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6.5.2003 | Von:
Klaus J. Puzicha

Verlust von Humankapital in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit

III. Untersuchungsmerkmale

Die vorliegende Untersuchung basiert auf den Intelligenztestleistungen von 248 727 jungen Männern (Altersspektrum: 18 bis 22 Jahre), die im Jahr 1998 bundesweit im Rahmen ihrer Musterung die psychologische Eignungsuntersuchung bei den 83 Kreiswehrersatzämtern durchlaufen haben. Als Messwert der individuellen Intelligenztestleistung gilt dabei - wie in der Untersuchung auf Länderebene - die aus einem Rechentest, einem Matrizentest und einem Wortanalogietest zusammengesetzte "Intelligenz-Note" des Psychologischen Dienstes der Bundeswehr.

Als zentrales Untersuchungsmerkmal haben wir für jeden der 83 Kreiswehrersatzamtsbereiche aus den individuellen Intelligenznoten den regionalen Durchschnittswert der Intelligenz (RDI) berechnet. Der RDI ist unsere "abhängige" Untersuchungsvariable.

Abbildung 1 zeigt das erreichte RDI-Niveau in den 83 Kreiswehrersatzamtsbereichen. Die Klassifizierung in fünf Kompetenzstufen ist dabei weitgehend den in der PISA-Studie gewählten Klassengrenzen angeglichen.[4]

Das regionale RDI-Niveau stimmt mit den zentralen Befunden auf der Ebene der Bundesländer überein: Sowohl das angesprochene Süd-Nord-Gefälle als auch das West-Ost-Gefälle sind deutlich sichtbar. Die Differenzierung nach 83 Regionen zeigt aber auch, dass innerhalb der jeweiligen Ländergrenzen in der Regel mehrere - in den Flächenländern jeweils drei - RDI-Klassen vertreten sind. Die große Streuung regionaler Intelligenzniveaumesswerte ist also nicht nur ein Bundes-, sondern auch ein Landesphänomen.


Als "unabhängige" Prüfmerkmale und damit als mögliche Determinanten der regionalen RDI-Unterschiede wurden, wie eingangs bereits angesprochen, fünf Variablen in die Untersuchung einbezogen (vgl. die Tabelle).

Zur Operationalisierung der Prüfmerkmale ist anzumerken:

Üblicherweise ist die regionale Wirtschaftskraft durch das zugehörige Steueraufkommen und/oder die so genannte "Bruttowertschöpfung" definiert, die man sich näherungsweise als "Bruttosozialprodukt der jeweiligen Region" vorstellen kann. Im Vergleich beider Parameter erschien uns die Bruttowertschöpfung als der besser geeignete Kennwert, da er alle Wirtschaftsleistungen erfasst und weniger als das regionale Steueraufkommen durch staatliche Regulierungsmaßnahmen (z.B. Steuererleichterungen, Abschreibungsmöglichkeiten) "verfälscht" ist.

Die regionale Arbeitslosenquote ergibt sich aus dem jeweiligen Prozentanteil der arbeitslos Gemeldeten in Relation zur Zahl der regional Beschäftigten.

Ausmaß und Richtung der Binnenwanderung haben wir in Form der so genannten "Effektivitätsziffer" erfasst. Dies ist ein amtlicher regionaler Kennwert, der dem Quotienten aus dem Wanderungssaldo (Zahl der Zugezogenen abzüglich der Zahl der Abgewanderten) und dem Wanderungsvolumen (Zugezogene plus Abgewanderte) entspricht.

Das Prüfmerkmal Urbanität und damit die in Städten und Ballungsgebieten von uns vermutete Vielfalt vorhandener Bildungsangebote und kultureller Anreize haben wir mit dem regionalen "Pro-Kopf-Anteil" landwirtschaftlicher Nutzfläche, gemessen in Hektar pro 1000 Einwohner, erfasst.

Die Abiturientenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Abiturienten an allen Testanden, aus deren Testleistungen der jeweilige RDI berechnet wurde.

Warum wir gerade diese fünf Prüfmerkmale als mögliche Ursachen für die Disparitäten im regionalen Intelligenzniveau ansehen, soll nachfolgend begründet werden. Wir ergänzen diese Begründung um die Ergebnisse einer ersten Korrelationsanalyse.


Fußnoten

4.
In der PISA-Studie werden fünf Stufen der Kompetenz unterschieden. Diese beschreiben die Fähigkeit, Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade lösen zu können. Die Kompetenzstufe V (bei uns die besten 10 Prozent) wird in der PISA-Studie als "Expertenstufe", die Kompetenzstufe 1 (die schlechtesten 10 Prozent) als "Elementarstufe" bezeichnet.