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2.7.2002 | Von:
Bernd Wagner

Kulturelle Globalisierung

Von Goethes "Weltliteratur" zu den weltweiten Teletubbies

V. Differenzierung tut Not

Diese Skizze der mit dem Begriff "kulturelle Globalisierung" bezeichneten Entwicklungen sollte deutlich machen, dass es sich um vieldimensionale, hochkomplexe Prozesse mit Überschneidungen, Ungleichzeitigkeiten und Brüchen handelt, die sich kaum in eine vereinheitlichende Perspektive pressen lassen und statt weltweiter Vereinheitlichung neue Ausdifferenzierungen und Pluralitäten hervorbringen.

Bei der gegenwärtigen Diskussion über kulturelle Globalisierung kommt es darauf an, konkreter zu untersuchen, unter welchen Bedingungen diese Entwicklungen stattfinden. Welche Qualitäten sie haben, wie bei der Vermischung das Verhältnis der verschiedenen Kulturen zueinander ist und ob Vorherrschaft abgebaut oder Ungleichheit verstärkt wird. Wenn es also darum gehen soll, konkreter zu begreifen, wie sich kulturelle Globalisierungsprozesse im Einzelnen abspielen, um die Verluste und positiven Perspektiven zu beurteilen und vor allem um kulturpolitisch da eingreifen zu können, wo es notwendig erscheint, ist es erforderlich, genau hinzusehen und die Prozesse, die Akteure und Handlungsfelder zu differenzieren.

In einer Zeit zunehmender Mobilitäten, von Enttraditionalisierungsprozessen und des Verschwindens räumlicher Distanzen durch die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien wird die Anschlussfähigkeit von kulturellen Angeboten zum zentralen Kriterium und nicht die Bindung an generationenübergreifende Tradition, nationale Sprache und lokale Geschichte.

Global - lokal, national - multikulturell, indigen - auswärtig sind nicht die zentralen Fragen für Kunst und Kultur, sondern inwiefern in ihnen Zuschauer und Zuhörer Anknüpfungspunkte für eigene Erfahrungen und Bedürfnisse finden, ob Themen angesprochen werden, die berühren und anregen und ob die kulturellen Angebote neben Unterhaltung auch Nachdenklichkeit und Reflexion ermöglichen oder verhindern.  

Internetverweise des Autors:  

www.kupoge.de

www.hgdoe.de