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1.6.2005 | Von:
Hans Bertram
Wiebke Rösler

Zeit, Infrastruktur und Geld: Familienpolitik als Zukunftspolitik

Nachhaltige Familienpolitik kann nur erfolgreich sein, wenn sie unterschiedliche Präferenzen von Frauen und Männern widerspiegelt. Eine integrative Konzeption aus Zeitoptionen, Infrastrukturangeboten und Geldtransfers kann diesem Anliegen gerecht werden.

Einleitung

Nachhaltige Familienpolitik begründet ihren Anspruch auf Gestaltung der Rahmenbedingungen familiären Lebens mit dem Grundsatz, zukünftigen Generationen die gleichen Chancen zur Gestaltung eigener Lebensvorstellungen und Ziele zu ermöglichen, wie das für die jetzt aktive Generation der Fall ist.


Als Ziele einer nachhaltigen Familienpolitik nennt Bert Rürup die Sicherung einer ausreichenden Kinderzahl, um der Alterung der Gesellschaft vorzubeugen, und die Integration der Frauen in das Erwerbsleben, um einem antizipierten Mangel an Fachkräften entgegenwirken zu können.[1] Diese ökonomische Argumentation muss um einige demographische und familiensoziologische Argumente erweitert werden.


Dies ist schon deshalb notwendig, weil die geringe Geburtenrate in Deutschland nicht allein durch hohe Kinderlosigkeit erklärt werden kann. Eine Aufgliederung der Geburtenrate in ihre Anteile an ersten, zweiten, dritten und vierten Kindern macht deutlich, dass der Geburtenrückgang in Deutschland wie in den USA und vielen europäischen Ländern das Ergebnis des Verschwindens der Mehrkinderfamilie ist. Aus der folgenden Graphik wird ersichtlich, dass sowohl in den USA als auch in Deutschland 80 von 100 Frauen ein erstes Kind bekommen, die Kinderlosigkeit beträgt 20 Prozent. Jedoch entscheiden sich in den USA auch 50 von 100 Frauen für dritte und weitere Kinder, in Deutschland treffen diese Entscheidung nur halb so viele Frauen, was sich deutlich in der Geburtenrate TFR (=Totale Fruchtbarkeitsrate) widerspiegelt (vgl. Abb. 1 der PDF-Version).


Fußnoten

1.
Vgl. Bert Rürup/Sandra Gruescu, Nachhaltige Familienpolitik im Interesse einer aktiven Bevölkerungsentwicklung. Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2003.