Aufkleber, die auf unterschiedliche Toiletten und Waschräume in einem Einkaufszentrum hinweisen
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1.2.2019 | Von:
Swantje Köbsell

50 behindertenbewegte Jahre in Deutschland

Als sich 1968 der "Club 68" gründete, war die Situation behinderter Menschen in (West-)Deutschland in allen Lebensbereichen von Aussonderung und Fremdbestimmung gekennzeichnet. Gleichzeitig befand sich die Gesellschaft in einer Phase des Aufbruchs, in der die Studenten- und die Frauenbewegung scheinbar "ewig Gültiges" infrage stellten. In ähnlicher Weise begannen behinderte Menschen zu hinterfragen, warum sie aufgrund ihrer körperlichen, sensorischen oder kognitiven Bedingungen, die von der gesellschaftlich gesetzten Normalität abwichen, von jeglicher Teilhabe ausgeschlossen wurden. Dass diese frühen Entwicklungen vier Jahrzehnte später in eine UN-Menschenrechtskonvention über die Rechte behinderter Menschen münden würden, hätte damals wohl keine_r der Beteiligten gedacht.

Vorgeschichte

Die Gründung der Gruppen, aus denen später die Behindertenbewegung entstehen sollte, fand vor dem historischen Hintergrund der Aussonderung und Entrechtung behinderter Menschen statt, die ihren Höhepunkt in der Ermordung behinderter Menschen als "lebensunwertes Leben" durch die Nationalsozialisten gefunden hatten. Die abwertenden Denkmuster hatten deren Herrschaft überdauert, und auch die Aussonderungsstrukturen waren nach 1945 unhinterfragt wieder auf- und ausgebaut worden. Damit war die historische Chance für einen wirklichen Neuanfang auch in diesem Bereich ungenutzt geblieben. Als Folge konnten behinderte Menschen jeglichen Alters weiterhin nur in ihren Familien oder in Institutionen leben – in beiden war Selbstbestimmung keine wirkliche Option. Heime für behinderte Menschen waren zu dieser Zeit "totale Institutionen",[1] in denen das gesamte Leben durch die Logik der Institution beziehungsweise durch die Heimleitung bestimmt wurde und oftmals unter menschenunwürdigen Bedingungen stattfand. Die von der Bundesregierung eingesetzte Enquete-Kommission zur Lage der Psychiatrie stellte 1975 für die psychiatrischen Großeinrichtungen, in denen auch viele behinderte Menschen leben mussten, skandalöse Zustände fest: große Schlafsäle, desolate hygienische Verhältnisse, schlecht ausgebildetes Personal, ungenügende medizinisch-therapeutische Versorgung und vieles mehr.[2]

Eltern behinderter Kinder gründeten ab Ende der 1950er Jahre verschiedene, jeweils auf spezielle Beeinträchtigungen bezogene Vereinigungen, die sich sowohl für die Entlastung der Eltern als auch für eine bessere Versorgung und Förderung ihrer Kinder einsetzten. Dies führte zum Ausbau von Sonderschulen und -kindergärten sowie zur Einrichtung kleinerer Wohnheime in den Wohnorten der Eltern. Dieser umfassende Ausbau der Sondereinrichtungen stellte zum damaligen Zeitpunkt eine tatsächliche Verbesserung der Versorgungssituation dar. Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen waren allerdings noch kein Thema; es ging lediglich um Versorgung. Das Leben behinderter Menschen spielte sich in den fest umrissenen Grenzen der Sondereinrichtungen ab. Aber auch die Infrastruktur im öffentlichen Raum mit ihren allgegenwärtigen architektonischen Barrieren, fehlendem barrierefreien Wohnraum und nicht zugänglichem ÖPNV stand einer gesellschaftlichen Teilhabe entgegen. Hinzu kamen weit verbreitete negative Einstellungen behinderten Menschen gegenüber.

Der gesellschaftliche Ausschluss behinderter Menschen aus der Gesellschaft, der mit fehlender Anerkennung als Bürger_innen mit gleichen Rechten einherging, war zu einem wesentlichen Teil einer Sichtweise von Behinderung als einem persönlichen, medizinisch-biologischen Problem der betroffenen Person geschuldet. Behinderung wird in dieser Perspektive unauflöslich mit Leid verknüpft und die beeinträchtigte Person bemitleidet und für unfähig angesehen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, weshalb Expert_innen für sie entscheiden müssen. Diese Haltung wird als medizinisches beziehungsweise individuelles Modell von Behinderung bezeichnet, das dadurch gekennzeichnet ist, dass Behinderung und Beeinträchtigung gleichgesetzt und gesellschaftliche Aspekte nicht einbezogen werden: Alle im Leben beeinträchtigter Menschen auftretenden Probleme sind in dieser Perspektive eine zwangsläufige Folge biologischer Defizite und Funktionseinschränkungen.[3] Entsprechend wird nicht nach gesellschaftlichen, sondern nach individuellen medizinisch-technischen Lösungen des "Problems" gesucht. Der medikalisierte Blick auf Behinderung ging auch mit einem starken Druck zur medizinischen Normalisierung "besonderer" Körper einher, wie etwa durch die Berichte der sogenannten Contergan-Kinder deutlich wird, die zwischen 1958 und 1962 mit Fehlbildungen zur Welt kamen, die durch den Wirkstoff Thalidomid hervorgerufen worden waren.[4]

Auch in der Sonderpädagogik, deren Einfluss mit dem Ausbau der verschiedenen Sondereinrichtungen erheblich zugenommen hatte,[5] herrschte die medizinisch-funktionell orientierte, naturalisierende Sichtweise von Behinderung vor. Behinderte Kinder und Jugendliche wurden vorrangig im Hinblick auf ihre "biologischen Defekte" betrachtet, die es zu beheben beziehungsweise zu normalisieren galt. Zwar setzte in Teilen der Sonderpädagogik und der Behindertenhilfe bereits in den 1970er Jahren ein Umdenken ein, das zur Zurückweisung der defektorientierten individualisierenden Denkmuster führte und gesellschaftliche Aspekte in den Fokus rückte. Vor diesem Hintergrund wurden in den 1970er Jahren Definitionen entwickelt, die Behinderung nicht als schicksalshaften Defekt und naturhaftes Phänomen, sondern als soziale Kategorie fassten.[6] Bis diese veränderte Sichtweise auf Behinderung in der Sonderpädagogik anerkannt und in den vielen Sondereinrichtungen für behinderte Menschen umgesetzt wurde, musste jedoch noch viel Zeit vergehen – in manchen Köpfen und Einrichtungen hat dies bis heute nicht stattgefunden.

Politisierungen

Die 1960er Jahre standen im Zeichen der sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen, deren Ziele "die Einforderung von Partizipation und Anerkennung als Bürger" waren.[7] Dieser gesellschaftliche Aufbruch, der mit dem Infragestellen hierarchischer Beziehungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen einherging, erreichte auch junge behinderte Menschen, die es trotz der widrigen Bedingungen geschafft hatten, sich Freiräume zu erkämpfen. Sie gründeten "Clubs", in denen sich auch nichtbehinderte Gleichaltrige einbringen konnten. Ziel dieser Gruppen war vor allem eine "altersgerechte Freizeitgestaltung".[8] Da diese jedoch aufgrund der zahlreichen Barrieren nur sehr eingeschränkt möglich war, begannen sich viele dieser Gruppen in die Lokalpolitik einzumischen und für den Abbau der Barrieren zu kämpfen. Die Clubs, die sich bald "Clubs Behinderter und ihrer Freunde" (CeBeeF) nannten, schlossen sich im Oktober 1971 zu einer Bundesarbeitsgemeinschaft zusammen, deren Ziel es war, auf Bundesebene "die eigenen Vorstellungen partnerschaftlichen Miteinanders vorzuleben und für sie zu werben".[9]

Eine weitere Form der frühen Politisierung waren die ab 1973 von dem nichtbehinderten Publizisten Ernst Klee und Gusti Steiner, einem Rollstuhlfahrer, geleiteten Volkshochschulkurse "Bewältigung der Umwelt" in Frankfurt am Main. Ziel der Kurse war, in der Zusammenarbeit von behinderten und nichtbehinderten Menschen die nichtbehinderten für die Lebenssituation behinderter Menschen zu sensibilisieren und die Emanzipation behinderter Menschen voranzubringen. Überregional bekannt wurden diese Kurse durch ihre öffentlichkeitswirksamen Aktionen, mit denen sie auf Teilhabe verhindernde Barrieren hinwiesen. Auf Initiative des Volkshochschulkurses wurde in den Jahren 1978 bis 1980 jeweils die "Goldene Krücke" an Einzelpersonen oder Organisationen verliehen, die "sich als besonders behindertenfeindlich ausgezeichnet und damit die Integration Behinderter nachhaltig erschwert" hatten.[10]

Die zunehmende Politisierung ging einher mit der Erkenntnis, dass das vorherrschende Bild von Behinderung einer umfassenden Gleichstellung und Teilhabe behinderter Menschen entgegenstand. Gleichzeitig realisierten die Beteiligten, dass nicht ihre jeweilige biologische Ausstattung die Ursache von Behinderung war, sondern die gesellschaftliche Ausschlussreaktion darauf. Gusti Steiner formulierte 1983: "Wir müssen (…) unsere Lebenssituation als politisch verursacht begreifen, in politischen Dimensionen denken und handeln, damit Veränderung hin zu einer Gesellschaft, in der alle leben können, platzgreifen kann."[11] Dies bedeutete auch, die Macht der nichtbehinderten Expert_innen und Funktionär_innen anzuprangern, die die Fremdbestimmung behinderter Menschen aufrechterhielten und deren "Expertise" dafür sorgte, dass sie Objekte von Fürsorge, Mitleid und Verwaltung blieben und nicht Subjekte mit Bürger_innenrechten waren.

Die radikalste Position von allen am Entstehen der Behindertenbewegung beteiligten Gruppen vertraten die Ende der 1970er Jahre um Franz Christoph und Horst Frehe in verschiedenen Städten gegründeten "Krüppelgruppen". Nichtbehinderte Menschen waren von der Teilnahme ausgeschlossen, und der Name war eine bewusste Provokation: "Immer wieder werden wir danach gefragt, warum wir uns als Krüppel bezeichnen. (…) Der Begriff Behinderung verschleiert für uns die wahren gesellschaftlichen Zustände, während der Name Krüppel die Distanz zwischen uns und den sogenannten Nichtbehinderten klarer aufzeigt. (…) Ehrlicher erscheint uns daher der Begriff Krüppel, hinter dem die Nichtbehinderten sich mit ihrer Scheinintegration (‚Behinderte sind ja auch Menschen‘) nicht so gut verstecken können."[12] Fremdbestimmung und Bevormundung seien das Ergebnis der Unterdrückung behinderter durch nichtbehinderte Menschen, weshalb diesen die Teilnahme verwehrt werde.

Theoretische Grundlage der Krüppelgruppen bildete der auf Franz Christoph zurückgehende "Krüppelstandpunkt", der in klarer Opposition zum vorherrschenden paternalistischen Denken über behinderte Menschen stand. Er wendete "sich gegen die Professionellen und Pädagogen, gegen die Macht der Helfer, die bevormunden und unterdrücken, gegen die Wohltäter und ihr verachtungsvolles Mitleid. (…) Nicht wir als Behinderte, als Randgruppe, sind das Problem, sondern die Gesellschaft, in der wir leben, und die Nichtbehinderten, die Schwierigkeiten mit uns haben (…). Wir wollen ‚Krüppel‘ sein: stolz auf unsere Besonderheit, frech und kämpfend, lieber lebendig als ‚normal!‘"Gefordert wurde die Veränderung des Blickes auf und die Bewertung von Behinderung sowie die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: "Unser Ziel ist es, Behinderung als Lebensform anzuerkennen und wertzuschätzen. Ebenso werden radikale Veränderungen der Lebensumstände eingefordert, als selbstverständliches Recht und nicht als Almosen."[13]

Die Krüppelgruppen äußerten fundamentale Kritik an den konservativen Behinderungsfachleuten, doch auch die fortschrittlicheren kamen nicht ungeschoren davon: Zwar hätten diese mit der Abkehr vom medizinischen Modell und der Anerkennung von Behinderung als sozialer Kategorie "einen entscheidenden Schritt vom rein medizinischen Defektdenken" vollzogen. Dennoch gelinge "es Ihnen nicht, Behinderung als Herrschaftsverhältnis zwischen zwei konkreten Personengruppen zu begreifen!"[14] Dieser kompromisslose Konfrontationskurs Nichtbehinderten und insbesondere nichtbehinderten Fachleuten gegenüber wurde von vielen, die sich in dieser Zeit für die Teilhabe behinderter Menschen einsetzten, abgelehnt.[15] Grundsätzlich geteilt wurde jedoch das Infragestellen des alten, auf individuellem Leid beruhenden Behinderungsbegriffs. "Der Widerstand gegen das medizinische Behinderungsverständnis und der Politische Kampf für ein Verständnis von der gesellschaftlichen Verursachung von Behinderung wurden zum wichtigsten Grundprinzip der Politischen Behindertenbewegung."[16]

"Jedem Krüppel seinen Knüppel"

Ein skandalöses Gerichtsurteil im Februar 1980, in dem eine Gruppe behinderter Menschen im Urlaub als "Reisemangel" bezeichnet wurde, für den ein Teil der Reisekosten zurückerstattet werden musste,[17] wurde der Auslöser dafür, dass sich die verschiedenen Gruppierungen überregional vernetzten. Im Mai 1980 organisierten sie in Frankfurt am Main eine große Demonstration, an der viele behinderte Menschen und ihre Unterstützer_innen teilnahmen. In den Redebeiträgen wurde nicht nur das Urteil kritisiert, sondern auf die umfassende Diskriminierung behinderter Menschen hingewiesen. Das Fernsehen brachte via "Tagesschau" den Widerstand behinderter Menschen erstmalig in die deutschen Wohnzimmer. Der informelle Zusammenschluss wurde anschließend zur "Aktionsgruppe gegen das UNO-Jahr", die das Ziel hatte, die offiziellen Veranstaltungen im Rahmen des von den Vereinten Nationen für 1981 ausgerufenen "Jahr der Behinderten" für ihre Themen zu nutzen.

Unter dem Motto "Jedem Krüppel seinen Knüppel" organisierte das Aktionsbündnis die Störung der Eröffnungsveranstaltung, zu der in der Dortmunder Westfalenhalle unter anderem eine Rede des damaligen Bundespräsidenten Carl Carstens angekündigt war. Um dessen Rede zu verhindern, ketteten sich einige Aktivist_innen auf der Bühne an, auf der der Bundespräsident sprechen sollte. Mit einem großen Transparent, auf dem zu lesen war: "Keine Reden, keine Aussonderung, keine Menschenrechtsverletzungen" machten sie darauf aufmerksam, dass sie sich von den offiziellen Reden lediglich eine Glorifizierung der herrschenden Verhältnisse, jedoch keine Verbesserung der Lebenssituation behinderter Menschen im Hinblick auf Selbstvertretung und gesellschaftliche Teilhabe versprachen. Im Laufe des Jahres nutzten Mitglieder der Behindertenbewegung weitere offizielle Veranstaltungen zum UNO-Jahr dafür, mit aufsehenerregenden Aktionen selbstbewusst ihre Menschenrechte auf Selbstbestimmung und Teilhabe einzufordern. Dies stieß jedoch sowohl in der Öffentlichkeit als auch unter behinderten Menschen auf viel Unverständnis.[18]

Das aus der Behindertenbewegung heraus organisierte "Krüppeltribunal", mit dem "Menschenrechtsverletzungen im Sozialstaat" zur Anklage gebracht wurden, bildete den Abschluss des Jahres. Ziel der Organisator_innen war, "die Strukturen dieser Aussonderungspolitik in der BRD an(zu)klagen. Wir wollten uns gegen die Zerstückelung unserer Interessen durch Politiker, Heimaufseher und sonstige Fachleute in Sachen Behindertenunterdrückung zur Wehr setzen und die Betroffenen zur massiven und radikalen Gegenwehr anstiften."[19] Die Anklagepunkte bezogen sich unter anderem auf die Beschneidung der Menschenrechte behinderter Menschen in Heimen, durch Behördenwillkür und vorenthaltene Mobilität, in Werkstätten sowie in der Psychiatrie. Ein weiteres Thema war die durch das Aufeinandertreffen der Diskriminierung aufgrund weiblichen Geschlechts und Behinderung gekennzeichnete Lebenssituation behinderter Frauen.

Das UNO-Jahr hatte der jungen Bewegung eine Bühne für einen öffentlichkeitswirksamen Auftakt geboten, mit dem es gelungen war, mediale Aufmerksamkeit zu erlangen. Tatsächliche Veränderungen waren jedoch noch nicht zu verzeichnen. So galt es nach dieser Phase der inhaltlichen Auseinandersetzungen und spektakulären Aktionen, die Bedingungen für die gesellschaftliche Teilhabe, Selbstbestimmung und rechtliche Gleichstellung behinderter Frauen und Männer zu schaffen.[20] Je nach Gruppierung und lokalen Voraussetzungen reichte dies von der Einrichtung von ambulanten Hilfsangeboten über die Sicherstellung von Mobilität und Barrierefreiheit bis hin zur "Selbstbestimmt-Leben-Bewegung" mit ihren gleichnamigen Beratungsangeboten. Daneben gab es weiterhin inhaltliche Auseinandersetzungen.

Ein wichtiges Thema, das die Behindertenbewegung von Anfang an begleitete, ist das Infragestellen des Wertes behinderten Lebens in historischer wie in aktueller Perspektive.[21] Von großer Bedeutung ist auch die Bewegung behinderter Frauen, die sich innerhalb der Behindertenbewegung früh herausbildete, da die Behindertenbewegung keinen Raum für die Themen bot, die sich aus dem Zusammentreffen von Behinderung und weiblichem Geschlecht ergeben.[22] Die Frauen brachten das "Tabu im Tabu", die sexualisierte Gewalt gegen behinderte Frauen, an die Öffentlichkeit. Im Rahmen der aufkommenden feministischen Kritik an den neuen Gen- und Reproduktionstechnologien konfrontierten sie die feministischen Kritikerinnen mit dem Zusammenhang von Eugenik, humangenetischer Beratung und selektiver Abtreibung. Damit setzten sie die oftmals kontrovers geführte Diskussion darüber in Gang, wie politisch das Private in dieser Hinsicht ist.[23] Ab den frühen 1990er Jahren wurde der Kampf für rechtliche Gleichstellung zum zentralen Thema, der von der Grundgesetzänderung 1994 – Ergänzung von Artikel 3, Absatz 3 Grundgesetz "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" – zur Verabschiedung der Bundes- und Landesgleichstellungsgesetze sowie des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes führte.[24]

Auch auf internationaler Ebene engagierten sich Vertreter_innen der deutschen Behindertenbewegung für die Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter Menschen. So waren einige Aktivist_innen an der Formulierung des Textes der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beteiligt.[25] Mit diesem internationalen Übereinkommen wird der Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik – von der Fürsorge zur Teilhabe – auf globaler Ebene vollzogen: Das Übereinkommen definiert Behinderung nicht als medizinisches oder individuelles Problem der betroffenen Menschen, sondern als Ergebnis einer Wechselbeziehung zwischen individuellen Voraussetzungen und gesellschaftlichen Barrieren. Mit der UN-BRK wird der Abbau behindernder Barrieren für die Staaten, die wie Deutschland die Konvention ratifiziert haben, zur Verpflichtung, die Menschenrechte behinderter Menschen sicherzustellen.

Behinderte Menschen in der DDR

Zu den parallelen Entwicklungen in der DDR bestehen noch große Forschungslücken. Es liegen jedoch verschriftlichte Erinnerungen behinderter Menschen aus der DDR vor. Diesen ist zu entnehmen, dass Behinderung in der DDR lediglich als gesundheitliche Einschränkung, jedoch nicht als gesellschaftliches Thema diskutiert wurde.[26] Die Versorgung der sogenannten Schwerbeschädigten war staatlich geregelt und durchgeplant. Solange Menschen als bildungsfähig eingestuft wurden, wurde für ihre (Aus-)Bildung und einen Arbeitsplatz gesorgt. Ab Vollendung des 18. Lebensjahres erhielten viele die Mindestrente, zu der sie hinzuverdienen konnten; darüber hinaus gab es ein abgestuftes Pflegegeld. Es gab jedoch keine ambulanten Hilfen, sodass Menschen, die im Alltag auf ständige Unterstützung angewiesen waren, nur zwei Optionen hatten: Verbleib in der Herkunftsfamilie oder schon als junger Mensch Umzug in ein "Feierabendheim".[27] Zusammenfassend kann man sagen, dass behinderte Menschen in der DDR zwar versorgt waren, Teilhabe und Selbstbestimmung jedoch kaum gelebt werden konnten.[28] Es war nicht möglich, sich in Selbstvertretungsorganisationen zusammenzuschließen, um (behindertenpolitischen) Forderungen Nachdruck zu verleihen, denn "[a]lle freien Organisationen wurden als Keim oppositioneller Tätigkeit betrachtet".[29]

Dennoch schlossen sich viele behinderte Menschen in der DDR in informellen Gruppen zusammen, in denen sie sich über Missstände austauschten und sich etwa für den Abbau von Barrieren im Wohnumfeld einsetzten.[30] Aus diesen informellen Strukturen entstanden nach dem Ende der DDR Vereine, die sich 1990 im "Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD) – für Selbstbestimmung und Würde" zusammenschlossen. Der ABiD ist Teil der dritten Säule des Deutschen Behindertenrates, in dem die "unabhängigen", also aus der Behindertenbewegung entstandenen, Behindertenorganisationen vertreten sind.

Disability Studies

Aus den Behindertenbewegungen in den USA und Großbritannien entstand ab Ende der 1970er Jahre der Forschungsstrang der Disability Studies. Grundlage war jeweils eine Sichtweise von Behinderung als soziale Konstruktion. Um diesen Konstruktionsprozess untersuchen zu können, wurde die individuelle von der gesellschaftlichen Ebene getrennt betrachtet – Beeinträchtigung (impairment) einerseits und Behinderung (disability) andererseits. Diese Trennung wird seit geraumer Zeit stark kritisiert; sie verdeutlichte jedoch die Abkehr von der traditionellen Sicht auf Behinderung und ermöglichte die inter- und transdisziplinäre Erforschung von Behinderung als gesellschaftlich konstruierte Kategorie, die in ihren jeweiligen sozialen, historischen und politischen Kontexten betrachtet werden muss.

Auch aus der deutschen Behindertenbewegung gab es zahlreiche Personen, die mittels Lehrveranstaltungen und Veröffentlichungen die veränderte Sicht auf Behinderung und die Forderungen behinderter Menschen in den akademischen Diskurs einbrachten. Aktivitäten zur Entwicklung einer diese Perspektive vertiefenden Wissenschaft gab es jedoch nicht, und auch die Entwicklung der Disability Studies in anderen Ländern wurde nicht zur Kenntnis genommen. Dies änderte sich durch die Begleittagungen zur Ausstellung "Der (im-)perfekte Mensch" am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden 2001/02, die unter Beteiligung von Vertreter_innen der anglophonen Disability Studies stattfanden und den Anstoß für die Gründung der "Arbeitsgemeinschaft Disability Studies in Deutschland" 2002 gaben.[31] Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss von behinderten Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen aus der Behindertenbewegung, die daran interessiert sind, dass die Disability Studies sich auch in Deutschland etablieren. Die Sommeruniversität "Disability Studies – Behinderung neu denken", die im Juli 2003 in Bremen stattfand, bot erstmals einen größeren Rahmen, Perspektiven der Disability Studies in Deutschland zu diskutieren.[32]

Disability Studies gehen einher mit einem Perspektivwechsel in der Forschung zum Thema Behinderung. Es wird nicht mehr wie bisher über behinderte Menschen geforscht, sondern mit ihnen als Expert_innen für Behinderungserfahrungen beziehungsweise das Leben mit Beeinträchtigungen, wodurch sich ihre Rolle entscheidend verändert: Statt als passives Objekt beforscht zu werden, sind sie nun als aktives Subjekt einbezogen. Dies ermöglicht eine entscheidende Veränderung des Blickwinkels: "Die Mehrheitsgesellschaft wird aus Sicht der ‚Behinderung‘ untersucht, und nicht umgekehrt, wie es eigentlich üblich ist."[33]

Die Disability Studies gelten oft als wissenschaftlicher "Arm" der politischen Behindertenbewegung. Dies greift jedoch zu kurz. Selbstverständlich spielen Themen aus der Behindertenbewegung eine wichtige Rolle in den Disability Studies; sie ist jedoch nicht die alleinige "Auftraggeberin": "Zwar geht es tatsächlich darum, die Anliegen der Selbstorganisation und Selbstrepräsentation behinderter Menschen auf der forschungspolitischen Agenda zu platzieren. Gleichwohl stellt sich das Verhältnis zwischen Querschnittsdisziplin und Interessenvertretung nicht als einseitige Verpflichtung, sondern als wechselseitiger, durchaus auch kontroverser Austausch dar."[34]

Im Gegensatz zu den "Mutterländern" der Disability Studies ist die wissenschaftliche Etablierung der Disability Studies in Deutschland noch nicht weit vorangeschritten. Zwar sind in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg von deutschsprachigen Veröffentlichungen sowie einige Institutsgründungen zu verzeichnen,[35] und es gibt einige Professuren, die die Disability Studies in ihrem Namen führen. Eine Etablierung als Disziplin mit eigenständigen Lehrangeboten und Studienabschlüssen ist derzeit aber nicht in Sicht.

Das Programm der Tagung "Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung", die im Oktober 2018 Disability-Studies-Forscher_innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Berlin zusammenbrachte, vermittelte ein Bild von der aktuellen Breite und Vielfalt der Disability Studies im deutschsprachigen Raum. Die Tagung wurde als Auftakt zu einer Vernetzung genutzt, die dazu beitragen soll, die Disability Studies stärker in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft zu verankern. Die Vernetzung soll die Sichtbarkeit der Disability Studies weiter erhöhen, die Förderung von Nachwuchswissenschaftler_innen unterstützen und die Eigenständigkeit der Disability Studies gegenüber anderen Ansätzen der Forschung zu Behinderung stärken und damit Vereinnahmungstendenzen entgegentreten. Darüber hinaus könnte die Vernetzung eine interdisziplinäre Fachzeitschrift initiieren, die für den fachlichen Austausch im deutschsprachigen Raum bisher noch fehlt.

Behindertenbewegung aktuell

Seit der Gründung des "Club 68" hat sich die Behindertenbewegung vielfach verändert. Die locker organisierten Gruppen der Anfangszeit, die in der Öffentlichkeit zunächst als "kleine radikale Minderheit" wahrgenommen wurden, haben sich im Laufe der Jahre gewandelt: Sie gründeten eingetragene Vereine, bauten ambulante Hilfsdienste und Beratungsstellen auf, die Zentren für Selbstbestimmtes Leben, die seit 1990 über eine eigene Dachorganisation verfügen, die wiederum Mitglied im Deutschen Behindertenrat ist. Die Behindertenbewegung hat damit wie andere Soziale Bewegungen "Prozesse der Institutionalisierung und Pragmatisierung" durchlaufen.[36] Parallel zu diesem Prozess wurden die Aktionsformen "braver" und angepasster, die Konfrontation wich der Kooperation, Einzelpersonen aus der Behindertenbewegung fingen an, sich wissenschaftlich mit den Themen der Bewegung zu beschäftigen.

Trotz der veränderten Aktionsformen ist die Behindertenbewegung ihren Zielen treu geblieben: Ablehnung des individualisierenden, medikalisierenden und normalisierenden Blicks auf Behinderung sowie der aktive Einsatz gegen Aussonderung und Diskriminierung behinderter Menschen. Diese Ziele haben über die Jahre trotz des Paradigmenwechsels in der Behindertenpolitik und veränderter Gesetze ihre Gültigkeit behalten, denn es hat sich gezeigt, dass um Erreichtes immer wieder gerungen und um darüber Hinausgehendes gekämpft werden muss. Und auch die Umsetzung der UN-BRK ist kein Selbstläufer, sondern braucht die kritische Begleitung durch eine wachsame und kämpferische Behindertenbewegung, die sehr genau auf das blickt, was auf der politischen Ebene passiert, und sich wenn nötig mit Aktionen und Kampagnen für die Selbstbestimmung und gegen die (drohende) Aussonderung behinderter Menschen einbringt. Dies gelingt den heutigen Aktivist_innen auch durch das Nutzen moderner Medien wie Twitter und Facebook und das Organisieren von Flashmobs. Und sie zeigen in ihren Blogs, dass es in der Gesellschaft nach wie vor ebenso zahlreiche physische Barrieren wie auch solche in den Köpfen gibt, die der Teilhabe und den Menschenrechten behinderter Menschen entgegenstehen und die es zu bekämpfen beziehungsweise abzubauen gilt.
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Fußnoten

1.
Vgl. Erving Goffman, Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen, Frankfurt/M. 1973.
2.
Vgl. Bundestagsdrucksache 7/4200, 25.11.1975.
3.
Vgl. Markus Dederich, Behinderung als sozial- und kulturwissenschaftliche Kategorie, in: ders./Wolfgang Jantzen (Hrsg.), Behinderung und Anerkennung, Stuttgart 2009, S. 15–39, hier S. 16.
4.
Vgl. Walburga Freitag, Contergan. Eine genealogische Studie des Zusammenhangs wissenschaftlicher Diskurse und biographischer Erfahrungen, Münster u.a. 2005.
5.
Vgl. Christian Mürner/Udo Sierck, Krüppelzeitung: Brisanz der Behindertenbewegung, Neu-Ulm 2009, S. 11.
6.
Vgl. Wolfgang Jantzen, Sozialisation und Behinderung. Studien zu sozialwissenschaftlichen Grundfragen der Behindertenpädagogik, Gießen 1974, S. 21f.
7.
Jan Stoll, Behinderte Anerkennung? Interessenorganisationen von Menschen mit Behinderungen in Westdeutschland seit 1945, Frankfurt/M.–New York 2017, S. 208.
8.
Ebd., S. 214.
9.
Ebd., S. 219.
10.
Birgit Rothenberg, Das Selbstbestimmt Leben-Prinzip und seine Bedeutung für das Hochschulstudium, Bad Heilbrunn 2012, S. 29.
11.
Siehe auch Gusti Steiner, Wie alles anfing – Konsequenzen politischer Behindertenselbsthilfe, 2003, http://www.forsea.de/content-363-.html«.
12.
O.A., Warum Krüppel?, in: Krüppelzeitung 1/82, S. 2.
13.
Anne Waldschmidt, "Zur Norm verpflichtet". Die Kritik der Krüppelinitiativen an der humangenetischen Beratung, in: Eva Schindele, Gläserne Gebärmütter. Vorgeburtliche Diagnostik – Fluch oder Segen, Frankfurt/M. 1990, S. 219–238, hier S. 221.
14.
Horst Frehe, Beraten und Benutzen, in: Psychologie & Gesellschaftskritik 3/1980, S. 43ff., hier S. 44.
15.
Vgl. Fredi Saal, Zurück in die Isolation? Zur Diskussion um das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten, in: Karl-Ludwig Holtz (Hrsg.), War’s das? Eine Bilanz zum Jahr der Behinderten, Heidelberg 1982, S. 177–189.
16.
Rothenberg (Anm. 10), S. 27.
17.
Vgl. Ernst Klee, Behinderte im Urlaub? Das Frankfurter Urteil. Eine Dokumentation, Frankfurt/M. 1980.
18.
Vgl. Hans Heiler, Behinderteninitiativen (Bi.)/Behindertenverbände (Bv.), in: Erwin Reichmann (Hrsg.), Handbuch der kritischen und materialistischen Behindertenpädagogik und ihrer Nebenwissenschaften, Solms-Oberbiel 1984, S. 79–88, hier S. 87.
19.
Susanne von Daniels et al. (Hrsg.), Krüppel-Tribunal. Menschenrechtsverletzungen im Sozialstaat, Köln 1983, S. 9.
20.
Vgl. Mürner/Sierck (Anm. 5), S. 15.
21.
Vgl. Swantje Köbsell, Behinderte Menschen und Bioethik. Schlaglichter aus Deutschland, Großbritannien und den USA, in: Gisela Hermes/Eckhard Rohrmann (Hrsg.), Nichts über uns – ohne uns. Disability Studies als neuer Ansatz emanzipatorischer und interdisziplinärer Forschung, Neu-Ulm 2006, S. 59–79.
22.
Vgl. dies., Auf die Dauer hilft nur Power – 25 Jahre Bewegung behinderter Frauen, in: Brigitte Faber/Martina Puschke/Weibernetz e.V. (Hrsg.), 25 Jahre Bewegung behinderter Frauen. Erfahrungen, Anekdoten, Blitzlichter aus den Jahren 1981–2006, Kassel 2007, S. 26–37.
23.
Vgl. Bremer Krüppelfrauengruppe, Trau, schau, wem …, in: Frauen gegen den §218, bundesweite Koordination (Hrsg.), Vorsicht "Lebensschützer"! Die Macht der organisierten Abtreibungsgegner, Hamburg 1991, S. 227–231, hier S. 227.
24.
Vgl. Horst Frehe, Krüppelstandpunkt versus Emanzipationsgehabe (Interview), in: Mürner/Sierck (Anm. 5), S. 41–48, hier S. 44.
25.
Vgl. Sigrid Arnade, "Wir waren viele und wir waren überall". Ein persönlicher Rückblick zur Einbeziehung von Frauen in die Behindertenrechtskonvention, in: Jutta Jacob/Swantje Köbsell/Eske Wollrad (Hrsg.), Gendering Disability. Intersektionale Aspekte von Behinderung und Geschlecht, Bielefeld 2010, S. 223–229.
26.
Vgl. Barbara Vieweg, Lebenssituation behinderter Frauen in der DDR, in: Gisela Hermes/Brigitte Faber, Mit Stock, Tick und Prothese. Das Grundlagenbuch zur Beratung behinderter Frauen, Kassel 2001, S. 61ff., hier S. 61.
27.
Vgl. ebd., S. 62.
28.
Vgl. Ilja Seifert, Für eine bessere deutsche Republik ohne Entmündigung, in: die randschau 5/1990, S. 6–9, hier S. 7.
29.
Ders., Schonzeit gab es nicht. Eine Dokumentation zur Entstehung des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e.V. "Für Selbstbestimmung und Würde" (ABiD), Berlin 1990, S. 30.
30.
Vgl. ebd., S. 45.
31.
Siehe http://www.disabilitystudies.de«.
32.
Vgl. die Tagungsdokumentation von Anne Waldschmidt (Hrsg.), Kulturwissenschaftliche Perspektiven der Disability Studies, Kassel 2003. Siehe auch Gisela Hermes/Swantje Köbsell (Hrsg.), Disability Studies in Deutschland – Behinderung neu denken!, Kassel 2003.
33.
Anne Waldschmidt, "Behinderung" neu denken: Kulturwissenschaftliche Perspektiven der Disability Studies, in: dies (Anm. 32), S. 11–22, hier S. 16.
34.
Dies., Disability Studies, in: Dederich/Jantzen (Anm. 3), S. 125-134, hier S. 129.
35.
Internationale Forschungsstelle Disability Studies (iDis), 2004 an der Universität zu Köln gegründet; Zentrum für Disability Studies (ZeDis), 2005 bis 2014 an der Universität Hamburg, seitdem an der Evangelischen Hochschule Hamburg; Bochumer Zentrum für Disability Studies (BODYS), 2015 an der Evangelischen Fachhochschule Bochum gegründet.
36.
Stoll (Anm. 7), S. 321.
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