Ein D-Mark Geldstück aus dem Jahr 1965

29.6.2018 | Von:
André Steiner

Werden und Vergehen der DDR-Mark

Die DDR-Mark hatte ihre Ursprünge in der deutschen Teilung, die in den beiden Währungsreformen im Sommer 1948 ihren deutlichen Ausdruck fand. Zugleich sollte sie als Instrument der als Alternative zur Marktwirtschaft verstandenen Planwirtschaft dienen und war mit deren Schicksal eng verknüpft. Im Folgenden wird auf den Entstehungszusammenhang der ostdeutschen Währung und ihre Entwicklung bis zum Untergang der DDR eingegangen.

Währungsreform in der SBZ

Bei Kriegsende im Frühjahr 1945 war durch die Kriegsfinanzierung des "Dritten Reiches" die Geldmenge gegenüber 1939 auf das Siebenfache gestiegen; dieser Anstieg entsprach nicht im Ansatz dem realen Sozialprodukt, das drastisch geschrumpft war.[1] Um einen Run der Anleger auf die in den Banken verbliebenen Kassenbestände zu verhindern, die Geldmittel einzufrieren und die Inflation einzudämmen, die mit dem aus der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft übernommenen Preisstopp allein nicht zu bannen war, befahlen noch in den letzten Kriegstagen die einrückenden sowjetischen Kommandanten in Berlin und anderenorts in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), alle Bankgeschäfte einzustellen und die bestehenden Konten zu sperren. Zudem verhängte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) Ende Juli 1945 ein Auszahlungsverbot. Zugleich wurden bis auf wenige Ausnahmen alle Banken in der SBZ geschlossen und angeordnet, in den Ländern und Provinzen je eine Landes- oder Provinzialbank zu errichten.

Mit ihnen entstanden Universalbanken, die an Gewerbe und Handel Kredite vergeben und deren Einlagen aufnehmen sowie den Zahlungs- und Verrechnungsverkehr abwickeln sollten. Sie durften aber keine Banknoten emittieren, was aufgrund des aufgeblähten Geldumlaufs auch nicht notwendig erschien. Mit diesen Maßnahmen reagierte die sowjetische Besatzungsmacht zuerst auf dringende finanzpolitische Erfordernisse. Außerdem war entscheidend, dass die Rote Armee beim Einmarsch alle greifbaren Kassenbestände beschlagnahmt hatte, was einen radikalen Neuanfang der Geldinstitute erforderlich machte. Ein Sozialisierungsimpetus stand zu diesem Zeitpunkt eher noch nicht dahinter, wenngleich die Folgen in diese Richtung gingen.[2] Schließlich wurde im Herbst 1946 das Vermögen der geschlossenen privaten Banken an die neu gegründeten Landes- und Provinzialbanken übertragen.[3]

Im Februar 1947 verfügte die SMAD, in den fünf Ländern der SBZ Emissions- und Girobanken zu gründen. Sie sollten den Geldumlauf regeln und den Zahlungsverkehr in den Ländern organisieren. Die Landes- und Provinzialbanken wurden in Landes- und Provinzialkreditbanken umgewandelt und übernahmen die Aufgaben bei der Finanzierung der Wirtschaft. Darüber hinaus hatten die Emissions- und Girobanken die Banken und Sparkassen der betreffenden Länder zu refinanzieren. Damit übernahmen erstere auch Zentralbankfunktionen in den Ländern. Aufgrund des bestehenden hohen Geldüberhangs hatten die neuen Institute jedoch kaum Einfluss auf den Geldumlauf, und ihre Bedeutung blieb zunächst gering. Diese quasi Landeszentralbanken erschienen daher dem bestehenden System "künstlich aufgepfropft" und konnten die ihnen zur Verfügung gestellten geld- und kreditpolitischen Instrumente erst nach einer Währungsreform erfolgreich einsetzen. Es ist vermutet worden, dass die Sowjets damit ihrem Interesse an einer Währungsreform und der Schaffung einer deutschen Zentralbank Ausdruck geben wollten, nachdem in der US-amerikanischen und französischen Zone bereits Landeszentralbanken gegründet worden waren.[4]

Nachdem wenige Monate später im Juni 1947 die SMAD der Bildung einer auf die gesamte SBZ bezogenen Wirtschaftsinstanz, der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK), zugestimmt hatte, waren auch im Finanzsektor ähnliche Entwicklungen zu beobachten: Schon im Herbst 1945 hatte die Deutsche Zentralfinanzverwaltung (DZFV) mit der SMAD über die Bildung einer zentralen Bank als Refinanzierungsquelle für die anderen Kreditinstitute verhandelt.[5] Dergleichen lehnte die SMAD jedoch bis 1947 mit Verweis auf notwendige gesamtdeutsche Regelungen ab. Erst im Dezember 1947 – als sich die separate westliche Währungsreform abzeichnete – bestätigte der Ministerrat der UdSSR eine Verordnung, nach der in der SBZ eine Emissionsbank zu bilden sei. Daraufhin beauftragte die SMAD die DZFV, einen entsprechenden Entwurf auszuarbeiten.[6] Im Februar 1948 berieten führende Offiziere der Finanzverwaltung der SMAD mit der DZFV – anwesend waren auch die Präsidenten der Emissions- und Girobanken der ostdeutschen Länder – über die Gründung einer zonalen Bank.[7]

Zu diesem Zeitpunkt deutete sich hinter den Kulissen schon an, dass es keine einheitliche Währungsreform für Gesamtdeutschland geben würde. Für die Währungsreformen waren aber Zentralbanken mit Emissionsrecht erforderlich. Zudem war vermutlich bekannt, dass in den Westzonen die Gründung der Bank deutscher Länder vorbereitet wurde, weshalb man in der Ostzone ein ähnliches Ziel verfolgte.[8]

Fußnoten

1.
Vgl. Frank Zschaler, Die vergessene Währungsreform. Vorgeschichte, Durchführung und Ergebnisse der Geldumstellung in der SBZ 1948, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 2/1997, S. 191–224, hier S. 193f.
2.
Vgl. André Steiner, Die Errichtung der deutschen Emissions- und Girobank in der Sowjetischen Besatzungszone 1948, in: Dieter Lindenlaub/Carsten Burhop/Joachim Scholtyseck (Hrsg.), Schlüsselereignisse der deutschen Bankengeschichte, Stuttgart 2013, S. 320–333, hier 321.
3.
Vgl. Ralf Ahrens, Transformation als Diktaturdurchsetzung. Die Sächsische Landesbank und die Reorganisation des Bankwesens in der SBZ, in: Geld und Kapital. Jahrbuch der Gesellschaft für mitteleuropäische Banken- und Sparkassengeschichte 2005/06, S. 121–144, hier S. 130–135.
4.
Vgl. Josef Deckers, Die Transformation des Bankenwesens in der SBZ/DDR von 1945–1952, Berlin (West) 1974, S. 71ff.
5.
Vgl. Ahrens (Anm. 3), S. 140.
6.
Vgl. Jochen Laufer, Die UdSSR und die deutsche Währungsfrage 1944–1948, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 3/1998, S. 455–485, hier S. 476f.
7.
Vgl. Frank Zschaler, Von der Emissions- und Girobank zur Deutschen Notenbank, in: Bankhistorisches Archiv 1992, S. 59–68, hier S. 59ff.
8.
Vgl. Zschaler (Anm. 1), S. 204f.; Laufer (Anm. 6), S. 479f.; Christoph Buchheim, Die Errichtung der Bank deutscher Länder und die Währungsreform in Westdeutschland, in: Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Fünfzig Jahre Deutsche Mark, München 1998, S. 91–138, hier S. 111f., 127f.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: André Steiner für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.