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6.5.2003 | Von:
Klaus W. Wippermann

Editorial

Globalisierung ist mehr als nur ein Schlagwort. Sie beeinflusst immer mehr Lebensbereiche: von der Politik, der Wirtschaft und den Finanzen bis hin zum Arbeitsmarkt oder der Alltagskultur.

Globalisierung ist mehr als nur ein Schlagwort. Sie beeinflusst immer mehr Lebensbereiche: von der Politik, der Wirtschaft und den Finanzen bis hin zum Arbeitsmarkt oder der Alltagskultur. Neben neuen Möglichkeiten der weltweiten Kommunikation ("world wide web") entstehen zugleich neue Konfliktlinien. Diese erscheinen differenzierter und "unübersichtlicher" als die alten Kontroversen des Ost-West-Konflikts. Heute und in Zukunft sind es vor allem die veränderten sozioökonomischen Herausforderungen, die neuen Formen des internationalen Wettbewerbs über Grenzen und politische Systeme hinweg, auf welche die Politik Antworten finden muss.

Die Frage, inwieweit die Politik Einfluss auf die Wirtschaft nehmen kann bzw. sollte, ist keineswegs ein neues Thema. Allerdings sind heute die Rahmenbedingungen für staatliche Aktivitäten noch schwieriger geworden - handelt es sich doch in den wichtigsten Wirtschaftssektoren nicht mehr um "Nationalökonomien". Politische wie ethische Aspekte eines Eingreifens in die globalisierte Wirtschaft sollten auch weniger einen ideologischen Hintergrund haben, wie Bernd Klees in seinem Essay meint, sondern pragmatische Zielsetzungen anstreben - etwa einen international vereinbarten Ordnungsrahmen mit grundsätzlichen Verhaltensregeln.

Den unterschiedlichen Möglichkeiten staatlicher Einflussnahme auf die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen geht Stefan A. Schirm nach. Er vertritt die These, dass der Staat trotz des von der Globalisierung ausgehenden Anpassungsdrucks nicht automatisch geschwächt wird, wenn er sich flexibel auf veränderte internationale Wettbewerbssituationen einstellt. Globalisierung bietet durchaus Chancen für Innovation und Wachstum. Zugleich aber ist der Staat gefordert, sich sowohl an den internen Anpassungskosten des Strukturwandels zu beteiligen als auch durch multilaterale Abkommen zwischenstaatliche Zusammenarbeit - etwa in Form von "Global Economic Governance" - zu organisieren.

Wie wichtig eine solche Kooperation für die einzelnen Volkswirtschaften ist, haben nicht zuletzt die Finanzkrisen der Kapitalmärkte gezeigt, von denen Entwicklungsländer wie Industriestaaten zwar unterschiedlich, aber gleichermaßen existenziell betroffen waren bzw. es noch sind. Das Volumen und die rasche Beweglichkeit globaler Finanztransaktionen können selbst gesunde Ökonomien bzw. einzelne Unternehmen gefährden. Heribert Dieter erörtert eine Reihe von Vorschlägen, wie die internationale Finanzarchitektur wieder auf sicherere Fundamente gestellt werden kann.

Um Sicherheit ganz anderer Art geht es im Beitrag von Wolfgang Hetzer. Globalisierung bedeutet nicht nur offene Grenzen für Kapitalströme und den Handelsverkehr - auch die internationale Organisierte Kriminalität profitiert vom Wegfall bzw. der Verminderung von Kontrollen. Insbesondere die Wirtschaftskriminalität nutzt die weltweiten Kommunikationsstrukturen für ihre Zwecke. Für sie sind die internationalen Finanzmärkte zum attraktiven globalen Tatort geworden. Die Europäische Union reagierte auf diese Gefahren, indem sie in Brüssel ein Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung eingerichtet hat.

Im Sommer 2002 stellte die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zur "Globalisierung der Weltwirtschaft - Herausforderungen und Antworten" ihren Schlussbericht vor. Aus diesem umfangreichen Text, der auch als Buchpublikation vorliegt, werden Auszüge dokumentiert.