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Nachhaltigkeit und Vorsorge - Anforderungen der Digitalisierung an das politische System


6.10.2003
Zur Abschätzung von Chancen und Risiken von "Pervasive Computing" werden Prinzipien der traditionellen Ethik herangezogen. Ergänzt werden sie um das Vorsorgeprinzip und die Leitidee einer "nachhaltigen Entwicklung".

Einleitung



"Pervasive Computing" ist eine zukünftige Anwendungsform von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT), die durch Miniaturisierung und Einbettung von Mikroelektronik in andere Objekte sowie ihre Vernetzung und Allgegenwart im Alltag gekennzeichnet ist. Anders als die meisten heutigen ICT-Produkte werden Komponenten des Pervasive Computing mit Sensoren ausgestattet sein, über die sie ihre Umgebung erfassen, ohne dass der Benutzer dies aktiv veranlasst.





Eine so weitgehende Vision der alltäglichen Durchdringung mit mikroelektronischen Komponenten, die immer und überall eingeschaltet und weitgehend drahtlos vernetzt sind, wirft Fragen nach möglichen unerwünschten Folgen dieser Technologie auf. Den erwarteten Vorteilen sind die teilweise ungeklärten Risiken gegenüberzustellen, die in der Verwirklichung dieser Technologievision liegen. Bei der Abwägung von Chancen und Risiken stellt sich die Grundfrage der Technikethik: "Mit welcher Technik wollen wir in welcher Welt leben?" Aus dem Blickwinkel einer prospektiven Technikgestaltung muss gefragt werden: "Wie lassen sich positive Gestaltungsansätze gezielt nutzen und ausbauen?" Diese Fragen können nur im gesellschaftlichen Diskurs beantwortet werden.





Bereits die Identifikation und Unterscheidung von Chancen und Risiken setzt die Orientierung an Wertgrundlagen voraus und kann nicht innerhalb der Wissenschaft allein entschieden werden. Eine Studie[1], welche die Autoren im Auftrag des schweizerischen Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) durchgeführt haben, stützt sich bei der Abschätzung von Chancen und Risiken von Pervasive Computing auf die Prinzipien der traditionellen Ethik (Achtung der Menschenwürde, Fürsorgeprinzip und Gerechtigkeit), ergänzt um das Vorsorgeprinzip und die Leitidee "Nachhaltige Entwicklung". Das Vorsorgeprinzip dient dem Umgang mit Risiken in Situationen, in denen keine akute Gefährdung gegeben ist. Es hat den Zweck, auch solche Risiken zu minimieren, die sich möglicherweise erst langfristig manifestieren, und Freiräume für zukünftige Entwicklungen zu erhalten. Das Leitbild "Nachhaltige Entwicklung" besagt, dass sowohl die intra- als auch die intergenerationelle Gerechtigkeit Ziele der gesellschaftlichen Entwicklung sein sollen.





Ziel dieses Beitrags ist es, mögliche Risiken des Pervasive Computing im Kontext des Vorsorgeprinzips und des Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung und den sich daraus ergebenden politischen Handlungsbedarf aufzuzeigen.



Fußnoten

1.
Vgl. Lorenz M. Hilty/Siegfried Behrendt u.a. Das Vorsorgeprinzip in der Informationsgesellschaft. Auswirkungen des Pervasive Computing auf Gesundheit und Umwelt, hrsg. vom Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS), Bern 2003 (TA 46/2003). Die Studie wurde von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA, St. Gallen) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT, Berlin) und weiteren Kooperationspartnern 2002/2003 erstellt und wird im September 2003 veröffentlicht. Bezugsquelle: TA-SWISS, Birkenweg 61, CH-3003 Bern, Tel. +41 - 31 - 3229963, E-Mail: ta@swtr.admin.ch.