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2.7.2004 | Von:
Mona Granato
Karin Schittenhelm

Junge Frauen: Bessere Schulabschlüsse - aber weniger Chancen beim Übergang in die Berufsausbildung

Junge Frauen sind vom Rückgang des Angebots an betrieblichen Lehrstellen besonders betroffen. Ungeachet größerer Bildungserfolge werden sie beim Zugang zu qualifizierten Ausbildungsplätzen benachteiligt.

Einleitung

Die Erwartungen junger Frauen an den zukünftigen Beruf sind vielfältig und hoch - ihre Bereitschaft, durch eine qualifizierte Berufsausbildung eine geeignete Grundlage hierfür zu schaffen, ebenfalls. Doch wie sieht es mit den Realisierungschancen aus? Inwieweit gelingt es jungen Frauen heute ihre beruflichen Orientierungen auch umzusetzen? Welche Strategien schlagen sie ein, um eine Ausbildungsstelle zu finden? Welche Chancen bietet ihnen der Ausbildungsmarkt, und welche Perspektiven auf eine qualifizierte Berufsausbildung sind hiermit verknüpft?




Der Übergang zwischen Schule und Berufsausbildung ist zu einer Lebensphase geworden, die von ihrem Ausgang her ungewiss ist. Auch für junge Frauen mit Realschulabschluss, die über gute Voraussetzungen für eine Ausbildung verfügen, gilt ein Ausbildungs- und Berufseinstieg nicht als gesichert. Sind die schulischen Voraussetzungen ungünstiger, erhöht sich das Risiko, dass sie vorübergehend oder dauerhaft ohne Ausbildung und Beschäftigung verbleiben. Doch ist die berufliche Erstausbildung nach wie vor entscheidend für den späteren Berufseinstieg und bei Frauen und Männern zentral für ihre Einmündung in den Arbeitsmarkt. Die nach der "ersten Schwelle" entstandene Verteilung von Frauen und Männern auf Ausbildungsberufe setzt sich mit ungleicher Entlohnung und Anerkennung im späteren Beruf fort. Mit den Wegen in eine Ausbildung, d.h. mit der "ersten Schwelle" des Übergangs in eine berufliche Qualifizierung, beschäftigt sich der vorliegende Beitrag.




Nicht nur soziale Risiken, auch die trotz ihrer Bildungserfolge ungleichen Chancen junger Frauen auf dem Ausbildungsmarkt führen zu der Frage, wie der Übergang von der Schule in eine berufliche Ausbildung verläuft. Eine abgeschlossene berufliche Qualifizierung ist heute Bestandteil der Lebensplanung junger Frauen. Selbst die schwierige Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt führt nicht dazu, auf berufsbezogene Lebensentwürfe zu verzichten.

Die Annahme, die Einmündung junger Frauen in ein bestimmtes Spektrum von Ausbildungsberufen beruhe auf ihrer ursprünglichen Berufswahl, ist inzwischen weitgehend widerlegt. Die Berufseinmündung richtet sich auch nach den Gelegenheiten des Ausbildungsmarktes. Doch wie gehen junge Frauen mit den sich bietenden Möglichkeiten um und wie nehmen sie Ausbildungsberufe wahr, die mehrheitlich noch immer von dem einen oder anderen Geschlecht erlernt werden? Über Ursachen und Verlauf des Ausbildungs- und Berufseinstiegs junger Frauen liegen zahlreiche Forschungsergebnisse vor. Sie weisen nicht nur auf eine Vielzahl von Faktoren für ihre Berufsfindung hin, sondern auch darauf, dass Schulabgängerinnen je nach Herkunft und nationaler wie regionaler Zugehörigkeit differenziert zu betrachten sind.

Das Interesse gilt zunächst der Frage, wie sich junge Frauen nach Abschluss der Schule orientieren und inwieweit sie ihre Ausbildungsziele realisieren können. Damit konzentriert sich der folgende Beitrag darauf, welche Chancen sie auf dem heutigen Ausbildungsmarkt, d.h. im dualen Ausbildungssystem haben. Trotz einer hohen Berufsorientierung und der viel beachteten Bildungserfolge von Schülerinnen besteht für junge Frauen auf dem Ausbildungsmarkt - im Verhältnis zu jungen Männern - keine Chancengleichheit. Welche Ursachen dafür ermittelt wurden und welche Schlüsse die Erklärungsansätze nahe legen, diskutiert der Beitrag anschließend.