APUZ Dossier Bild

6.5.2003 | Von:
Peter A. Zervakis
Sébastien von Gossler

40 Jahre Elysée-Vertrag: Hat das deutsch-französische Tandem noch eine Zukunft?

Nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990 waren Deutschland und Frankreich gezwungen, ihr Verhältnis neu zu justieren. Dieser Herausforderung sind die beiden Partner lange Zeit ausgewichen.

Einleitung

Am 22. Januar 2003 feiern Deutschland und Frankreich das vierzigjährige Bestehen des "Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit", des so genannten "Elysée-Vertrags" von 1963.[1] Dieser begründete erst die deutsch-französische Partnerschaft, die seither viele Höhen und Tiefen durchlebt hat. Einige ursprüngliche Determinanten wie die Bedrohung durch den Kommunismus sind entfallen, andere wie die Politik im Rahmen der Europäischen Union (EU) haben an Bedeutung gewonnen. Aber auch neue Aufgabenfelder wie der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nach dem 11. September 2001 zeichnen sich ab. Weshalb lässt sich rückblickend von einer Erfolgsgeschichte in der internationalen Politik sprechen? Und ist die "bonne entente" (Valéry Giscard d'Estaing) nicht mittlerweile gar so gut eingespielt, dass die regelmäßigen Treffen als zuweilen langweilige Routine empfunden werden?


Ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren des deutsch-französischen Tandems ist die doppelte Abhängigkeit vom Partner und von der EU, der "komplementäre" Bilateralismus. Zwar scheint die Zusammenarbeit beider Länder auf den ersten Blick im Widerspruch zur multilateral ausgerichteten Außenpolitik Deutschlands zu stehen. Sie hat sich aber immer dann bewährt, wenn sie nicht als Alternative angelegt war.[2]




Nach einem kurzen Abriss der Entstehungsgeschichte des Vertrags und seiner Bedeutung für die deutsch-französische Partnerschaft werden im Folgenden die bisherigen Erfolge und die Strukturprobleme seit der Wiedervereinigung bilanziert. Die Analyse mündet in eine Reflexion über die Zukunft des Partnerschaftsvertrages in einem stark veränderten Kontext.


Fußnoten

1.
Für die anregenden Kommentare und wertvollen Hinweise danken wir insbesondere Clemens zur Hausen, Marcel Linden, Dr. Franz-Josef Meiers, Dr. Georg Michels und Oliver Sefrin. 1Vgl. Vertragstext und Zusatzprotokolle von 1988, in: Hans-Peter Schwarz, Eine Entente Elémentaire. Das deutsch-französische Verhältnis im 25. Jahr des Elysée-Vertrages (Arbeitspapiere zur Internationalen Politik, Bd. 47), Bonn 1988, erweiterte Neuauflage 1990, S. 35 - 44; vgl. ferner Adolf Kimmel/Pierre Jardin (Hrsg.), Die deutsch-französischen Beziehungen seit 1963. Eine Dokumentation (Frankreich-Studien, Bd. 6), Opladen 2002.
2.
Vgl. Wichard Woyke, Deutsch-französische Beziehungen seit der Wiedervereinigung. Das Tandem fasst wieder Tritt, Opladen 2000, S. 11 - 13.