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Die UNO-Generalsekretäre


23.5.2005
Die Geschichte der Vereinten Nationen zeigt, dass die bisherigen Generalsekretäre alle auf ihre Art die Weltorganisation und Friedenssicherung ihren Stempel aufgedrückt haben. Ihr Einfluss ist stark gelegenheitsabhängig.

Einleitung



Im April 1956 befand sich der damalige UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld auf einer Vermittlungsmission zwischen Israel und Ägypten. Der Schwede war auf Aufforderung des UN-Sicherheitsrats in den Nahen Osten gereist, um sich für ein Ende der anhaltenden Verletzungen der Waffenstillstandslinie in Gaza einzusetzen. Diese Linie wurde zwar von UN-Beobachtern kontrolliert, hatte sich jedoch zu einem der gefährlichsten Brennpunkte der Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Israelis entwickelt.




Um die Autorität der Waffenstillstandslinie wieder herzustellen, entschloss sich der Generalsekretär, persönlich in einem weißen UN-Jeep durch das umkämpfte Gebiet zu fahren.[1] Entgegen der Sorgen und Warnungen von allen involvierten Parteien wurde der Konvoi des Generalsekretärs nicht angegriffen und die nächsten Tage brachten tatsächlich eine - zeitweilige - Entspannung der Lage in der Region. Die New York Times veröffentlichte danach eine Karikatur des Generalsekretärs in seinem Jeep, unter der die Frage "Wie viele Panzer hat die UNO?" zu lesen war. Die Referenz an die Stalin zugeschrieben Frage, wie viele Divisionen denn der Papst habe, ist nicht zufällig. Tatsächlich ist das Amt des UN-Generalsekretärs gelegentlich mit dem eines "säkularen" Papstes verglichen worden.[2] Wie kaum eine andere Person spiegelt er die Hoffnungen und Erwartungen, aber auch die Frustrationen und Enttäuschungen in der internationalen Politik.

Der Einfluss des Generalsekretärs ist nur schwer zu bestimmen und stark gelegenheitsabhängig. Ein Blick auf die Geschichte der Vereinten Nationen in ihrem sechzigsten Jahr zeigt dennoch, dass die bisherigen sieben Amtsinhaber alle auf ihre Art und Weise der Weltorganisation und der Friedenssicherung ihren Stempel aufgedrückt haben. Jede Amtszeit weist ein durch die völkerrechtlichen Kompetenzen des Amtes, die weltpolitische Großwetterlage und die persönlichen Eigenschaften des Generalsekretärs bestimmtes Profil auf. Schon der erste Amtsinhaber Trygve Lie erklärte den Posten zum "unmöglichsten Job der Welt".[3]



Fußnoten

1.
Vgl. Brian Urquhart, Hammarskjöld, New York 1994, S. 143f.
2.
Vgl. J. David Murphy, The Papacy and the Secretary-Generalship: A Study of the Role of the exceptionally-situated individual actor in the international system, in: Co-existence, 7 (1970), S. 165 - 181.
3.
Trygve Lie, In the Cause of Peace, Seven Years with the United Nations, New York 1954, S. 417.