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13.6.2005 | Von:
Siegfried Grundmann

Wissenschaft und Politik: Einsteins Berliner Zeit

Einsteins Berliner Zeit war ein glanzvolles Kapitel der Wissenschaftsgeschichte. Einstein wurde gefördert, als Pazifist aber auch beargwöhnt – und von den Nationalsozialisten ausgebürgert.

Einleitung

Von zwei Themen wird im Folgenden nicht oder kaum die Rede sein: von der Relativitätstheorie und vom "privaten" Einstein. Von der Relativitätstheorie nicht, weil es keine direkte, keine kausale Beziehung zwischen dem Inhalt der Theorie und der Politik gegeben hat. Gegenteiliges zu behaupten hieße, wenn auch ungewollt und mit anderem Vorzeichen, das Konzept des Wortführers einer "Deutschen Physik", Philip Lenard, zu bestätigen. Auch wenn Einsteins Name nicht genannt werden sollte, war die Relativitätstheorie mit dem NS-Reich durchaus vereinbar, und überzeugte Nationalsozialisten wie der Physiker Pascal Jordan und der von Himmler persönlich geschützte Werner Heisenberg sind Belege dafür. Es gibt keine politikfreie Wissenschaft, jedoch politikfreie Theorien, und eine solche ist die Relativitätstheorie Albert Einsteins. Vom "privaten" Einstein wird im Folgenden nur dann die Rede sein, wenn das Private politisch in Erscheinung trat. Trotz allen Rummels um den Medienstar wurde seine Privatsphäre respektiert, hat er sich zu schützen gewusst (auch dank dem Schutzbedürfnis der Ehefrau).


Die Basis allen Ruhmes waren und sind Einsteins wissenschaftliche Leistungen. Seine politischen Ansichten sind lehrreich, doch umfassend kreativ war er nur auf seinem Feld der Wissenschaft. Andere, die sich in der Politik ungleich mehr als Einstein betätigt haben, sind heute vergessen oder weitgehend unbekannt, etwa der Mediziner Georg Friedrich Nicolai. Bemerkenswert ist, dass einzigartige politische Umstände und Interessenkonstellationen zu seinem Ruhm beigetragen haben und die Frage nach Einsteins Rolle in der deutschen Politik auch heute aktuell erscheinen lassen.