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29.4.2005 | Von:
Hans-Georg Golz

Editorial

Als am 8. Mai 1945 die Waffen in Europa schwiegen, waren fast 60 Millionen Menschen dem von Hitler angezettelten Krieg und dem Völkermord zum Opfer gefallen.

Als am 8. Mai 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht die Waffen in Europa schwiegen, waren fast 60 Millionen Menschen dem von Hitler angezettelten Zweiten Weltkrieg und dem Völkermord zum Opfer gefallen.

Flucht und Vertreibung, Hunger und Not prägten den Alltag im befreiten Deutschland. Der demokratische Wiederaufbau begann. In Aachen, seit Herbst 1944 von den Amerikanern besetzt, erschien bereits im Januar die erste freie Tageszeitung. In Berlin traf am 30. April 1945, aus Moskau kommend, die "Gruppe Ulbricht" ein, um die Weichen für eine "demokratische Umgestaltung" nach sowjetischem Vorbild zu stellen. Nach der Potsdamer Konferenz der Großen Drei war die deutsche Teilung absehbar.

Auf dem Weg, sich der doppelten deutschen Geschichte vom Ausgangsjahr 1945 an neu zu nähern, zeichnen sich in der historischen Forschung Konturen einer integrierten Nachkriegsgeschichte ab. Zahllose Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt sowie Fernsehfilme und Dokumentationen tragen zu einer veränderten Sicht auf das Kriegsende bei. Das neue Interesse an der Zeitgeschichte äußert sich auch in einem Perspektivenwechsel: Deutsche als Opfer, das Grauen der Bombennächte an der "Heimatfront" rücken stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Der Zeitgeschichtsboom belegt die Suche nach einem geschichtspolitischen Konsens. Wer vermeintliche "Tabus" brechen möchte, sollte die Chronologie nicht vergessen: Die deutsche (und europäische) Katastrophe begann bereits 1933. Ein breites Bündnis hat dazu aufgerufen, am 7. und 8. Mai 2005 in Berlin den Jahrestag des Kriegsendes zu feiern und für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zu demonstrieren.