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Familie und Beruf Eine deutsche Geschichte


5.6.2002
Gegenstand des Beitrages ist das Verhältnis von Familie und Beruf in Deutschland im 20. Jahrhundert. In einem ersten Schritt wird auf die drei weltweit einzigartigen Stationen der deutschen Familienpolitik zurückgeblickt.

Einleitung



Die Frage nach dem Verhältnis des Wertes der Arbeit in der Familie zum Wert der Arbeit im marktvermittelten Erwerbsleben wird derzeit neu gestellt. Ihre bisherige Dichotomie ist in einer praktischen und theoretischen Krise. Die Dichotomie bestand darin, dass die Arbeit in der Familie ökonomisch nicht als produktive, sondern als Reproduktionstätigkeit begriffen wurde, als eine der vielen nichtmonetarisierbaren Voraussetzungen der Geldwirtschaft. Die praktische Krise schlägt sich vor allem in sinkenden Geburtenraten und den dramatischen demographischen Folgen nieder. Die theoretische Krise lässt sich darin erkennen, dass die feministische Kritik an der Ausblendung der überwiegend weiblichen Familienarbeit auch im Kern zeitgenössischer Demokratie- und Wirtschaftstheorie angelangt ist und zudem jene marktkapitalistische Dichotomie durch neuere Theorien herausgefordert wird, die auf das in der und durch die Familie gebildete Sozialkapital hinweisen.

Die gesellschaftlich wichtigste Brücke zwischen Familie und Arbeitswelt schlägt am Ende des zwanzigsten, des "sozialdemokratischen Jahrhunderts" (Ralf Dahrendorf) die Sozialpolitik. Sozialpolitik ist seit ihrer Begründung vor allem damit beschäftigt, den Prozess der "Verlohnarbeiterung" (Claus Offe) als politischen Kompromiss zwischen Kapital, Arbeit und Wertverbänden zu organisieren. Daran hat sich auch am Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts nichts grundsätzlich geändert. Allerdings konstituiert die Sozialpolitik mit der Verwendungsgestaltung von etwa einem Drittel des Volkseinkommens heute ein eigenes gesellschaftliches Teilsystem, den Wohlfahrtsstaat. Nun war die Beziehung zwischen Familie und Erwerbssphäre nie wirklich unproblematisch. Doch erst die Politisierung der Sozialpolitik, die zunehmende Thematisierung von Wertbeziehungen wie den Frauenrechten durch die Frauenbewegung, brachte die Familienpolitik auf die öffentliche Agenda. Wenn nun die Grundlage der Beziehung zwischen Familie und Erwerbssphäre - jene historische Dichotomie von Privatheit und Gesellschaftlichkeit, von Reproduktion und Produktion - infrage steht, dann muss sich das notwendigerweise auch auf die Familienpolitik auswirken. Das Verhältnis von Familie und Beruf steht folglich praktisch, theoretisch und politisch zur Debatte.

Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die politischen Aspekte dieses Verhältnisses. In einem ersten Schritt soll kurz auf jene drei Stationen der deutschen Familienpolitik zurückgeblickt werden, die in dieser Zuspitzung weltweit einzigartig sind: jenen familienpolitischen Sonderweg vom Mütterlichkeitskult der Nationalsozialisten über die Dualität aus konservativer Familienidylle der Bundesrepublik und sozialistischer Arbeitsreligion der DDR hin zur nachholenden Modernisierung des vereinigten Deutschland. In einem zweiten Schritt wird die deutsche familienpolitische Gemengelage ein Jahrzehnt nach der deutschen Einheit untersucht und in den Kontext einer Neubestimmung des Wohlfahrtsstaates gestellt.



 
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