Familie auf der Straße (Symbolbild)

15.6.2018 | Von:
Anne Seibring

Editorial

"Die Wohnungsfrage ist die soziale Frage unserer Zeit", sagte der für Inneres, Bau und Heimat zuständige Bundesminister Horst Seehofer Anfang Mai 2018. Auch wenn die Wohnungskrise mittlerweile in der Mittelschicht angekommen ist, trifft sie nach wie vor vor allem Haushalte mit geringem Einkommen. Nach der europäischen Dachorganisation nationaler Nichtregierungsorganisationen, die in der Wohnungshilfe arbeiten (FEANTSA), muss die Hälfte der "armen Haushalte" mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufwenden. Nur in Bulgarien und Griechenland sei die Wohnkostenbelastung dieser Haushalte noch höher.

Was hat das mit Wohnungslosigkeit zu tun? Nicht so viel, folgt man der Antwort des Bundessozialministeriums auf schriftliche Fragen einer Abgeordneten aus dem Jahr 2016: "Wohnungslosigkeit liegt vielfach nicht in fehlendem Wohnraum begründet, sondern hat in der Regel eine Reihe anderer sozialer und zum Teil auch psychosozialer Ursachen." Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) benennt hingegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Verbindung mit einer unzureichenden Bekämpfung der Armut als wesentliche Ursachen für den Anstieg der Wohnungslosigkeit.

Als wohnungslos gilt, so die in Deutschland gängige, nicht amtliche Definition, wer über keine mietvertraglich abgesicherte Wohnung oder über selbst genutztes Wohneigentum verfügt. Die BAG W gibt die Zahl der Wohnungslosen 2016 mit 420000 an, dazu kommen 440000 anerkannte wohnungslose Flüchtlinge. Für 2018 prognostiziert sie einen Anstieg auf insgesamt 1,2 Millionen. Es handelt sich allerdings um Schätzungen – eine bundesweit einheitliche Statistik gibt es bisher nicht, ebenso wenig eine nationale Strategie zur Bekämpfung der Wohnungslosigkeit, wie sie von anderen europäischen Ländern aufgelegt wurde und wird.

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Autor: Anne Seibring für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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