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17.6.2004 | Von:
Christiane Eisenberg

Fußball als globales Phänomen

Historische Perspektiven

Die FIFA feiert in diesem Jahr ihr 100jähriges Bestehen. In Paris gegründet, hat sie bis heute maßgeblichen Einfluss darauf, wie und nach welchen Regeln Fußball gespielt wird. Die Geschichte der weltweiten Verbreitung des Fußballs beschreibt Christiane Eisenberg.

Einleitung

Fußball ist heute ein wahrhaft globales Spiel. 28,8 Milliarden Zuschaltungen haben die Experten während der letzten Weltmeisterschaft in Japan und Korea 2002 gezählt, d.h., jeder der 6,2 Milliarden Erdenbewohner hat sich, statistisch gesehen, mehr als vier Mal in die Endrunde des Turniers eingeschaltet. Die Sache reduziert sich jedoch nicht auf ein Medienereignis, sondern veranlasst Menschen überall auf der Welt zu sportlichen Aktivitäten. Nach dem "Big Count", einer statistischen Erhebung der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) aus dem Jahr 2000, beläuft sich die Gesamtzahl der Spielerinnen und Spieler auf der Welt auf 242 Millionen, das entspräche 4,1 Prozent der Weltbevölkerung. Die FIFA zählt 204 Mitgliedsverbände und ist damit auf der Erde flächendeckender verbreitet als die UNO.


Ein solches weltweites Massenphänomen ist erklärungsbedürftig. Seit wann ist Fußball derartig beliebt? Worauf gründet sich die Popularität des Spiels? Welches sind die sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Rahmenbedingungen seines Verbreitungserfolges? Dieser Beitrag entwickelt zwei historische Antworten auf diese Fragen. Zum einen zeigt er, wie das Fußballspiel in seinem Mutterland England auf eine rationale organisatorische Basis gestellt wurde, die überall auf der Welt reproduzierbar war. Zum anderen zeichnet er nach, welche Entwicklungsimpulse der moderne Fußball aus der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts erhielt und welche Eigendynamiken des Spiels daraus erwuchsen.[1]


Fußnoten

1.
Der erste Teil dieses Beitrags fußt auf Christiane Eisenberg (Hrsg.), Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt, München 1997 und den darin abgedruckten Länderstudien. Der zweite Teil fasst Ergebnisse einer gerade abgeschlossenen Studie zusammen: Christiane Eisenberg/Pierre Lanfranchi/Tony Mason/Alfred Wahl, FIFA 1904 - 2004. 100 Jahre Weltfußball, Göttingen 2004.