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6.5.2003 | Von:
Dieter Hansen

Verlust von Humankapital in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit

II. Grundlegende Fragestellungen

Das intellektuelle Leistungsniveau der jungen Männer wies - für uns überraschend - einen signifikanten rechnerischen Zusammenhang (r = -.67)[2] mit der jeweiligen Arbeitslosenquote auf. Hierfür hatten wir seinerzeit zwei, von uns damals jedoch nicht näher nachprüfbare Erklärungen angeboten:[3]

- Fehlende Wirtschaftskraft hat Defizite im Bildungswesen und in der Lebensqualität der Menschen zur Folge. Diese wiederum wirken sich negativ auf die intellektuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus.

- Wirtschaftlich starke Regionen sind eher Zuzugs-, wirtschaftlich schwache Regionen eher Fortzugsgebiete. Zu einer innerdeutschen Mobilität sind besser gebildete, für die intellektuelle Förderung ihrer Kinder aufgeschlossene Familien eher bereit.

Diese beiden Erklärungsansätze haben wir in der vorliegenden Analyse überprüft. Die neue Studie unterscheidet sich von der Vorläufer-Untersuchung in drei Aspekten:

- Die Betrachtung der 16 Bundesländer wurde differenziert in 83 Stadt-/Landkreise.

- Zusätzlich zum Prüfmerkmal Arbeitslosigkeit wurden die Merkmale Wirtschaftskraft, Binnenwanderung, Urbanität und Abiturientenquote eingeführt. Aufgrund der uns vorliegenden Untersuchungen vermuten wir für alle diese Merkmale einen funktionalen Zusammenhang mit den regionalen Kennwerten intellektueller Leistungsfähigkeit (dem regionalen Humankapital).

- Der ursprünglich längsschnittliche Ansatz wurde durch einen querschnittlichen ersetzt.


Fußnoten

2.
Der verwendete Korrelationskoeffizient ("r") kann sich zwischen r = - 1.0 und r = + 1.0 bewegen. Je "näher" der Wert bei - 1 oder + 1 liegt, umso höher ist der statitistisch nachweisbare Zusammenhang. r = 1.0 bedeutet einen maximal positiven, r = - 1.0 einen maximal negativen und r = 0 einen völlig fehlenden Zusammenhang zwischen zwei veränderlichen Merkmalen ("Variablen"). In unserem Fall: Je niedriger die Arbeitslosenquote in einer Region ist, desto höher ist das dortige Niveau der kognitiven bzw. geistigen Fähigkeiten.
3.
Vgl. H.-J. Ebenrett/K. J. Puzicha (Anm. 1), S. 110.