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3.11.2004 | Von:
Peter Döge
Rainer Volz

Männer - weder Paschas noch Nestflüchter

Aspekte der Zeitverwendung von Männern nach den Daten derZeitbudgetstudie 2001/2002 des Statistischen Bundesamtes

Neue bzw. moderne Männer stehen der Übernahme häuslicher Pflegearbeiten und einer damit zusammenhängen Unterbrechung ihrer Erwerbstätigkeit aufgeschlossener gegenüber. Sie verstehen sich als partnerschaftliche und aktive Väter.

Bruchlinien im Männerleben

"Männer sind ihr Beruf, und zu Hause sind sie fremd" - so lautet wohl das vorherrschende Stereotyp über Männer in der Bundesrepublik Deutschland. Zwei zentrale Aspekte hegemonialer Männlichkeitsbilder, wie sie gemeinhin noch immer als verbindlich für Männerleben gelten, spiegeln sich hier wider: der ErwerbsMann und der MachtMann.[1]









Allerdings scheinen solche Männerbilder nicht mehr das dominante Leitbild für alle Männer zu sein. Mehr und mehr werden im Rahmen von Studien der Männerforschung Bruchlinien im Männerleben deutlich. In der Debatte um einen Wandel männlicher Lebensmuster erhielt im vergangenen Jahr die Entdeckung des so genannten "Metrosexuellen" besondere publizistische Aufmerksamkeit. Dieser in Großstädten lebende, gut verdienende und gut ausgebildete Mann habe seine femininen Seiten entdeckt und pflege diese.[2] So finden nur zehn Prozent der befragten Männer Parfüm bei Männern "unmännlich", und mehr als die Hälfte fühlt sich nach dem Gebrauch eines After-Shaves wohl. Auch wenn dies zunächst sehr banal klingt, so sind doch einige Ergebnisse der zugrunde liegenden Studie beachtenswert - nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die befragten Männer hinsichtlich ihres Profils doch eher in leitenden Positionen tätig sein dürften und damit die Arbeitsbedingungen in Organisationen maßgeblich mitbestimmen. Folglich ist auch die Tatsache bedeutsam, dass fast drei Viertel der Befragten ein Ende geschlechtsspezifisch unterschiedlicher Entlohnung für gleiche Tätigkeiten fordern und gut acht Zehntel der Männer die Frauenbewegung positiv bewerten. Nur gut die Hälfte der befragten Frauen hat diese Antwort von den Männern erwartet. Gehen hier die Ansichten auseinander, findet sich hinsichtlich der Bestimmung der vorwiegenden Eigenschaften der "metrosexuellen" Männer eine große Übereinstimmung zwischen den befragten Frauen und Männern: Jeweils drei Viertel sieht als vorrangige Eigenschaft Fürsorglichkeit ("caring"). Bei der Frage der Kinderbetreuung erweisen sich die "Metrosexuellen" jedoch als traditionell: 43 Prozent dieser Männer sind der Ansicht, dass die Berufstätigkeit von Frauen mit Kindern unter fünf Jahren die Ausnahme sein sollte, und für nur 47 Prozent der "Metrosexuellen" ist eine familienorientierte Arbeitsplatzgestaltung von Relevanz, während fast drei Viertel der Frauen dies wünschen.

Hier scheint der "neue" oder "moderne Mann", wie ihn Männerstudien in Deutschland und Österreich identifiziert haben, wohl einen Schritt weiter zu gehen.[3] Die jüngst erschienene österreichische Männerstudie zeigt, dass sich der Anteil moderner Männer in Österreich in den letzten zehn Jahren sogar von 14 Prozent auf 23 Prozent erhöht habe.[4] In Deutschland lag deren Anteil 1998 bei 20 Prozent.[5] Neue bzw. moderne Männer zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie nicht mehr so ausschließlich berufsorientiert sind wie traditionelle Männer; der Übernahme häuslicher Pflegearbeiten und einer damit zusammenhängenden Unterbrechung ihrer Erwerbstätigkeitaufgeschlossen gegenüber stehen; sich als partnerschaftlich wahrnehmen und dass sie aktive Väter sind.

Ein Nachteil der beiden angeführten und einer Vielzahl der bisher vorliegenden Studien zum Wandel des Männerlebens besteht darin, dass überwiegend Einstellungen abgefragt werden und so die Möglichkeit bei den Befragten besteht, ihre Antworten "zu schönen". Hier geht unsere Analyse der Zeitverwendung von Männern auf der Basis der Daten der Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamtes methodisch einen Schritt weiter: Auf der Grundlage einer bisher in der bundesdeutschen Männerforschung noch nicht da gewesenen Stichprobengröße werden konkrete Handlungssequenzen analysiert.[6] Somit kann ein großer Schritt getan werden in Richtung der Beantwortung der Frage nach Umfang und Tiefe der vermeintlichen Bruchlinien im Männerleben. Von besonderer Relevanz ist dabei, wie Beruf undFamilie auf der einen und die Ausgestaltung von Freizeit auf der anderen Seite ausbalanciert werden: Sind Männer nach wie vor fremd in der Familie, und sind sie in ihrer Freizeit die "autistischen Angler" oder Betreiber von Risikosportarten?

Männer zwischen Berufund Familie

Ein erster Blick auf das Männerleben zeigt: Den zeitlichen Schwerpunkt bildet neben dem Schlafen, mit dem Männer im Durchschnitt rund acht Stunden und zwanzig Minuten verbringen, die Erwerbsarbeit. Deren Stellenwert variiert mit dem Lebensalter. Bei jüngeren Männern bis zum 18. Lebensjahr bilden erwartungsgemäß Qualifikation und Bildung einen Schwerpunkt, für den diese Altersgruppe zusätzlich ein Achtel ihrer Tageszeit einsetzt. Für Ältere, die sich jenseits des 65. Lebensjahres befinden, spielt die Erwerbstätigkeit keine Rolle mehr in ihrem Tagesablauf.

Männer zwischen 25 und 45 Jahren, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wenden hierfür täglich rund acht Stunden und 40 Minuten auf. Für die Haus- und Familienarbeit, an der sich fast alle Männer dieser Alterskohorte beteiligen, werden im Durchschnitt täglich mehr als zweieinhalb Stunden eingesetzt.[7] Darunter fallen rund eine Stunde und fünfzehn Minuten für die Betreuung von Kindern, der sich insgesamt ein Drittel der Männer in dieser Altersgruppe widmet (siehe PDF-Version, Schaubild1). Mehr Zeit für die Haus- und Familienarbeit bringen Männer zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr auf: Sie setzen dafür mehr als drei Stunden am Tag ein, die Beteiligungsquote liegt bei über neunzig Prozent. Hierunter fällt noch knapp eine Stunde für die Kinderbetreuung. Allerdings sind nur noch fünf Prozent der Einträge der Männertagebücher dieser Aktivität gewidmet. Der Zeitwert für Kinderbetreuung nimmt bei den Männern jenseits des 65. Lebensjahres wieder auf durchschnittlich 72 Minuten am Tag zu, jedoch mit einer Beteiligungsquote von nur noch zwei Prozent.

Im Hinblick auf die Haus- und Familienarbeit setzen Männer zum Teil recht traditionelle Schwerpunkte. So finden sich beispielsweise in den Tagebüchern von nur 9 Prozent der Männer zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr Eintragungen zur Textilpflege, auch zur Haushaltsorganisation gibt es nur bei 14 Prozent dieser Gruppe Vermerke. Im Gegensatz hierzu sind in fast sechs Zehntel der Tagebücher Aktivitäten im Zusammenhang mit der Zubereitung von Mahlzeiten vermerkt, die mit fast 40 Minuten am Tag zu Buche schlagen. Fast 40 Prozent der Männer verbringen eine Stunde mit Einkaufen, die Hälfte dieser Gruppe beteiligt sich an der Instandhaltung der Wohnung mit durchschnittlich einer Dreiviertelstunde am Tag. Entgegen landläufigen Stereotypen finden sich in nur 17 Prozent der Tagebücher dieser Altersgruppe Eintragungen zu handwerklichen Aktivitäten; diese währen dann allerdings fast zwei Stunden (siehe PDF-Version, Schaubild1).

Das Zeitverwendungsmuster (Haus- und Familienarbeit) variiert erwartungsgemäß mit dem Lebensalter der Männer. So wenden Männer jenseits des 65. Lebensjahrs eine Stunde für die Zubereitung von Mahlzeiten auf, wobei sieben Zehntel der Männer dieser Alterskohorte angeben, diese Aktivität auszuüben. Dagegen finden sich nur in etwas mehr als einem Viertel der Tagebücher von Männern zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr Eintragungen zur Mahlzeitenzubereitung, und sie setzen am Tag lediglich gut eine halbe Stunde dafür ein. Der höchste Anteilswert innerhalb dieser Altersgruppe findet sich bei der Wohnungsinstandhaltung: Dafür engagiert sich etwas mehr als ein Drittel mit durchschnittlich 45 Minuten am Tag. Zwei Minuten mehr (47 Minuten) werden für die Kinderbetreuung aufgewendet. Allerdings wird nur ein Prozent dieser Altersgruppe hier tatsächlich tätig.

Mit dem Lebensalter der Männer und den damit verbundenen Zeitverwendungsmustern korrelieren bestimmte Lebensmuster, vor allem Haushaltskonstellationen. Hier zeigt sich, dass insbesondere der Einsatz von Männern in der Haus- und Familienarbeit entscheidend vom Alter des jüngstenKindes im Haushalt beeinflusst wird. Leben Männer mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren zusammen, erhöht sich der zeitliche Aufwand fürdie Haus- und Familienarbeit insgesamt, aber auch für die Kinderbetreuung beachtlich (siehe PDF-Version, Schaubild 2).

In rund 97 Prozent aller Tagebücher von Männern mit Kleinkindern bis zu drei Jahren finden sich Zeiteinträge im Bereich der Haus- und Familienarbeit; sie belaufen sich im Durchschnitt auf fast vier Stunden am Tag (siehe PDF-Version, Schaubild 2). Auch der Einsatz für die Kinderbetreuung erhöht sich auf eine Stunde und 38 Minuten, bei einer Beteiligungsquote von 81 Prozent dieser Männer (siehe PDF-Version, Schaubild 3).

Diese Gewichtsverlagerung bei den Vätern geht eindeutig auf Kosten der Freizeit, denn der Zeitaufwand für die Erwerbsarbeit wird praktisch nicht reduziert. Leicht verringert ist - im Vergleich zum Durchschnittswert aller Männer zwischen 25 und 45 Jahren - auch der Zeitaufwand für Schlafen und Körperpflege. Mit zunehmendem Alter der Kinder reduziert sich allerdings das Engagement der Männer in Haushalt und Familie und liegt wieder beim Durchschnittswert dieser Altersgruppe.

Nicht ganz so stark wie vom Alter des jüngsten Kindes im Haushalt wird bei Männern die tägliche Balance zwischen Arbeit und Familie von ihrer Stellung im Beruf sowie vom Wirtschaftszweig, in dem sie tätig sind, beeinflusst. Am stärksten wird der Alltag Selbstständiger von der Erwerbsarbeit dominiert. Zwar finden sich in 83 Prozent der Tagebücher Selbstständiger Einträge zur Haus- und Familienarbeit, aber sie liegen damit hinter den Beamten (88 Prozent) und den Arbeitern und Angestellten (jeweils 87 Prozent). Entsprechend niedrig ist mit 143 Minuten bei den Selbständigen auch der Zeitwert für diesen Aktivitätsbereich, die Beamten bringen es dagegen mit durchschnittlich 165 Minuten pro Tag auf den höchsten Zeitwert siehe PDF-Version, Schaubild 4).

Interessanterweise beeinflusst die Stellung der Männer im Beruf den Anteil an der Arbeit der und den Zeitaufwand für die Kinderbetreuung kaum: Bei 18 Prozent der selbständigen Männer sind Zeiteinträge mit einem durchschnittlichen täglichen Zeitaufwand von 67 Minuten zu finden, bei einem Fünftel der Arbeiter mit einem etwas geringeren Zeitwert, und jeweils bei 19 Prozent der Beamten und Angestellten sind Werte um die 70 Minuten pro Tag für Kinderbetreuung verzeichnet (siehe PDF-Version, Schaubild 5).

Einen stärkeren Einfluss auf das männliche Engagement bei der Kinderbetreuung haben offenbar der Wirtschaftszweig oder die Branche, in der die Männer beschäftigt sind (vgl. Schaubild 6). Überraschenderweise liegt der höchste Zeitwert bei Beschäftigten im sekundären Sektor, also im produzierenden Gewerbe (Bergbau, Industrie und Handwerk), die Quote der Beteiligung liegt bei genau einem Fünftel. Am höchsten liegt diese mit 22 Prozent bei im Non-Profit-Sektor beschäftigten Männern, bei einem nur unwesentlich geringeren Zeitaufwand. Die niedrigsten Zeitwerte - bei vergleichbarer Beteiligungsquote - finden sich bei Beschäftigten im Bereich privater Haushalts- und anderer Dienstleistungen[8] sowie - erwartungsgemäß - im primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei): Hier werden Kinder von Männern rund eine Viertelstunde weniger am Tag betreut.

Einen leichten Einfluss darauf, ob Männer eine Balance zwischen Arbeit und Familie herzustellen vermögen, scheint dabei auch die Art und Weise ihrer Tätigkeit zu haben. Diese kann qualifiziert oder einfach sein. Dabei unterscheidet sich der Zeiteinsatz zwischen diesen Merkmalsgruppen kaum: Für die Haus- und Familienarbeit insgesamt liegt dieser bei Männern, die einer qualifizierten Tätigkeit nachgehen, lediglich um drei Minuten höher. Allerdings sind von Männern mit einer einfachen Tätigkeit nur gut acht Zehntel in der Haus- und Familienarbeit aktiv, bei Männern, die eine qualifizierte Tätigkeit ausüben, sind dies fast 90 Prozent. Die Zeit, welche die Männer dieser Gruppe für die Kinderbetreuung aufbringen (bei einer Beteiligungsquote von 22 Prozent), liegt um sechs Minuten am Tag über der jener, die einer unqualifizierten Arbeit nachgehen (Beteilungsrate: 18 Prozent; siehe PDF-Version, Schaubild 7).

Einen deutlich stärkeren Einfluss als die Branche oder die Stellung im Beruf hat das Einkommen des Mannes auf die Balance zwischen Arbeit und Familie. In der Haus- und Familienarbeit insgesamt sind die Zusammenhänge zunächst nicht so virulent: Die Beteiligungsquote an der Hausarbeit schwankt um nur zwei Prozentpunkte zwischen dem untersten und dem obersten Einkommensquintil, sie liegt zwischen 92 Prozent bzw. 94 Prozent. Ausgeprägter sind die Unterschiede bei der durchschnittlichen Zeitdauer: Die "ärmsten" Männer im untersten Quintil leisten fast fünf Stunden Haus- und Familienarbeit, die "reichsten" Männern im obersten Einkommensquintil betätigen sich hier mehr als eine Stunde weniger. Der Anteil der Arbeit der Männer bei der Kinderbetreuung variiert hoch signifikant mit dem Einkommen: Während ein Viertel der "ärmsten" Väter Kinderbetreuungsarbeit leistet (26 Prozent), ist nur noch ein Zwanzigstel der "reichsten" Väter (5 Prozent) auf diesem Feld aktiv. Bei der aufgewendeten Zeit ist die Differenz kleiner; sie beträgt zehn Minuten: Männer im untersten Einkommensquintil wenden eine Stunde und fünfzehn Minuten für die Kinderbetreuung auf, Männer im obersten Quintil eine Stunde und fünf Minuten.

Wie schon die Männerstudie von 1998 gezeigt hat, sind in den ostdeutschen Bundesländern mehr Männer im Bereich der Haus- und Familienarbeit aktiv. Sie investieren hierfür zwanzig Minuten mehr am Tag als ihre Geschlechtsgenossen in den westdeutschen Ländern. Dabei sind neun Zehntel der Männer zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen im Haushalt mit durchschnittlich drei Stunden und elf Minuten aktiv, im Unterschied zu 86 Prozent in den westdeutschen Bundesländern (siehe PDF-Version, Schaubild 8). Die Männer aus den ostdeutschen Bundesländern verbringen mehr Zeit mit der Zubereitung von Mahlzeiten, mit der Instandhaltung der Wohnung und anderen Aufräumarbeiten als jene aus den westdeutschen Bundesländern. Diese wiederum wenden etwas mehr Zeit für Reinigungsarbeiten innerhalb der Wohnung auf, während Männer aus den ostdeutschen Bundesländern mehr mit Reinigungsarbeiten rund ums Haus beschäftigt sind. Der Anteil derjenigen Männer, die in den ostdeutschen Bundesländern tatsächlich Kinder betreuen, liegt mit zehn Prozent um zwei Punkte unter dem Wert der Männer in den westdeutschen Bundesländern; die durchschnittliche tägliche Zeitdauer ist mit etwa 70 Minuten fast gleich.

Insgesamt scheint die Haus- und Familienarbeit von den Männern vor allem am Samstag geleistet zu werden; in über neun Zehnteln der Tagebücher finden sich entsprechende Einträge. Männer wenden für diese Tätigkeiten dann durchschnittlich mehr als dreieinhalb Stunden auf; sie sind damit um ein Fünftel länger beschäftigt als an Werktagen. Auch am Sonntag sind noch bei 86 Prozent aller Männer entsprechende Tagebucheinträge zu verzeichnen; sie engagieren sich dann etwas mehr als zwei Stunden. Auch der Zeitwert für die Betreuung der Kinder nimmt am Wochenende zu; er liegt am Samstag mit einer Stunde und 18 Minuten schon um gut ein Fünftel höher als an den Werktagen. Seine Spitze erreicht er mit fast eineinhalb Stunden am Sonntag; an diesem Tag ist mit 14 Prozent auch der Anteil der Männer, die sich ihren Kindern widmen, am höchsten.

Der Reinigung und Pflege von Haus und Wohnung widmen sich Männer bevorzugt samstags. Während der Zeitaufwand dafür von Montag bis Freitag bei 49 Minuten liegt, wird am Samstag mehr als eine Stunde hierfür aufgebracht. Auch der Anteil der auf diesem Feld aktiven Männer steigt gegenüber den anderen Werktagen um zehn Prozentpunkte auf 55 Prozent (siehe PDF-Version, Schaubild 9). Demgegenüber finden sich nur in knapp 23 Prozent der Tagebücher am Samstag Einträge zu handwerklichen Tätigkeiten; allerdings sind die Betreffenden dann mehr als eine Stunde und vierzig Minuten beschäftigt. An den anderen Werktagen sind es sogar nur 17 Prozent, die gut eineinhalb Stunden in diesem Bereich aktiv sind.

Männer verschwinden also keineswegs am Wochenende in ihrer Werkstatt; sie sind vielmehr - wie auch im Laufe der Woche - in vielen anderen Bereichen der Haus- und Familienarbeit aktiv.

Jenseits von Beruf und Familie:Männerfreizeit

In ihrer Freizeit [9] - dem Leben jenseits der Haus- und vor allem Erwerbsarbeit - sind Männer entgegen mancher Vorurteile keineswegs "autistische Computerhacker", vielmehr setzen sie ein Viertel ihrer Freizeit für soziale Kontakte ein (vgl. PDF-Version, Schaubild 10). Dieser Anteilswert variiert erwartungsgemäß mit dem Lebensalter der Männer. Der höchste Zeitwert für Sozialkontakte findet sich bei den 18- bis 25-jährigen Männern, die dafür täglich imDurchschnitt drei Stunden und 12 Minuten investieren; bei mehr als 80 Prozent dieser Altersgruppe findet sich ein entsprechender Tagebucheintrag.

Der Zeiteinsatz für sozialkommunikative Aktivitäten geht bei Männern im Alter zwischen 25 und 45 Jahre um fast ein Drittel auf nur noch zwei Stunden und 12 Minuten zurück. Der Anteil derjenigen, die dieser Tätigkeit nachgehen, bleibt in etwa gleich. Die Zeitdauer sozialkommunikativer Aktivitäten steigt mit dem Lebensalter nur noch unwesentlich an und beträgt bei Rentnern zwei Stunden 24 Minuten; 82 Prozent der Rentner nehmen am sozialen Leben teil. Im gesamten männlichen Lebenszyklus bleibt damit der Anteil derjenigen, die soziale Kontakte pflegen, konstant, was die hohe Bedeutung dieses Lebensbereichs für Männer unterstreicht.

Die relativ häufigsten und ausdauerndsten Nutzer von Massenmedien sind Männer jenseits des 65. Lebensjahrs: In 97 Prozent ihrer Tagebücher findet sich ein entsprechender Eintrag; durchschnittlich vier Stunden und zehn Minuten pro Tag gehen sie dieser Beschäftigung nach. Dagegen verbringen Männer zwischen 25 und 45 Jahren nur knapp drei Stunden täglich mit der Nutzung von Massenmedien. Diese Altersgruppe verbringt darüber hinaus - im Vergleich mit anderen Altersgruppen - die wenigste Zeit vor dem Fernseh- bzw. Videogerät bzw. hört am wenigsten Radio oder Musikaufnahmen (vgl. PDF-Version, Schaubild 11).

Bei jungen Männern zwischen 12 und 18 Jahren nehmen Fernseh-, Video- und Radiokonsum den größten Raum ein: Fast drei Viertel ihrer Zeit für die Mediennutzung entfällt auf den Gebrauch von Fernseh- und Videoapparaten. Ältere Männer ab dem 65. Lebensjahr verbringen demgegenüber die meiste Zeit damit, zu lesen (28 Prozent der gesamten Zeit für die Mediennutzung) und Fernsehen zu schauen, die wenigste hingegen mit der Nutzung eines Computers. Umgekehrt widmen die 18- bis 25-Jährigen dem Computer ein Fünftel ihrer gesamten Zeit der Mediennutzung und setzen nur ein Zehntel ihrer Medienzeit für das Lesen ein.

Auf alle Männer bezogen, nimmt die für (Massen-)Medien aufgebrachte Zeit mit dem Alter der Kinder ab: Am geringsten ist der Zeitanteil für den Medienbereich bei Vätern mit einem Kind von unter drei Jahren: 90 Prozent der Tagebücher verzeichnen hier eine Aktivität von durchschnittlich zwei Stunden und 25 Minuten. Die Mediennutzung variiert auch mit dem Einkommen. "Reiche" Männer verbringen weniger Zeit damit, Fernseh- und Videosendungen zu sehen; sie erweisen sich als "Spitzenreiter" beim Lesen; Spitzenwerte erreichen sie auch beim Zeiteinsatz für künstlerische Aktivitäten.

Väter mit Kindern unter drei Jahren im Haushalt haben die wenigste Zeit für sportliche Aktivitäten. Knapp ein Drittel von ihnen ist sportlich aktiv, und diese wenden etwas mehr als eineinhalb Stunden täglich für den Sport auf. Insgesamt finden sich in den Tagebüchern von einem Drittel aller Männer entsprechende Einträge; es werden im Durchschnitt knapp zwei Stunden für sportliche und andere Aktivitäten in der Natur - wie Angeln oder Jagen - aufgebracht. Doch machen die sportlichen und naturbezogenen Aktivitäten nur neun Prozent der gesamten männlichen Freizeitaktivitäten aus. Männer sind also keineswegs die "immer aktiven Dauersportler" oder die "schweigenden Angler".

Vergleichsweise wenig Zeit für sportliche Aktivitäten können auch die Selbständigen aufbringen; nur knapp ein Viertel dieser Gruppe verzeichnet überhaupt entsprechende Aktivitäten. Dagegen treibt etwa ein Drittel der verbeamteten Männer Sport und kann dafür im Durchschnitt eine Stunde und 48 Minuten am Tag verwenden. Angestellte und Arbeiter treiben zwar noch etwas länger Sport, dafür üben sie aber - vor allem die Arbeiter - anteilig weniger Sport aus (vgl. PDF-Version, Schaubild 12).

Ebenso wenig wie Männer für mehrere Stunden in ihrer Werkstatt verschwinden, spielen sie auf dem Dachboden ständig mit ihrer Eisenbahn. Denn in nur 12 Prozent der Tagebücher sind Einträge im Bereich "Technische und andere Hobbys" verzeichnet. Der Zeitaufwand für diese Aktivität liegt im Durchschnitt bei knapp einer Stunde am Tag. Während sich in den Tagebüchern der 25- bis 45-jährigen Männer nur bei 11 Prozent ein entsprechender Eintrag findet, sind es bei den über 65-Jährigen 24 Prozent. Die älteren Männer widmen ihrem Hobby eine Stunde und drei Minuten am Tag, während die Männer zwischen 25 und 45 Jahren nur 50 Minuten Zeit dafür aufbringen.

Männer sitzen auch keineswegs stundenlang vor ihrem Computer; im Durchschnitt verbringen sie rund eineinhalb Stunden pro Tag vor dem PC. Allerdings führt nur ein Sechstel der Männer diese Aktivität überhaupt an. Den höchsten Zeitaufwand - zwei Stunden pro Tag - verzeichnen Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Knapp ein Drittel dieser Altergruppe gibt diese Aktivität an; es kann vermutet werden, dass der PC als Arbeitsmittel in der Ausbildung dient. Denn nur in 18 Prozent der Tagebücher in dieser Altersgruppe findet sich ein Eintrag zu Computerspielen, diese Männer verbringen dann jedoch rund zwei Stunden damit. Junge Männer unter 18 Jahren bringen allerdings einen beachtlichen Teil ihrer Zeit mit dem Computerspielen zu: durchschnittlich zwei Stunden und zwanzig Minuten am Tag; und fast die Hälfte aller Jungen gehen dieser Beschäftigung auch nach (vgl. PDF-Version, Schaubild 13).

Wie vermutet, finden die meisten Freizeitaktivitäten vorwiegend am Wochenende statt: Der Sonntag ist vor allem dem Sport und der Samstag den technischen sowie künstlerischen Aktivitäten vorbehalten. Das Wochenende - vor allem der Samstag - ist darüber hinaus der Zeitraum für soziale Kontakte. So wird am Samstag gut die Hälfte mehr Zeit für soziale Kontakte aufgewendet als in der Woche. Knapp zwei Drittel der Tagebücher weist für das Wochenende entsprechende Einträge auf, wobei im Durchschnitt fast zwei Stunden investiert werden. Dagegen findet sich in nur zwei Prozent der Tagebücher ein Eintrag zum Besuch von Sportveranstaltungen; dann allerdings werden knapp zweieinhalb Stunden dort verbracht. Gut ein Drittel der Männer nimmt sich am Wochenende eine Stunde und sieben Minuten Zeit zum Ausruhen - fast zehn Minuten mehr als durchschnittlich in der Woche. Allerdings findet nur ein Viertel aller Männer dafür überhaupt Zeit. Schließlich ist notierenswert, dass Männer nicht wenig Zeit mitKörperpflege verbringen. Im Durchschnitt sindesfünfzig Minuten am Tag; mit 98 Prozent sind praktisch alle Männer in diesem Bereich vertreten.

Fazit: Vielfalt im Männerleben

Die Analyse der Zeitverwendung bundesdeutscher Männer hat gezeigt, dass die Erwerbsarbeit zwar einen zentralen Aktivitätsbereich männlicher Lebensführung darstellt, aber Männer nicht ausschließlich ErwerbsMänner sind. Sie sind neben der Erwerbsarbeit auch in der Haus- und Familienarbeit präsent und haben überdies ein Freizeitleben. Der Vergleich mit dem entsprechenden Zeitaufwand von Frauen zeigt allerdings, dass sich an der klassischen Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen nicht sehr viel geändert hat: Männer sind fast doppelt so lang mit Erwerbsarbeit beschäftigt wie Frauen, wenden jedoch nur rund zwei Drittel der Zeit für Haus- und Familienarbeit auf, die Frauen hierfür aufbringen. Zu Hause scheint noch immer eine klare Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern vorzuherrschen, mit einer ebenso klaren Zuständigkeit der Frauen für die Kinderbetreuung. Wie beispielsweise eine Analyse der milieubezogenen Ausprägung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung beim Kochen gezeigt hat, sollte "geschlechtsspezifisch" jedoch nicht vorschnell mit "geschlechtshierarchisch" verwechselt werden, denn die Wertung des jeweiligen Musters der Arbeitsteilung erfolgt immer im spezifischen Kontext des partnerschaftlichen Arrangements.[10]

Dem Leitbild des "neuen" oder modernen Mannes entsprechend, erhöhen Männer ihr Engagement in der Haus- und Familienarbeit, wenn sie Väter werden. Leben sie dann mit einer Partnerin zusammen, die nicht erwerbstätig ist, liegt ihr zeitlicher Einsatz für bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen genommen sogar mehr als eine Stunde über dem ihrer Partnerin.[11] Von einer "Familienflucht" der Männer kann also keine Rede sein. Unseres Erachtens deuten die vorliegenden Ergebnisse vielmehr auf eine stärkere partnerschaftliche Orientierung von Männern hin. Denn der erhöhte Zeiteinsatz in der Haus- und Familienarbeit wird durch weniger Zeit für physiologische Regeneration und Freizeit erkauft.

Auch hinsichtlich ihrer Freizeitaktivitäten sind Männer anscheinend kommunikativer, als vielfach angenommen wird - sie verbringen ihre Zeit eben nicht nur am Computer, spielen nicht nur mit der Eisenbahn, trainieren nicht nur für den "Iron Man". In weiten Teilen unterscheidet sich ihre Art der Freizeitgestaltung auch nicht allzu stark von jener der Frauen. Denn wie die Männer investieren auch diese einen etwa gleich großen Anteil ihrer Freizeit in den Fernseh- oder Videokonsum, legen allerdings ein etwas größeres Gewicht auf soziale Kontakte. Interessanterweise liegt der tägliche Zeiteinsatz der Frauen für die Körperpflege im Durchschnitt nur acht Minuten über dem der Männer. Haben Männer also doch ihre "femininen" Seiten und die Liebe zu Parfüm entdeckt und sind auf dem Weg zum "Metrosexuellen"? Diese Frage kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Eines zeigt unsere Analyse der Zeitverwendung von Männer allerdings deutlich: Männerleben ist vielfältiger, als es die öffentliche Meinung und die alten, hegemonialen Männerbilder vom Erwerbs- und MachtMann nahe legen.

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Fußnoten

1.
Vgl. Peter Döge, Geschlechterdemokratie als Männlichkeitskritik. Männerforschung, Männerpolitik und der "neue Mann", in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 31 - 32/2000, S. 18 - 23.
2.
Vgl. Euro RSC Worldwide, Prosumer Pulse. The Future of Men: USA, New York 2003.
3.
Vgl. Rainer Volz/Paul M. Zulehner, Männer im Aufbruch. Wie Deutschlands Männer sich selbst und wie Frauen sie sehen. Ein Forschungsbericht, hrsg. von der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands, Ostfildern 1998; Paul M. Zulehner (Hrsg.), MannsBilder. Ein Jahrzehnt Männerentwicklung. Im Auftrag des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Ostfildern 2003. Anmerkung der Redaktion: Siehe auch den Beitrag von Paul M. Zulehner in dieser Ausgabe.
4.
Vgl. P. M. Zulehner (Anm. 3), S. 23.
5.
Vgl. R. Volz/P. M. Zulehner (Anm. 3), S. 51.
6.
Um der Frage nachzugehen, womit die Bürgerinnen und Bürger täglich ihre Zeit verbringen, wird alle zehn Jahre vom Statistischen Bundesamt deren Zeitverwendung erfasst - so zuletzt in den Jahren 2001 und 2002. Dazu wurden in mehr als 5 400 Haushalten von über 12 600 Personen ab dem zehnten Lebensjahr an jeweils drei Wochentagen jede Tätigkeit und ihr Umfang akribisch notiert, so dass auf diese Weise 37 800 Tagebücher zusammengekommen sind. Eine erste Auswertung der Zeitbudgeterhebung (ZBE) haben wir vorgelegt unter dem Titel: "Was machen Männer mit ihrer Zeit? Zeitverwendung bundesdeutscher Männer nach den Ergebnissen der Zeitbudgeterhebung (ZBE) 2001/2002", in: Statistisches Bundesamt, (Hrsg.), Alltag in Deutschland. Analysen zur Zeitverwendung; Schriftenreihe "Forum der Bundesstatistik", Band 43, Stuttgart 2004.Wir danken Thomas Weißbrodt, Universität Köln, für engagierte statistische Datenaufbereitung und methodische Impulse im Blick auf multivariative Auswertungen.
7.
Zur Haus- und Familienarbeit zählen folgenden Tätigkeiten: Zubereitung von Mahlzeiten; Instandhaltung von Haus und Wohnung; Herstellen, Ausbessern und Pflege von Textilien; Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege; Bauen und handwerkliche Tätigkeiten; Einkaufen; Haushaltsplanung und -organisation; Kinderbetreuung; Unterstützung, Pflege und Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern. Diese Zuordnung von Tätigkeiten zu bestimmten Oberbegriffen ist vom Statistischen Bundesamt vorgenommen worden, das die Zeitbudgeterhebung (ZBE) durchgeführthat.Dies gilt auch für die Zuordnungen anderer Tätigkeiten.
8.
Zu diesen werden Tätigkeiten als Haushaltsgehilfe und Hausangestellte sowie in der privaten Kinderbetreuung und Pflege gezählt.
9.
Hierzu zählen, wiederum nach der Definition des Statistischen Bundesamtes: Ehrenamtliche Tätigkeit; soziale Kontakte; sportliche und andere Aktivitäten; Hobbys und Spiele; Nutzung von Massenmedien.
10.
Vgl. Petra Frerichs/Margareta Steinrücke, Kochen - ein männliches Spiel? Die Küche als geschlechts- und klassenstrukturierter Raum, in: Irene Dölling/Beate Krais (Hrsg.), Ein alltägliches Spiel, Frankfurt/M. 1997, S. 231-255. Über die Gründe der anhaltenden traditionellen Arbeitsteilung geben die hier vorliegenden Daten keine Auskunft. Die Ursachen des geringen Engagements von Männern in der Kinderbetreuung sind unseres Erachtens mehrdimensional und nicht in einer Familienflucht oder in einem wie auch immer gearteten "männlichen Unwillen" (Pinl) begründet. Nicht unwesentlich sind sie in der Dynamik der jeweiligen Geschlechterbeziehung angelegt (vgl. Peter Döge/Rainer Volz, Wollen Frauen den neuen Mann? Traditionelle Geschlechterbilder als Blockaden von Geschlechterpolitik, St. Augustin 2002). Ebenso wenig geben die Daten Auskunft darüber, wie groß die Wahlmöglichkeiten der beteiligten Personen sind und wie sich diese aus dem jeweiligen Lebensmuster begründen - die Unterstellung von Claudia Pinl, Männer hätten bei der Übernahme von Hausarbeiten größere Wahlmöglichkeiten als Frauen, ist durch die vorliegenden Daten in keiner Weise empirisch abgesichert und wird von ihr auch nicht durch andere Quellen belegt (vgl. Claudia Pinl, Wo bleibt die Zeit? Die Zeitbudgeterhebung 2001/02 des Statistischen Bundesamtes, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B31 - 32/2004, S. 24).
11.
Vgl. Bundesfamlienministerium und Statistisches Bundesamt, (Hrsg.), Wo bleibt die Zeit? Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/02, a. O., a. J. (Berlin/Wiesbaden 2003) S. 15, Abbildung. Dieselbe Abbildung zeigt auch: C. Pinl (Anm. 10), S. 24 (Abbildung 4). Die Ausführungen der Autorin im Kontext dieser Grafik (S. 22 - 25) können jedoch als Versuch angesehen werden, die zeitliche Belastung erwerbstätiger Väter "wegzuintepretieren".