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24.2.2004 | Von:
Johannes Reissner

Europas Beziehungen zu Iran

Die europäische Iranpolitik hat seit den neunziger Jahren an Profil und Eigenständigkeit gewonnen. Die jüngsten, vorsichtig positiven Signale Washingtons an Iran sind für die Fortsetzung europäischer Iranpolitik günstig.

Einleitung

Die Entwicklung der europäisch-iranischen Beziehungen seit den neunziger Jahren des 20.Jahrhunderts ist ganz wesentlich vom Zerfall des Sowjetreichs geprägt. Die Entstehung der neuen unabhängigen Staaten Zentralasiens und des Kaukasus zwang Iran zu einer grundsätzlichen Neuorientierung seiner Außenpolitik, in der die regionalen Beziehungen Priorität gewannen. Zugleich entwickelten sich die USA zu einem immer wichtiger werdenden Akteur in der Region mit dem Ziel, russischen und vor allem iranischen Einfluss zurückzudrängen. Seit dem Golfkrieg von 1991 sind sie militärisch im Persischen Golf präsent, und seit dem Afghanistanfeldzug 2001 und dem Irakkrieg 2003 stehen amerikanische Truppen in direkter Nachbarschaft Irans.



Für die Europäer markierte der Zerfall der Sowjetunion den Beginn einer Entwicklung, in der außen- und sicherheitspolitische Fragen an Bedeutung gegenüber internationalen Wirtschaftsbeziehungen gewannen. Ungeachtet des Auf und Ab in den diplomatisch-politischen Beziehungen der vergangenen Dekade haben sich die Berührungspunkte zwischen Europa und Iran vervielfacht, und die Interaktion, gerade auch auf der zwischengesellschaftlichen Ebene, hat sich verdichtet. Europäische Iranpolitik hat ein eigenes Profil gewonnen, ist zugleich aber in stärkere Abhängigkeit vom Verhältnis zwischen Iran und den USA geraten.