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Kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern in den Philippinen

Eine Bestandsaufnahme


14.5.2004
In den Philippinen nehmen Kinderprostitution, -pornographie und -handel aufgrund des Sextourismus und den Auswirkungen der Asienkrise gravierende Ausmaße an. Gleichzeitig gilt das Land bei der Bekämpfung von kommerzieller sexueller Ausbeutung von Kindern als Vorreiter.

Einleitung



Im März 2004 trafen sich im indonesischen Medan 350 Vertreter südostasiatischer Regierungen, nichtstaatlicher Organisationen und der Wissenschaft,[1] um ein Problem zu behandeln, das von globaler Brisanz ist und in der Region seit der Asienkrise 1997 alarmierende Ausmaße angenommen hat - die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern (Commercial Sexual Exploitation of Children/CSEC).[2]




Themen wie Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie galten bis vor kurzem in vielen Ländern Südostasiens als Tabu und tauchten auf den politischen Agenden nicht auf.[3] Daher ist die Regionalkonferenz, bei der Informationen, Erfahrungen und Strategien zur Bekämpfung von Kinderhandel zu sexuellen Zwecken ausgetauscht wurden, um einen Grundstein zukünftiger Kooperation zu legen, ein wichtiger Schritt im weltweiten Kampf gegen CSEC, der 1996 in Stockholm mit dem "Ersten Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern" eingeleitet wurde.[4] Dieser endete mit der Annahme einer Erklärung und eines Aktionsprogramms, durch das sich 124 Länder verpflichteten, bis zur Jahrtausendwende nationale Aktionspläne zur Bekämpfung von CSEC zu erstellen. Bis dato kam dieser Verpflichtung allerdings erst ein Drittel der Staaten nach.[5]

Das Augenmerk richtet sich auf die Philippinen, weil das Land in Südostasien zu den Vorreitern im Kampf gegen CSEC zählt.[6] So wurden ein Aktionsplan erstellt, die Gesetzgebung zum Schutz von Kindern erweitert und erste Maßnahmen eingeleitet. Doch trotz der politischen Fortschritte verschärft sich das Problem. Armut, der Mangel an Bildung, interregionale Migration und der anhaltende Sextourismus führen dazu, dass die Ausbeutung von Minderjährigen in der Sexindustrie weiter anhält - ein Geschäft, in das fast alle Ebenen der Gesellschaft involviert sind.



Fußnoten

1.
Informationen zur Southeast Asian Conference on the Trafficking in Children for Sexual Purposes (28.-30.3. 2004) unter www.childconference.org (Zugriff am 15.3. 2004).
2.
Zur Entwicklung von CSEC vgl. Council for the Welfare of Children, Framework of Action Against Commercial Sexual Exploitation of Children - A Vision and Framework for Action 2000 - 2004, Manila 2000, S. 8.
3.
So z.B. in Indonesien. Vgl. Tina Pfeiffer, Im Kampf gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern - Indonesien wächst aus seinen Kinderschuhen, in: Südostasien aktuell, 22 (2003) 5, S. 475 - 482.
4.
Die Stockholm-Folgekonferenz fand im Dezember 2001 in Yokohama, Japan, statt. Initiiert wurden die Weltkongresse u.a. von der Kampagne "Stoppt Kinderprostitution im asiatischen Tourismus" (End Child Prostitution in Asian Tourism, ECPAT). Aufgrund der globalen Dimension von CSEC erhielt sie 1996 den Status einer internationalen NRO (Nichtregierungsorganisation), die heute über 300 Mitgliedsorganisationen in allen Weltteilen vereint. ECPAT steht seitdem für "End Child Prostitution, Child Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes".
5.
Vgl. ECPAT, Online Database, www.ecpat.net/eng/Ecpat_inter/projects/monitoring/online-database/index.asp (Zugriff am 20.3.2004).
6.
Zu Thailand vgl. Martina Timmermann, Thailand - Vorreiter im Kampf gegen Kinderhandel und Kinderprostitution, in: dies./Tina Pfeiffer (Hrsg.), Im Kampf gegen Kinderhandel und Kinderprostitution. Japan, Thailand, Indonesien, Philippinen. Sammelband und Bibliographie, Hamburg 2004.