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2.11.2005 | Von:
Ludwig Watzal

Editorial

Im November 2005 jährt sich die Konferenz von Barcelona zum zehnten Mal. Der so genannte Barcelona-Prozess stellt den institutionellen Rahmen für die Mittelmeerpolitik der EU dar.

Innerhalb der arabischen Welt werden die Forderungen nach gesellschaftlichen Reformen lauter. Die Reformkräfte haben durch die drei Arab Human Development Reports Unterstützung erfahren. Unter dem Schutzschirm des United Nations Development Programme (UNDP) konnten arabische Wissenschaftler unter Leitung des Ägypters Nader Fergany schonungslos Bilanz ziehen. Im Vergleich zu anderen Regionen hinkt die arabische Welt in der Entwicklung meilenweit hinterher. Diesem Defizit versucht die Europäische Union mit dem 1995 in Barcelona begonnen Kooperationsprozess entgegenzusteuern.

Im November 2005 jährt sich die Konferenz von Barcelona zum zehnten Mal. Der so genannte Barcelona-Prozess stellt den institutionellen Rahmen für die Mittelmeerpolitik der EU dar. Diese Initiative beruht auf dem Gedanken einer intensiven Zusammenarbeit der Länder auf beiden Seiten des Mittelmeers auf gleichberechtigter Basis. Ziel dieser "Euro-Mediterranen Partnerschaft" sind Frieden, Stabilität und Wohlstand. Ergänzt wird der Barcelona-Prozess durch das Nachbarschaftskonzept der EU. Es ist auf die Verringerung von Armut, die Schaffung eines Raumes gemeinsamen Wohlstandes und gemeinsamer Werte, wirtschaftliche Integration und die Stärkung der kulturellen und politischen Beziehungen gerichtet.

Auch die im Juni 2004 proklamierte US-Initiative "Greater Middle East" zielt auf die Förderung von Demokratie und Good Governance im Nahen und Mittleren Osten, den Aufbau einer Wissensgesellschaft und den Ausbau der wirtschaftlichen Potenziale. Was diese Initiative vom Barcelona-Prozess und dem Nachbarschaftskonzept der EU unterscheidet, ist die mangelhafte Abstimmung mit den betroffenen Regierungen.