APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 Pfeil rechts

Die muslimische Welt und der Westen


5.9.2003
Erwartungen des Islam an den Westen werden aus der Sicht von Autorinnen und Autoren aus sechs muslimischen Ländern dargestellt. Bemerkenswert an den Ausführungen ist, dass sie ungeachtet unterschiedlicher historischer Hintergründe zu weitgehend übereinstimmenden Ergebnissen gekommen sind.

Einleitung



Dieser Bericht[1] erscheint zu einem Zeitpunkt, da sich eine weitere Abfolge tragischer Ereignisse in der Geschichte der Beziehungen zwischen der muslimischen Welt und dem Westen vollzieht. Die Anschläge vom 11. September 2001 haben nicht nur die USA traumatisiert, sondern kennzeichnen zugleich den Beginn eines neuen Zeitalters. Ihnen folgte die Kampagne gegen den internationalen Terrorismus, der Angriff auf Afghanistan, der Krieg gegen den Irak und dessen Besetzung und schließlich die Drohungen der USA gegen Syrien und den Iran.













Obwohl kein einziges dieser Ereignisse offiziell vom "Islam" oder dem "Westen" an sich zu verantworten war, sondern von ganz bestimmten Akteuren aus der muslimischen und der westlichen Welt, haben sie dennoch dazu beigetragen, den bereits bestehenden Riss zwischen beiden Seiten zu verbreitern. Die jetzige instabile Situation zeigt auf dramatische Weise die Notwendigkeit sowohl für die muslimischen als auch für die westlichen Gesellschaften, die sie trennenden Fragen und die Faktoren, die zu Missverständnissen, Spannungen und Konflikten führen, zu begreifen.

Diese Veröffentlichung zeichnet sich anderen gegenüber dadurch aus, dass sie eine muslimische Perspektive auf die Beziehungen zwischen der muslimischen Welt und dem Westen darstellt. Sie verkörpert die Arbeit von sechs Intellektuellen - drei aus dem Nahen Osten, einer aus Europa, zwei aus Süd- bzw. Südostasien. Diese Frauen und Männer haben ganz verschiedene historische, kulturelle, ethnische und sprachliche Hintergründe. Auch vertreten sie völlig verschiedene Disziplinen. Während der gemeinsamen Arbeit an diesem Bericht war es für sie alle überraschend festzustellen, dass sie eine bemerkenswerte Ähnlichkeit in ihren Auffassungen über grundlegende Fragen teilen, welche die Beziehungen zwischen der muslimischen Welt und dem Westen charakterisieren.













Faire, ausgewogene Interaktion zwischen zwei Seiten kann dem wechselseitigen Verständnis Impulse geben und es stärken, es kann Frieden und Zusammenarbeit erleichtern. Damit ein solcher Dialog aber die beabsichtigten Ziele erreicht, muss er von der Prämisse ausgehen, dass keine Seite gezwungen ist, ihr Denken oder Verhalten von vornherein aufzugeben. Beides muss wechselseitig als prinzipiell nützlich und legitim akzeptiert werden, auch aus der Sicht der anderen Seite. Die Frage stellt sich dann nicht mehr, wer besser oder überlegener ist, sondern eher: Wer anerkennt und akzeptiert den anderen in seinem Bestreben, sein Selbst darzulegen und auszudrücken? Ein solches Dialogverhalten würde das jeweils andere Denken und Verhalten bereichern und stärken. Unter solchen Bedingungen wäre der Dialog hoffentlich in der Lage, negative Wahrnehmungen und Stereotypen abzubauen, die Feindseligkeit und ablehnende Haltung durch Verständnis und Kooperation zu ersetzen. Dieser Bericht ist unser Beitrag, einen solchen Dialog anzuregen.


1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 Pfeil rechts
Alles auf einer Seite lesen

Fußnoten

1.
Der Bericht "Der Islam und der Westen - eine islamische Perspektive" wird vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) Stuttgart herausgegeben und erscheint Mitte November in englischer, deutscher und arabischer Sprache. Er ist Teil des ifa Forum Dialog und Verständigung, eines Programms des ifa im Rahmen des Sonderprogramms des Auswärtigen Amtes zum "Europäisch-islamischen Kulturdialog". Der vollständige Text wird ab November auf der homepage des ifa (www.ifa.de) veröffentlicht bzw. kann unter islam- report@ifa.de bestellt werden.