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Die israelisch-
palästinensische Konfrontation und ihre Widerspiegelung in der öffentlichen Meinung Israels


4.5.2004
Eine Richtungsänderung in der israelischen Politik scheint laut Umfragen nur über die Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Israel möglich. Denn Solidarität und Entschlossenheit kann im Kampf zu einer öffentlichen, psychologischen Kraft werden.

Die Kluft zwischen Vorstellung und Wirklichkeit



Trotz des sich vertiefenden Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern besteht heute in Israel selbst, und sogar zwischen Israelis und Palästinensern, kaum eine Meinungsverschiedenheit über die Wahrnehmung der sie umgebenden Realität und das Prinzip des Konflikts.[1] Israels Ministerpräsident Ehud Barak behauptete in seiner Abschiedsrede nach der Wahlniederlage 2001, dass die Gespräche mit den Palästinensern in Camp David im Jahre 2000 einen Vorteil gebracht hätten - auf beiden Seiten die "Masken vom Gesicht zu reißen und Illusionen zu zersprengen". Über drei Jahre der gewalttätigen, schmerzhaften Konfrontation zeugen vom Wahrheitsgehalt dieser Worte.




In der Tat werden heute auf israelischer Seite die Wahlversprechungen von linken wie rechten Parteien als hohle Deklarationen gelesen, die von der Realität widerlegt sind: einerseits die idealistischen Hoffnungen und Prophezeiungen der Osloer Abkommen zur Zeit von Jitzhak Rabin und Schimon Peres, andererseits die bis vor kurzem geäußerten Versprechungen von Frieden und Sicherheit bei fortgesetztem Siedlungsbau und florierender Wirtschaft durch Ministerpräsident Ariel Scharon an der Spitze des rechtsnationalen Lagers. Angesichts der rechten Opposition und geschwächt von strafrechtlich relevanten Anschuldigungen ruft Scharon heute von der politischen Mitte aus zu Schritten auf, die unmittelbar aus dem politischen Forderungskatalog der israelischen Linken schöpfen: schmerzhafte Verzichte, einseitiger Rückzug aus Gaza, Anerkennung eines Palästinenserstaates, Bau eines Trennzauns, Abbau von Siedlungen - all das unter Beschuss und anhaltendem Terror, der die israelische Gesellschaft peinigt, und bei wirtschaftlicher Rezession und politischer Lähmung.



Fußnoten

1.
Der Artikel stützt sich auf eine Sammlung von Daten aus öffentlichen Meinungsumfragen, die in Israel in den letzten Jahren durchgeführt wurden: The Peace Index, Tami Steinmetz Center for Peace Research of Tel Aviv University, Ephraim Yaar and Tamar Hermann, August 2003 - März 2004 (im Folgenden: Yaar); Panorama-Institute, Tel Aviv, Umfragen (im Folgenden: Panorama); Democracy Barometer 2003, The Israel Democracy Institute, Jerusalem, und wöchentliche Umfragen in der Zeitung Yedioth Aharonot vom Dahaf-Institute, Tel Aviv (im Folgenden: Dahaf); Asher Arian, Israeli Public Opinion on National Security 2003 und 2004, Jaffee Center for Strategic Studies, Tel Aviv University (im Folgenden: Arian); European Union Delegation to Israel, Israelis' Attitudes Towards The European Union, Dahaf-Institute, March 2004 (im Folgenden: Dahaf Europa).