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1.3.2004 | Von:
Klaus K. Urban

Hochbegabtenförderung und Elitenbildung

Hochbegabtenförderung berührt wesentliche gesellschaftliche Grundfragen. Es wird gezeigt, dass Begabung in einer dialektischen, interaktiven Beziehung von Individuum und Gesellschaft steht und entsteht, und dass Elite und Demokratie nicht im Widerspruch zueinander stehen.

Einleitung

Die Förderung von Hochbegabten ist kein exotisches Unterfangen oder gar eine deutsche Spezialität. Das wird schnell deutlich, wenn man die vielen Veröffentlichungen, die internationalen Konferenzen, Aktivitäten und Programme zu diesem Thema betrachtet, wie sie z.B. durch den World Council for Gifted and Talented Children repräsentiert werden.[1] Bei der Förderung von Begabten geht es nicht um ein überflüssiges, randständiges pädagogisch-psychologisches Thema, sondern um Grund- und Menschenrechte in einer pluralistischen Demokratie und um Zukunftsfragen einer Gesellschaft im globalen Wettbewerb. Zugleich berührt diese Frage das pädagogische Selbstverständnis und die Zielsetzung von Schule sowie das individuelle oder das in einer Gesellschaft vorherrschende Menschenbild. Und wenn man die individuellen Lernmöglichkeiten berücksichtigt, geht es um ein genuin pädagogisches Problem.




Beide Aspekte bedingen einander und beeinflussen sich gegenseitig. Eine Sichtweise, wie sie Hermann Hesse in seinem Buch "Unterm Rad" ironisch formuliert hat, scheidet freilich aus: "Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner."[2]


Fußnoten

1.
Siehe www.WorldGifted.org
2.
Hermann Hesse, Unterm Rad (Jubiläumsausgabe), Frankfurt/M. 1993, S. 250.