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3.11.2004 | Von:
Peter Döge
Rainer Volz

Männer - weder Paschas noch Nestflüchter

Aspekte der Zeitverwendung von Männern nach den Daten derZeitbudgetstudie 2001/2002 des Statistischen Bundesamtes

Männer zwischen Berufund Familie

Ein erster Blick auf das Männerleben zeigt: Den zeitlichen Schwerpunkt bildet neben dem Schlafen, mit dem Männer im Durchschnitt rund acht Stunden und zwanzig Minuten verbringen, die Erwerbsarbeit. Deren Stellenwert variiert mit dem Lebensalter. Bei jüngeren Männern bis zum 18. Lebensjahr bilden erwartungsgemäß Qualifikation und Bildung einen Schwerpunkt, für den diese Altersgruppe zusätzlich ein Achtel ihrer Tageszeit einsetzt. Für Ältere, die sich jenseits des 65. Lebensjahres befinden, spielt die Erwerbstätigkeit keine Rolle mehr in ihrem Tagesablauf.

Männer zwischen 25 und 45 Jahren, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wenden hierfür täglich rund acht Stunden und 40 Minuten auf. Für die Haus- und Familienarbeit, an der sich fast alle Männer dieser Alterskohorte beteiligen, werden im Durchschnitt täglich mehr als zweieinhalb Stunden eingesetzt.[7] Darunter fallen rund eine Stunde und fünfzehn Minuten für die Betreuung von Kindern, der sich insgesamt ein Drittel der Männer in dieser Altersgruppe widmet (siehe PDF-Version, Schaubild1). Mehr Zeit für die Haus- und Familienarbeit bringen Männer zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr auf: Sie setzen dafür mehr als drei Stunden am Tag ein, die Beteiligungsquote liegt bei über neunzig Prozent. Hierunter fällt noch knapp eine Stunde für die Kinderbetreuung. Allerdings sind nur noch fünf Prozent der Einträge der Männertagebücher dieser Aktivität gewidmet. Der Zeitwert für Kinderbetreuung nimmt bei den Männern jenseits des 65. Lebensjahres wieder auf durchschnittlich 72 Minuten am Tag zu, jedoch mit einer Beteiligungsquote von nur noch zwei Prozent.

Im Hinblick auf die Haus- und Familienarbeit setzen Männer zum Teil recht traditionelle Schwerpunkte. So finden sich beispielsweise in den Tagebüchern von nur 9 Prozent der Männer zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr Eintragungen zur Textilpflege, auch zur Haushaltsorganisation gibt es nur bei 14 Prozent dieser Gruppe Vermerke. Im Gegensatz hierzu sind in fast sechs Zehntel der Tagebücher Aktivitäten im Zusammenhang mit der Zubereitung von Mahlzeiten vermerkt, die mit fast 40 Minuten am Tag zu Buche schlagen. Fast 40 Prozent der Männer verbringen eine Stunde mit Einkaufen, die Hälfte dieser Gruppe beteiligt sich an der Instandhaltung der Wohnung mit durchschnittlich einer Dreiviertelstunde am Tag. Entgegen landläufigen Stereotypen finden sich in nur 17 Prozent der Tagebücher dieser Altersgruppe Eintragungen zu handwerklichen Aktivitäten; diese währen dann allerdings fast zwei Stunden (siehe PDF-Version, Schaubild1).

Das Zeitverwendungsmuster (Haus- und Familienarbeit) variiert erwartungsgemäß mit dem Lebensalter der Männer. So wenden Männer jenseits des 65. Lebensjahrs eine Stunde für die Zubereitung von Mahlzeiten auf, wobei sieben Zehntel der Männer dieser Alterskohorte angeben, diese Aktivität auszuüben. Dagegen finden sich nur in etwas mehr als einem Viertel der Tagebücher von Männern zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr Eintragungen zur Mahlzeitenzubereitung, und sie setzen am Tag lediglich gut eine halbe Stunde dafür ein. Der höchste Anteilswert innerhalb dieser Altersgruppe findet sich bei der Wohnungsinstandhaltung: Dafür engagiert sich etwas mehr als ein Drittel mit durchschnittlich 45 Minuten am Tag. Zwei Minuten mehr (47 Minuten) werden für die Kinderbetreuung aufgewendet. Allerdings wird nur ein Prozent dieser Altersgruppe hier tatsächlich tätig.

Mit dem Lebensalter der Männer und den damit verbundenen Zeitverwendungsmustern korrelieren bestimmte Lebensmuster, vor allem Haushaltskonstellationen. Hier zeigt sich, dass insbesondere der Einsatz von Männern in der Haus- und Familienarbeit entscheidend vom Alter des jüngstenKindes im Haushalt beeinflusst wird. Leben Männer mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren zusammen, erhöht sich der zeitliche Aufwand fürdie Haus- und Familienarbeit insgesamt, aber auch für die Kinderbetreuung beachtlich (siehe PDF-Version, Schaubild 2).

In rund 97 Prozent aller Tagebücher von Männern mit Kleinkindern bis zu drei Jahren finden sich Zeiteinträge im Bereich der Haus- und Familienarbeit; sie belaufen sich im Durchschnitt auf fast vier Stunden am Tag (siehe PDF-Version, Schaubild 2). Auch der Einsatz für die Kinderbetreuung erhöht sich auf eine Stunde und 38 Minuten, bei einer Beteiligungsquote von 81 Prozent dieser Männer (siehe PDF-Version, Schaubild 3).

Diese Gewichtsverlagerung bei den Vätern geht eindeutig auf Kosten der Freizeit, denn der Zeitaufwand für die Erwerbsarbeit wird praktisch nicht reduziert. Leicht verringert ist - im Vergleich zum Durchschnittswert aller Männer zwischen 25 und 45 Jahren - auch der Zeitaufwand für Schlafen und Körperpflege. Mit zunehmendem Alter der Kinder reduziert sich allerdings das Engagement der Männer in Haushalt und Familie und liegt wieder beim Durchschnittswert dieser Altersgruppe.

Nicht ganz so stark wie vom Alter des jüngsten Kindes im Haushalt wird bei Männern die tägliche Balance zwischen Arbeit und Familie von ihrer Stellung im Beruf sowie vom Wirtschaftszweig, in dem sie tätig sind, beeinflusst. Am stärksten wird der Alltag Selbstständiger von der Erwerbsarbeit dominiert. Zwar finden sich in 83 Prozent der Tagebücher Selbstständiger Einträge zur Haus- und Familienarbeit, aber sie liegen damit hinter den Beamten (88 Prozent) und den Arbeitern und Angestellten (jeweils 87 Prozent). Entsprechend niedrig ist mit 143 Minuten bei den Selbständigen auch der Zeitwert für diesen Aktivitätsbereich, die Beamten bringen es dagegen mit durchschnittlich 165 Minuten pro Tag auf den höchsten Zeitwert siehe PDF-Version, Schaubild 4).

Interessanterweise beeinflusst die Stellung der Männer im Beruf den Anteil an der Arbeit der und den Zeitaufwand für die Kinderbetreuung kaum: Bei 18 Prozent der selbständigen Männer sind Zeiteinträge mit einem durchschnittlichen täglichen Zeitaufwand von 67 Minuten zu finden, bei einem Fünftel der Arbeiter mit einem etwas geringeren Zeitwert, und jeweils bei 19 Prozent der Beamten und Angestellten sind Werte um die 70 Minuten pro Tag für Kinderbetreuung verzeichnet (siehe PDF-Version, Schaubild 5).

Einen stärkeren Einfluss auf das männliche Engagement bei der Kinderbetreuung haben offenbar der Wirtschaftszweig oder die Branche, in der die Männer beschäftigt sind (vgl. Schaubild 6). Überraschenderweise liegt der höchste Zeitwert bei Beschäftigten im sekundären Sektor, also im produzierenden Gewerbe (Bergbau, Industrie und Handwerk), die Quote der Beteiligung liegt bei genau einem Fünftel. Am höchsten liegt diese mit 22 Prozent bei im Non-Profit-Sektor beschäftigten Männern, bei einem nur unwesentlich geringeren Zeitaufwand. Die niedrigsten Zeitwerte - bei vergleichbarer Beteiligungsquote - finden sich bei Beschäftigten im Bereich privater Haushalts- und anderer Dienstleistungen[8] sowie - erwartungsgemäß - im primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei): Hier werden Kinder von Männern rund eine Viertelstunde weniger am Tag betreut.

Einen leichten Einfluss darauf, ob Männer eine Balance zwischen Arbeit und Familie herzustellen vermögen, scheint dabei auch die Art und Weise ihrer Tätigkeit zu haben. Diese kann qualifiziert oder einfach sein. Dabei unterscheidet sich der Zeiteinsatz zwischen diesen Merkmalsgruppen kaum: Für die Haus- und Familienarbeit insgesamt liegt dieser bei Männern, die einer qualifizierten Tätigkeit nachgehen, lediglich um drei Minuten höher. Allerdings sind von Männern mit einer einfachen Tätigkeit nur gut acht Zehntel in der Haus- und Familienarbeit aktiv, bei Männern, die eine qualifizierte Tätigkeit ausüben, sind dies fast 90 Prozent. Die Zeit, welche die Männer dieser Gruppe für die Kinderbetreuung aufbringen (bei einer Beteiligungsquote von 22 Prozent), liegt um sechs Minuten am Tag über der jener, die einer unqualifizierten Arbeit nachgehen (Beteilungsrate: 18 Prozent; siehe PDF-Version, Schaubild 7).

Einen deutlich stärkeren Einfluss als die Branche oder die Stellung im Beruf hat das Einkommen des Mannes auf die Balance zwischen Arbeit und Familie. In der Haus- und Familienarbeit insgesamt sind die Zusammenhänge zunächst nicht so virulent: Die Beteiligungsquote an der Hausarbeit schwankt um nur zwei Prozentpunkte zwischen dem untersten und dem obersten Einkommensquintil, sie liegt zwischen 92 Prozent bzw. 94 Prozent. Ausgeprägter sind die Unterschiede bei der durchschnittlichen Zeitdauer: Die "ärmsten" Männer im untersten Quintil leisten fast fünf Stunden Haus- und Familienarbeit, die "reichsten" Männern im obersten Einkommensquintil betätigen sich hier mehr als eine Stunde weniger. Der Anteil der Arbeit der Männer bei der Kinderbetreuung variiert hoch signifikant mit dem Einkommen: Während ein Viertel der "ärmsten" Väter Kinderbetreuungsarbeit leistet (26 Prozent), ist nur noch ein Zwanzigstel der "reichsten" Väter (5 Prozent) auf diesem Feld aktiv. Bei der aufgewendeten Zeit ist die Differenz kleiner; sie beträgt zehn Minuten: Männer im untersten Einkommensquintil wenden eine Stunde und fünfzehn Minuten für die Kinderbetreuung auf, Männer im obersten Quintil eine Stunde und fünf Minuten.

Wie schon die Männerstudie von 1998 gezeigt hat, sind in den ostdeutschen Bundesländern mehr Männer im Bereich der Haus- und Familienarbeit aktiv. Sie investieren hierfür zwanzig Minuten mehr am Tag als ihre Geschlechtsgenossen in den westdeutschen Ländern. Dabei sind neun Zehntel der Männer zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen im Haushalt mit durchschnittlich drei Stunden und elf Minuten aktiv, im Unterschied zu 86 Prozent in den westdeutschen Bundesländern (siehe PDF-Version, Schaubild 8). Die Männer aus den ostdeutschen Bundesländern verbringen mehr Zeit mit der Zubereitung von Mahlzeiten, mit der Instandhaltung der Wohnung und anderen Aufräumarbeiten als jene aus den westdeutschen Bundesländern. Diese wiederum wenden etwas mehr Zeit für Reinigungsarbeiten innerhalb der Wohnung auf, während Männer aus den ostdeutschen Bundesländern mehr mit Reinigungsarbeiten rund ums Haus beschäftigt sind. Der Anteil derjenigen Männer, die in den ostdeutschen Bundesländern tatsächlich Kinder betreuen, liegt mit zehn Prozent um zwei Punkte unter dem Wert der Männer in den westdeutschen Bundesländern; die durchschnittliche tägliche Zeitdauer ist mit etwa 70 Minuten fast gleich.

Insgesamt scheint die Haus- und Familienarbeit von den Männern vor allem am Samstag geleistet zu werden; in über neun Zehnteln der Tagebücher finden sich entsprechende Einträge. Männer wenden für diese Tätigkeiten dann durchschnittlich mehr als dreieinhalb Stunden auf; sie sind damit um ein Fünftel länger beschäftigt als an Werktagen. Auch am Sonntag sind noch bei 86 Prozent aller Männer entsprechende Tagebucheinträge zu verzeichnen; sie engagieren sich dann etwas mehr als zwei Stunden. Auch der Zeitwert für die Betreuung der Kinder nimmt am Wochenende zu; er liegt am Samstag mit einer Stunde und 18 Minuten schon um gut ein Fünftel höher als an den Werktagen. Seine Spitze erreicht er mit fast eineinhalb Stunden am Sonntag; an diesem Tag ist mit 14 Prozent auch der Anteil der Männer, die sich ihren Kindern widmen, am höchsten.

Der Reinigung und Pflege von Haus und Wohnung widmen sich Männer bevorzugt samstags. Während der Zeitaufwand dafür von Montag bis Freitag bei 49 Minuten liegt, wird am Samstag mehr als eine Stunde hierfür aufgebracht. Auch der Anteil der auf diesem Feld aktiven Männer steigt gegenüber den anderen Werktagen um zehn Prozentpunkte auf 55 Prozent (siehe PDF-Version, Schaubild 9). Demgegenüber finden sich nur in knapp 23 Prozent der Tagebücher am Samstag Einträge zu handwerklichen Tätigkeiten; allerdings sind die Betreffenden dann mehr als eine Stunde und vierzig Minuten beschäftigt. An den anderen Werktagen sind es sogar nur 17 Prozent, die gut eineinhalb Stunden in diesem Bereich aktiv sind.

Männer verschwinden also keineswegs am Wochenende in ihrer Werkstatt; sie sind vielmehr - wie auch im Laufe der Woche - in vielen anderen Bereichen der Haus- und Familienarbeit aktiv.


Fußnoten

7.
Zur Haus- und Familienarbeit zählen folgenden Tätigkeiten: Zubereitung von Mahlzeiten; Instandhaltung von Haus und Wohnung; Herstellen, Ausbessern und Pflege von Textilien; Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege; Bauen und handwerkliche Tätigkeiten; Einkaufen; Haushaltsplanung und -organisation; Kinderbetreuung; Unterstützung, Pflege und Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern. Diese Zuordnung von Tätigkeiten zu bestimmten Oberbegriffen ist vom Statistischen Bundesamt vorgenommen worden, das die Zeitbudgeterhebung (ZBE) durchgeführthat.Dies gilt auch für die Zuordnungen anderer Tätigkeiten.
8.
Zu diesen werden Tätigkeiten als Haushaltsgehilfe und Hausangestellte sowie in der privaten Kinderbetreuung und Pflege gezählt.