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3.11.2004 | Von:
Peter Döge
Rainer Volz

Männer - weder Paschas noch Nestflüchter

Aspekte der Zeitverwendung von Männern nach den Daten derZeitbudgetstudie 2001/2002 des Statistischen Bundesamtes

Jenseits von Beruf und Familie:Männerfreizeit

In ihrer Freizeit [9] - dem Leben jenseits der Haus- und vor allem Erwerbsarbeit - sind Männer entgegen mancher Vorurteile keineswegs "autistische Computerhacker", vielmehr setzen sie ein Viertel ihrer Freizeit für soziale Kontakte ein (vgl. PDF-Version, Schaubild 10). Dieser Anteilswert variiert erwartungsgemäß mit dem Lebensalter der Männer. Der höchste Zeitwert für Sozialkontakte findet sich bei den 18- bis 25-jährigen Männern, die dafür täglich imDurchschnitt drei Stunden und 12 Minuten investieren; bei mehr als 80 Prozent dieser Altersgruppe findet sich ein entsprechender Tagebucheintrag.

Der Zeiteinsatz für sozialkommunikative Aktivitäten geht bei Männern im Alter zwischen 25 und 45 Jahre um fast ein Drittel auf nur noch zwei Stunden und 12 Minuten zurück. Der Anteil derjenigen, die dieser Tätigkeit nachgehen, bleibt in etwa gleich. Die Zeitdauer sozialkommunikativer Aktivitäten steigt mit dem Lebensalter nur noch unwesentlich an und beträgt bei Rentnern zwei Stunden 24 Minuten; 82 Prozent der Rentner nehmen am sozialen Leben teil. Im gesamten männlichen Lebenszyklus bleibt damit der Anteil derjenigen, die soziale Kontakte pflegen, konstant, was die hohe Bedeutung dieses Lebensbereichs für Männer unterstreicht.

Die relativ häufigsten und ausdauerndsten Nutzer von Massenmedien sind Männer jenseits des 65. Lebensjahrs: In 97 Prozent ihrer Tagebücher findet sich ein entsprechender Eintrag; durchschnittlich vier Stunden und zehn Minuten pro Tag gehen sie dieser Beschäftigung nach. Dagegen verbringen Männer zwischen 25 und 45 Jahren nur knapp drei Stunden täglich mit der Nutzung von Massenmedien. Diese Altersgruppe verbringt darüber hinaus - im Vergleich mit anderen Altersgruppen - die wenigste Zeit vor dem Fernseh- bzw. Videogerät bzw. hört am wenigsten Radio oder Musikaufnahmen (vgl. PDF-Version, Schaubild 11).

Bei jungen Männern zwischen 12 und 18 Jahren nehmen Fernseh-, Video- und Radiokonsum den größten Raum ein: Fast drei Viertel ihrer Zeit für die Mediennutzung entfällt auf den Gebrauch von Fernseh- und Videoapparaten. Ältere Männer ab dem 65. Lebensjahr verbringen demgegenüber die meiste Zeit damit, zu lesen (28 Prozent der gesamten Zeit für die Mediennutzung) und Fernsehen zu schauen, die wenigste hingegen mit der Nutzung eines Computers. Umgekehrt widmen die 18- bis 25-Jährigen dem Computer ein Fünftel ihrer gesamten Zeit der Mediennutzung und setzen nur ein Zehntel ihrer Medienzeit für das Lesen ein.

Auf alle Männer bezogen, nimmt die für (Massen-)Medien aufgebrachte Zeit mit dem Alter der Kinder ab: Am geringsten ist der Zeitanteil für den Medienbereich bei Vätern mit einem Kind von unter drei Jahren: 90 Prozent der Tagebücher verzeichnen hier eine Aktivität von durchschnittlich zwei Stunden und 25 Minuten. Die Mediennutzung variiert auch mit dem Einkommen. "Reiche" Männer verbringen weniger Zeit damit, Fernseh- und Videosendungen zu sehen; sie erweisen sich als "Spitzenreiter" beim Lesen; Spitzenwerte erreichen sie auch beim Zeiteinsatz für künstlerische Aktivitäten.

Väter mit Kindern unter drei Jahren im Haushalt haben die wenigste Zeit für sportliche Aktivitäten. Knapp ein Drittel von ihnen ist sportlich aktiv, und diese wenden etwas mehr als eineinhalb Stunden täglich für den Sport auf. Insgesamt finden sich in den Tagebüchern von einem Drittel aller Männer entsprechende Einträge; es werden im Durchschnitt knapp zwei Stunden für sportliche und andere Aktivitäten in der Natur - wie Angeln oder Jagen - aufgebracht. Doch machen die sportlichen und naturbezogenen Aktivitäten nur neun Prozent der gesamten männlichen Freizeitaktivitäten aus. Männer sind also keineswegs die "immer aktiven Dauersportler" oder die "schweigenden Angler".

Vergleichsweise wenig Zeit für sportliche Aktivitäten können auch die Selbständigen aufbringen; nur knapp ein Viertel dieser Gruppe verzeichnet überhaupt entsprechende Aktivitäten. Dagegen treibt etwa ein Drittel der verbeamteten Männer Sport und kann dafür im Durchschnitt eine Stunde und 48 Minuten am Tag verwenden. Angestellte und Arbeiter treiben zwar noch etwas länger Sport, dafür üben sie aber - vor allem die Arbeiter - anteilig weniger Sport aus (vgl. PDF-Version, Schaubild 12).

Ebenso wenig wie Männer für mehrere Stunden in ihrer Werkstatt verschwinden, spielen sie auf dem Dachboden ständig mit ihrer Eisenbahn. Denn in nur 12 Prozent der Tagebücher sind Einträge im Bereich "Technische und andere Hobbys" verzeichnet. Der Zeitaufwand für diese Aktivität liegt im Durchschnitt bei knapp einer Stunde am Tag. Während sich in den Tagebüchern der 25- bis 45-jährigen Männer nur bei 11 Prozent ein entsprechender Eintrag findet, sind es bei den über 65-Jährigen 24 Prozent. Die älteren Männer widmen ihrem Hobby eine Stunde und drei Minuten am Tag, während die Männer zwischen 25 und 45 Jahren nur 50 Minuten Zeit dafür aufbringen.

Männer sitzen auch keineswegs stundenlang vor ihrem Computer; im Durchschnitt verbringen sie rund eineinhalb Stunden pro Tag vor dem PC. Allerdings führt nur ein Sechstel der Männer diese Aktivität überhaupt an. Den höchsten Zeitaufwand - zwei Stunden pro Tag - verzeichnen Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Knapp ein Drittel dieser Altergruppe gibt diese Aktivität an; es kann vermutet werden, dass der PC als Arbeitsmittel in der Ausbildung dient. Denn nur in 18 Prozent der Tagebücher in dieser Altersgruppe findet sich ein Eintrag zu Computerspielen, diese Männer verbringen dann jedoch rund zwei Stunden damit. Junge Männer unter 18 Jahren bringen allerdings einen beachtlichen Teil ihrer Zeit mit dem Computerspielen zu: durchschnittlich zwei Stunden und zwanzig Minuten am Tag; und fast die Hälfte aller Jungen gehen dieser Beschäftigung auch nach (vgl. PDF-Version, Schaubild 13).

Wie vermutet, finden die meisten Freizeitaktivitäten vorwiegend am Wochenende statt: Der Sonntag ist vor allem dem Sport und der Samstag den technischen sowie künstlerischen Aktivitäten vorbehalten. Das Wochenende - vor allem der Samstag - ist darüber hinaus der Zeitraum für soziale Kontakte. So wird am Samstag gut die Hälfte mehr Zeit für soziale Kontakte aufgewendet als in der Woche. Knapp zwei Drittel der Tagebücher weist für das Wochenende entsprechende Einträge auf, wobei im Durchschnitt fast zwei Stunden investiert werden. Dagegen findet sich in nur zwei Prozent der Tagebücher ein Eintrag zum Besuch von Sportveranstaltungen; dann allerdings werden knapp zweieinhalb Stunden dort verbracht. Gut ein Drittel der Männer nimmt sich am Wochenende eine Stunde und sieben Minuten Zeit zum Ausruhen - fast zehn Minuten mehr als durchschnittlich in der Woche. Allerdings findet nur ein Viertel aller Männer dafür überhaupt Zeit. Schließlich ist notierenswert, dass Männer nicht wenig Zeit mitKörperpflege verbringen. Im Durchschnitt sindesfünfzig Minuten am Tag; mit 98 Prozent sind praktisch alle Männer in diesem Bereich vertreten.


Fußnoten

9.
Hierzu zählen, wiederum nach der Definition des Statistischen Bundesamtes: Ehrenamtliche Tätigkeit; soziale Kontakte; sportliche und andere Aktivitäten; Hobbys und Spiele; Nutzung von Massenmedien.