APUZ Dossier Bild

3.11.2004 | Von:
Paul M. Zulehner

Neue Männlichkeit - Neue Wege der Selbstverwirklichung

Entwicklungen

Die vier Haupttypen mit ihrer je unterschiedlichen Präsenz in den verschiedenen Lebensfeldern stehen in einer Einzelstudie zunächst nebeneinander und erlauben als solche noch keine verlässliche Aussage über eine Entwicklung. Setzt man diese Typen aber mit dem Lebensalter in Verbindung, dann zeigen sich mögliche Verschiebungen.

So ist das Traditionelle bei den Jüngeren mehr oder minder "out". Die jungen Männer (und Frauen) tendieren zu modernen Geschlechterrollen, obgleich nicht wenige von ihnen auch unter den Pragmatischen und unter den Unbestimmten zu finden sind (siehe PDF-Version, Abbildung 2).

Noch aufschlussreicher als eine Querschnittstudie (einschließlich der Alterskorrelationen) sind Langzeitstudien. Sie lassen erkennen, ob und wie sich über Jahre hinweg Geschlechtertypen anteilsmäßig entwickelt haben. Dazu stehen uns für Österreich erstmals für den deutschsprachigen Raum Daten zur Verfügung.[3] Es wird deutlich, dass der Anteil der modernen Männer zu-, jener der traditionellen hingegen abnimmt. Als stärkste Gruppe ragt jene der Unbestimmbaren heraus. Das legt den Schluss nahe, dass die Entwicklung vom traditionellen zum modernen Verhalten zwar im Gang, jedoch mit einer großen Offenheit versehen ist.

Ein Vergleich zwischen den Männern und den Frauen zeigt zudem, wie unterschiedlich die Entwicklungsgeschwindigkeiten bei beiden Geschlechtern sind. Der Anteil der modernen Frauen war 2002 in Österreich nahezu doppelt so groß wie jener der Männer. Der Anteil der Unbestimmten ist zudem bei den Frauen deutlich niedriger als bei den Männern. Einen Teil der Unterschiede erklärt gewiss die Tatsache, dass die Frauenselbstentwicklung auf einen längeren Erfahrungszeitraum zurückblickt, die der Männer hingegen erst jüngsten Datums ist (siehe PDF-Version, Abbildung 3).


Fußnoten

3.
Anhaltspunkte für die Veränderung der Frauenrollen enthalten die Europäischen Wertestudien: Paul M. Zulehner/Hermann Denz, Wie Europa lebt und glaubt, Düsseldorf 1991. - Hermann Denz u. a.: Die europäische Seele, Wien 2002.