APUZ Dossier Bild

22.5.2002 | Von:
Franz Kohout
Peter Cornelius Mayer-Tasch

Das ökologische Weltgewissen

Die Arbeit von NGOs im Rahmen der internationalen Umweltpolitik

Man kann die Rolle und Bedeutung transnationaler Umwelt-NGOs nicht getrennt von einem wesentlichen Aspekt verstehen: der Einbettung in ein sich veränderndes System internationaler Beziehungen.

I. Nicht-Regierungsorganisationen und internationale Umweltpolitik

Die Arbeit von Nicht-Regierungsorganisationen (Non-Governmental Organizations, NGOs) ist aus vielen Bereichen der nationalen und internationalen Politik nicht mehr wegzudenken. Die neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gelten geradezu als das Jahrzehnt der Nicht-Regierungsorganisationen. Allein beim Umweltgipfel 1992 der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro waren mehr als 1 400 Nicht-Regierungsorganisationen akkreditiert. Umwelt-NGOs werden als das "ökologische Weltgewissen" oder als "neue Internationale" bezeichnet. [1] Ihr Einfluss wird mitunter mit der "Macht der Mutigen" beschrieben. [2]

  • PDF-Icon PDF-Version: 70 KB





  • Diese - journalistisch geprägten - Einordnungs- und Evaluierungsversuche können durchaus als Schrittfolge für eine seriöse Beschäftigung mit dem Thema dienen: Die "neue Internationale" steht für die Stellung der NGOs in der Internationalen Politik in theoretischer und normativer Hinsicht. Und das Wort vom "ökologischen Weltgewissen" zielt auf das Problem der Legitimität dieser Organisationen vor dem Hintergrund globaler ökologischer Herausforderungen. Wenn Journalisten zudem von der "Macht der Mutigen" sprechen, so ist ferner die Frage nach der Bedeutung und der Leistungskraft international tätiger Umweltorganisationen aufgeworfen.


    Einfluss und Effektivität hängen eng mit dem Selbstverständnis und der Arbeitsweise der jeweiligen Organisationen zusammen. Es handelt sich bei den international tätigen Umweltschutzorganisationen um äußerst unterschiedlich ausgestattete und unterschiedlich arbeitende Gruppierungen, so dass nur eine differenzierte Analyse ihrem heterogenen Auftreten gerecht wird. Wenn zu undifferenziert analysiert und zu vorschnell evaluiert wird, bleibt nur noch der Mythos eines NGO-Einflusses übrig. [3] Im Folgenden soll daher der Versuch gemacht werden, die Stellung von NGOs in der Internationalen Politik theoretisch zu klären, ihre speziellen umweltpolitischen Rahmenbedingungen zu untersuchen, auf ihre divergierenden Selbstverständnisse und Arbeitsweisen einzugehen und schließlich ihre Bedeutung und ihren Einfluss für die internationale Umweltpolitik zu analysieren.

    Fußnoten

    1.
    Vgl. Peter Willets, Consultitative Status for NGOs at the United Nations, in: ders. (Hrsg.), The Conscience of the World. The Influence of Non-Governmental Organizations in the U. N. System, London 1996, S. 55.
    2.
    Vgl. dazu: Die Macht der Mutigen. Greenpeace, Amnesty& Co., Spiegel Spezial, Heft 11, 1995.
    3.
    Vgl. Roland Roth, Die Stimme erheben, in: Politische Ökologie, (2001) 72, S. 14-16 (Themenheft: "Vom David zum Goliath? NGOs im Wandel").