>>> Alles zur Bundestagswahl 2017 <<<
APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 Pfeil rechts

Populismus -ein Hindernis für politische Sozialisation?


6.10.2005
Inwieweit beeinflusst Populismus die Politische Sozialisation? Es wird gezeigt, dass dessen zwei zentrale Charakteristika - der soziale Ausschluss und die vereinfachenden Parolen einer charismatischen Führungsfigur - sich insbesondere auf Jugendliche negativ auswirken.

Einleitung



In den Augen vieler deutscher Jugendlicher setzen sich Politikerinnen und Politiker nicht mehr für die unmittelbaren Belange ihrer Wählerinnen und Wähler ein. Sie werden eher als Funktionäre abgehobener Partei- und Regierungsapparate betrachtet. Auch die Funktionalität der Parteien ist für sie unglaubwürdig geworden. Parteien und Politiker sind offenbar immer weniger dazu in der Lage, der jungen Generation positive Zukunftsvisionen anzubieten, die helfen könnten, Orientierungsschwierigkeiten oder Sinnkrisen zu überwinden.[1] Dies erklärt, weshalb Untersuchungen über die Politische Sozialisation Konjunktur haben. Drei Phänomene treten dabei in den Vordergrund: nachlassende politische Beteiligungsbereitschaft ("Politikverdrossenheit"),[2] Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit[3] sowie die fortbestehenden Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern.[4] Bislang unberücksichtigt in der Forschung blieb gleichwohl die Frage, wie sehr Populismus die politische Sozialisation beeinflusst.






Auf den ersten Blick mag die Unterscheidung von Populismus und Extremismus als Haarspalterei erscheinen. Populismus stellt jedoch keinen Ersatzbegriff für Extremismus dar. Es kann, muss jedoch keineswegs Überschneidungen zwischen beiden geben.[5] Die populistische Dimension ist per se weder demokratisch noch antidemokratisch, sondern ein Aspekt der Mannigfaltigkeit und Diversifizierung politischer Kulturen und Strukturen. Populismus kann mit Demokratie kompatibel sein, auch wenn dies oftmals bestritten und angezweifelt wird. Ist Populismus nun ein Hindernis oder ein wichtiger, vielleicht sogar notwendiger Bestandteil politischer Sozialisation? Diese Frage drängt sich vor dem Hintergrund, dass in der Tagespolitik eine hohe Dichte populistischer Elemente augenfällig ist, geradezu auf und verstärkt sich durch das Aufkommen neuartiger genuin populistischer Parteien in Westeuropa.



Fußnoten

1.
Vgl. Klaus Hurrelmann u.a., Eine Generation von Egotaktikern? Ergebnisse der bisherigen Jugendforschung, in: Deutsche Shell (Hrsg.), Jugend 2002. Zwischen pragmatischem Idealismus und robustem Materialismus, Frankfurt/M. 2002, S. 43f.
2.
Vgl. u.a. Kai Arzheimer, Politikverdrossenheit. Bedeutung, Verwendung und empirische Relevanz eines politikwissenschaftlichen Begriffs, Opladen 2002.
3.
Vgl. Wilhelm Heitmeyer, Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen. Empirische Untersuchungsergebnisse und Erklärungsmuster einer Untersuchung zur politischen Sozialisation, Weinheim-München 19955.
4.
Vgl. Dietmar Sturzbecher (Hrsg.), Jugend in Ostdeutschland: Lebenssituationen und Delinquenz, Opladen 2001.
5.
Vgl. Frank Decker, Der neue Rechtspopulismus, Opladen 2004.