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24.2.2004 | Von:
Ferhad Ibrahim

Iran und die arabische Welt

Iran ist es gelungen, 25 Jahre nach der Revolution die Beziehungen zu den arabischen Nachbarstaaten zu normalisieren. Nicht mehr revolutionäre islamische Ambitionen bestimmen die iranische Politik, sondern handfeste nationale Interessen.

Einleitung

25 Jahre nach der iranischen Revolution nähern sich die Beziehungen Irans zu seinen arabischen Nachbarn wieder den Mustern während der Pahlevi-Herrschaft an. Iran versucht über die üblichen Instrumente der Außenpolitik, seinen Einfluss in der Region - vor allem gegenüber den unmittelbaren Nachbarstaaten am Golf - zur Geltung zu bringen. Der Export der Revolution, einst das erklärte Ziel von Ajatollah Chomeini und seinen radikalen Anhängern, ist Geschichte. Wenige Jahre nach dem Sturz von Schah Reza Pahlevi hat die Revolution auch in ihrem Ursprungsland an Glanz verloren. Der wiederholte Wahlsieg von Präsident Mohammed Chatami ist Ausdruck des Strebens nach Normalität. Nach den ersten turbulenten Revolutionsjahren ist Iran auf dem Weg zu einem "normalen" Nationalstaat.[1] Die Normalität des iranischen Staates bedeutet aber nicht, dass sich das Land aus dem komplizierten Geflecht von Beziehungen, Verpflichtungen und Verwicklungen mit den arabischen Nachbarstaaten lösen kann.






Darüber hinaus steht Iran vor ererbten regionalen Problemen wie Grenzstreitigkeiten. Über die Interessen des iranischen Nationalstaats hinaus muss es sich mit der außenpolitischen Hinterlassenschaft des Chomeinismus befassen. Hierzu gehören die Wiederherstellung von normalen politischen und diplomatischen Beziehungen mit den Staaten der Region, eine realistischere Haltung zum Nahostkonflikt und die Neugestaltung der Beziehungen zu militanten Gruppen.

Bei den bilateralen Beziehungen zu den arabischen Staaten spielt das Verhältnis Irans zu den USA keine unwesentliche Rolle. Zum einen entwickeln sich die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Iran im Kontext der Dynamik der regionalen Beziehungen. Zum anderen versuchen die USA, den Iran in der Region zu isolieren, um diesen - wie im Rahmen der "Dual Containment"-Strategie der Clinton-Administration - zu politischen Konzessionen zu zwingen.

Im vorliegenden Beitrag werden die Beziehungen Irans zu den arabischen Staaten vor dem Hintergrund der Verflechtung des Vorderen Orients in die internationale Politik untersucht. Dabei soll herausgestellt werden, inwieweit die regionalen Beziehungen Einfluss auf das System in Teheran haben. Schließlich soll die Frage untersucht werden, ob der "Fall" Saddam Hussein iranische Politik, insbesondere die Außenpolitik, verändert hat.


Fußnoten

1.
Iran wurde von den Anhängern Chomeinis als "Um al-Qura" bezeichnet. "Um al-Qura" ist ein Beiname von Mekka und bedeutet "Mutter der Dörfer"; damit soll der Zentralismus Irans - wie einst Mekka - bezeichnet werden.