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16.11.2004 | Von:
Matin Baraki

Afghanistan nach den Taliban

Der Krieg gegen die Taliban ist Bestandteil der "Greater Middle East Initiative" der USA. Afghanistan ist von der Verwirklichung der Menschenrechte wie von Sicherheit und Frieden weit entfernt.

Einleitung

Die Strategie der USA für ihre Politik im Nahen und Mittleren Osten nach dem 11. September 2001 unter der Bezeichnung "Enduring Freedom" hat ihren Ursprung in der Konzeption der "Neuen Weltordnung" von 1991, die Präsident George Bush sen. im Vorfeld des Golfkrieges zur Befreiung Kuwaits von der irakischen Besatzung verkündet hatte. Die Vollendung dieser US-Politik musste damals aus taktischen Gründen zurückgestellt werden, da zu Saddam Hussein keine akzeptable Alternative in Sicht war.




Für das weitere Vorgehen der USA in der Region entwickelte Zbigniew Brzezinski eine Konzeption, die den US-Anspruch auf Vorherrschaft proklamierte. Er betonte, "daß Eurasien der Mittelpunkt der Welt sei und mithin derjenige, der Eurasien beherrsche, die Welt beherrsche"[1]. Neben diesem geostrategischen Ziel impliziert das ökonomische Interesse der USA "ungehinderten Zugang"[2] zu diesem Raum. Diese Konzeption Brezinskis ist das "Drehbuch" dessen, was die Bush-Administration, ergänzt durch neokonservative Akzente, in der Region des Nahen und Mittleren Ostens unter der Chiffre "Krieg gegen den Terror" umsetzen möchte.

Wie der ehemalige Außenminister Pakistans Naiz Naik bestätigte, war der Krieg gegen das Taliban-Regime lange vor den Anschlägen vom 11. September beschlossen, denn schon im Juli 2001 war seine Regierung seitens der USA über einen bevorstehenden Krieg gegen Afghanistan informiert worden.[3] Die Neokonservativen nahmen die Terroranschläge zum Anlass, "das Weiße Haus zu kidnappen und die Politik der Regierung Bush in erstaunlichem Maße zu prägen". Ihr Hauptziel "ist die Begründung einer konkurrenzlosen Pax Americana für das 21. Jahrhundert", um die USA als globale Ordnungsmacht zu installieren. Der Einsatz aller Waffengattungen ist Bestandteil dieser Strategie, um "jeden Teil der Welt für eine amerikanische Intervention offenzulassen" und gegebenenfalls "jeden Punkt der Welt in fünfzehn Minuten zu pulverisieren"[4].


Fußnoten

1.
Zbigniew K. Brzezinski, Die einzige Weltmacht, Weinheim 1997, S. 16.
2.
Ebd., S. 203.
3.
Vgl. Matin Baraki, Islamismus und Großmachtpolitik in Afghanistan, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), B 8/2002, S. 38.
4.
Detlef Junker, Der Mächtige allzu allein, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 10.9. 2004, S. 8.