30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

3.11.2004 | Von:
Peter Döge
Rainer Volz

Männer - weder Paschas noch Nestflüchter

Aspekte der Zeitverwendung von Männern nach den Daten derZeitbudgetstudie 2001/2002 des Statistischen Bundesamtes

Fazit: Vielfalt im Männerleben

Die Analyse der Zeitverwendung bundesdeutscher Männer hat gezeigt, dass die Erwerbsarbeit zwar einen zentralen Aktivitätsbereich männlicher Lebensführung darstellt, aber Männer nicht ausschließlich ErwerbsMänner sind. Sie sind neben der Erwerbsarbeit auch in der Haus- und Familienarbeit präsent und haben überdies ein Freizeitleben. Der Vergleich mit dem entsprechenden Zeitaufwand von Frauen zeigt allerdings, dass sich an der klassischen Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen nicht sehr viel geändert hat: Männer sind fast doppelt so lang mit Erwerbsarbeit beschäftigt wie Frauen, wenden jedoch nur rund zwei Drittel der Zeit für Haus- und Familienarbeit auf, die Frauen hierfür aufbringen. Zu Hause scheint noch immer eine klare Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern vorzuherrschen, mit einer ebenso klaren Zuständigkeit der Frauen für die Kinderbetreuung. Wie beispielsweise eine Analyse der milieubezogenen Ausprägung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung beim Kochen gezeigt hat, sollte "geschlechtsspezifisch" jedoch nicht vorschnell mit "geschlechtshierarchisch" verwechselt werden, denn die Wertung des jeweiligen Musters der Arbeitsteilung erfolgt immer im spezifischen Kontext des partnerschaftlichen Arrangements.[10]

Dem Leitbild des "neuen" oder modernen Mannes entsprechend, erhöhen Männer ihr Engagement in der Haus- und Familienarbeit, wenn sie Väter werden. Leben sie dann mit einer Partnerin zusammen, die nicht erwerbstätig ist, liegt ihr zeitlicher Einsatz für bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen genommen sogar mehr als eine Stunde über dem ihrer Partnerin.[11] Von einer "Familienflucht" der Männer kann also keine Rede sein. Unseres Erachtens deuten die vorliegenden Ergebnisse vielmehr auf eine stärkere partnerschaftliche Orientierung von Männern hin. Denn der erhöhte Zeiteinsatz in der Haus- und Familienarbeit wird durch weniger Zeit für physiologische Regeneration und Freizeit erkauft.

Auch hinsichtlich ihrer Freizeitaktivitäten sind Männer anscheinend kommunikativer, als vielfach angenommen wird - sie verbringen ihre Zeit eben nicht nur am Computer, spielen nicht nur mit der Eisenbahn, trainieren nicht nur für den "Iron Man". In weiten Teilen unterscheidet sich ihre Art der Freizeitgestaltung auch nicht allzu stark von jener der Frauen. Denn wie die Männer investieren auch diese einen etwa gleich großen Anteil ihrer Freizeit in den Fernseh- oder Videokonsum, legen allerdings ein etwas größeres Gewicht auf soziale Kontakte. Interessanterweise liegt der tägliche Zeiteinsatz der Frauen für die Körperpflege im Durchschnitt nur acht Minuten über dem der Männer. Haben Männer also doch ihre "femininen" Seiten und die Liebe zu Parfüm entdeckt und sind auf dem Weg zum "Metrosexuellen"? Diese Frage kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Eines zeigt unsere Analyse der Zeitverwendung von Männer allerdings deutlich: Männerleben ist vielfältiger, als es die öffentliche Meinung und die alten, hegemonialen Männerbilder vom Erwerbs- und MachtMann nahe legen.


Fußnoten

10.
Vgl. Petra Frerichs/Margareta Steinrücke, Kochen - ein männliches Spiel? Die Küche als geschlechts- und klassenstrukturierter Raum, in: Irene Dölling/Beate Krais (Hrsg.), Ein alltägliches Spiel, Frankfurt/M. 1997, S. 231-255. Über die Gründe der anhaltenden traditionellen Arbeitsteilung geben die hier vorliegenden Daten keine Auskunft. Die Ursachen des geringen Engagements von Männern in der Kinderbetreuung sind unseres Erachtens mehrdimensional und nicht in einer Familienflucht oder in einem wie auch immer gearteten "männlichen Unwillen" (Pinl) begründet. Nicht unwesentlich sind sie in der Dynamik der jeweiligen Geschlechterbeziehung angelegt (vgl. Peter Döge/Rainer Volz, Wollen Frauen den neuen Mann? Traditionelle Geschlechterbilder als Blockaden von Geschlechterpolitik, St. Augustin 2002). Ebenso wenig geben die Daten Auskunft darüber, wie groß die Wahlmöglichkeiten der beteiligten Personen sind und wie sich diese aus dem jeweiligen Lebensmuster begründen - die Unterstellung von Claudia Pinl, Männer hätten bei der Übernahme von Hausarbeiten größere Wahlmöglichkeiten als Frauen, ist durch die vorliegenden Daten in keiner Weise empirisch abgesichert und wird von ihr auch nicht durch andere Quellen belegt (vgl. Claudia Pinl, Wo bleibt die Zeit? Die Zeitbudgeterhebung 2001/02 des Statistischen Bundesamtes, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B31 - 32/2004, S. 24).
11.
Vgl. Bundesfamlienministerium und Statistisches Bundesamt, (Hrsg.), Wo bleibt die Zeit? Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/02, a. O., a. J. (Berlin/Wiesbaden 2003) S. 15, Abbildung. Dieselbe Abbildung zeigt auch: C. Pinl (Anm. 10), S. 24 (Abbildung 4). Die Ausführungen der Autorin im Kontext dieser Grafik (S. 22 - 25) können jedoch als Versuch angesehen werden, die zeitliche Belastung erwerbstätiger Väter "wegzuintepretieren".