und mit rassistischer Grundierung in Stellung gegen Migranten gebracht werden? Ist der heutige "Antigenderismus", der vor allem die Gender Studies und eine plurale Sexualerziehung kritisiert, eine Spielart des Antifeminismus oder etwas Anderes? Und wie lässt sich das Zusammenwirken antifeministischer und feministischer Momente im sogenannten Postfeminismus der Medienkultur erklären, der einerseits Freiheiten zugesteht, ja, die Befreiung der Frauen voraussetzt, andererseits Frauen wieder in ein Korsett, insbesondere in Bezug auf den Körper, zwängt?

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Autor: Anne Seibring für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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