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25.10.2005 | Von:
Rainer Rother

Die wichtigste aller Künste?

Das Medium Film hat – trotz DVD-Konkurrenz – gute Chancen, sich auch im 21. Jahrhundert als prägende audiovisuelle Form zu behaupten.

Einleitung

Vor zehn Jahren feierten Ausstellungen, Symposien, Sondernummern großer Magazine und zahlreiche weitere Publikationen das 100-jährige Jubiläum des Films als weitgehend ungetrübten Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte. Die Kunst des 20. Jahrhunderts schien in ihrer Bedeutung endlich vollkommen anerkannt, die Zukunftsaussichten jedenfalls nicht düster. Zehn Jahre später sieht das anders aus. Ob der Film im 21. Jahrhundert noch vergleichbare Relevanz behaupten kann, scheint zweifelhaft. Krisensymptome unterschiedlicher Art sind nicht zu übersehen. Umsatzrückgänge auf dem starken amerikanischen Markt setzen der Unterhaltungsindustrie zu, der DVD-Boom gefährdet Kinos in ihrer Existenz, die Angebotsvielfalt und die jeweils heimische Filmproduktion leiden unter den mit Hunderten von Kopien gestarteten und zu "Events" aufgeblasenen Großproduktionen. Das alles lässt den Optimismus der Branche schwinden.

Ohnehin steht es eher schlecht um die künstlerische Bedeutung sowie die gesellschaftliche Relevanz, die dem Film in seinen guten Tagen nicht abgesprochen werden konnte. Die Zeiten, in denen der Film Inbegriff der Moderne war und Walter Benjamin sich angesichts des russischen Revolutionsfilm begeisterte - "wirklich entsteht mit ihm eine neue Region des Bewusstseins. Er ist - um es mit einem Wort zu sagen - das einzige Prisma, in welchem dem heutigen Menschen die unmittelbare Umwelt, die Räume, in denen er lebt, seinen Geschäften nachgeht und sich vergnügt, sich fasslich, sinnvoll, passionierend legen" - wirken sehr fern. Als Motor gesellschaftlicher Veränderungen wird der Film heute gewiss nicht mehr begriffen.

Als fast ebenso überholt gilt die Annahme, dass er als Ausdruck der gesellschaftlichen Verfassung gelesen werden kann. Siegfried Kracauer zufolge reflektieren die Filme einer Nation "ihre Mentalität unvermittelter als andere künstlerische Medien", weil sich in ihrer Produktion unvermeidlich ein gewisser Kollektivcharakter geltend mache. Zudem zielten Filme auf die Menge, "von populären Filmen - oder genauer gesagt, von populären Motiven auf der Leinwand - (daher ist) anzunehmen, dass sie herrschende Massenbedürfnisse befriedigt". Allerdings erreichen andere Medien die Menge leichter und regelmäßiger - sie wären also der privilegierte Gegenstand der Analyse.