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29.4.2005 | Von:
Ingvill C. Mochmann, Stein Ugelvik Larsen

Kriegskinder in Europa

Es gab Hunderttausende von Kindern, die während des Krieges von deutschen Soldaten im besetzten Europa mit einheimischen Frauen gezeugt wurden. Es wird eine Umfrage unter norwegischen und dänischen Kriegskindern vorgestellt.

Einleitung

In ihren Heimatländern waren sie als Deutsche verpönt und wurden zusammen mit ihren Müttern aus der Gesellschaft ausgestoßen. In Deutschland hat kaum jemand von ihnen gehört - von den hunderttausenden Kindern, die von deutschen Soldaten in den während des Zweiten Weltkriegs okkupierten Gebieten mit einheimischen Frauen gezeugt wurden. Heute sind diese Kinder zwischen 60 und 65 Jahre alt und blicken mit gemischten Gefühlen auf die Feierlichkeitenzum 60. Jahrestagdes Endes des Zweiten Weltkrieges. Einerseits fühlen sich viele von ihnen eng mit ihrem Heimatlandverbunden, andererseits ist vielen von Geburt an in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft vermittelt worden, sie seien unerwünscht. Oder, wie es ein norwegisches Kriegskind[1] zum Ausdruck brachte: "Die Wahrnehmung, das Gemeinste auf dieser Erde zu sein, was es geben könnte, hat mir als Kind viele dunkle Stunden bereitet."[2]

Überall, wo deutsche Soldaten stationiert waren, wurden Beziehungen eingegangen und Kinder gezeugt. Über Zahlen kann man nur spekulieren, da viele Frauen ihre Schwangerschaft verschwiegen oder die Identität des Vaters aus Angst vor Rache und Repressalien verheimlichten. Es gibt wenige verlässliche Angaben über die Anzahl der Wehrmachtskinder. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 10 000 und 12 000 Kinder deutscher Soldaten in Norwegen, 6 000 in Dänemark, 40 000 in Belgien, 50 000 in den Niederlanden, 800 auf Jersey und bis zu 200 000 in Frankreich geboren wurden, wobei anzunehmen ist, dass diese Zahlen als Minimum gelten.[3] Dazu kommen Kinder in Italien, der ehemaligen Sowjetunion, in osteuropäischen Ländern und anderen Kriegsgebieten.[4]

Über die Schicksale der Mütter und ihrer Kinder ist wenig bekannt. In der ersten Zeit nach der Befreiung wurden vielen Frauen, die sich mit deutschen Soldaten eingelassen hatten - die so genannten Tyskertos (Deutschenflittchen) in Norwegen oder die Moffenmeiden in den Niederlanden -, von ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Köpfe kahl geschoren und mit oder ohne Kinder durch die Straßen gejagt. Auch persönliche Diffamierungen und sogar Vergewaltigungen kamen vor.[5] Nach den ersten Nachkriegsjahren rückte das Thema mehr und mehr in den Hintergrund, und die Kinder und ihre Mütter wurden, gesellschaftlich stigmatisiert, sich selbst überlassen - jahrzehntelang.

In diesem Beitrag sollen drei Bereiche angesprochen werden. Wie sind die europäischen Gesellschaften mit dem Problem "Kriegskinder" in der Nachkriegszeit umgegangen? Hier soll Norwegen als Beispiel dienen, da es momentan das Land ist, in dem dieses Thema am intensivsten aufgearbeitet worden ist. Des Weiteren sollen Ergebnisse einer Umfrage unter Kriegskindern in Dänemark und zum Teil auch in Norwegen vorgestellt werden, vor allem hinsichtlich der Frage nach der Identität. Schließlich soll auf die weltweite Dimension des Themas eingegangen werden.

Kriegskinder in der Nachkriegszeit

Mitte der achtziger Jahre meldeten sich erstmals norwegische Kriegskinder zu Wort und berichteten von ihrem teilweise verheerenden Lebensweg. 1986 wurde der norwegische Kriegskindverbund gegründet, ähnliche Vereine folgten in anderen ehemals besetzten Ländern. Mühsam beginnen auch Kriegskinder aus anderen Ländern wie Dänemark und Frankreich, ihre Lebensgeschichten zu erzählen.[6]

Norwegen ist das Land, das am weitesten mit der Aufarbeitung der Lebensschicksale der Kriegskinder und deren Behandlung durch den Staat und seine Bürgerinnen und Bürger vorangeschritten ist. Ende der neunziger Jahre hat das norwegische Sozialministerium ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, dessen erste Teilergebnisse inzwischen vorliegen. Zudem hat die Regierung finanzielle Entschädigung für die Kriegskinder zugesagt, um deren Höhe jedoch noch heftig debattiert wird.[7] So sieht der vorläufige Entwurf vom 18. März 2005 u.a. vor, dass der Anspruch auf 20 000 norwegische Kronen (etwa 2 500 EUR) begrenzt sein soll, wenn keine Beweise vorgelegt werden können, dass die jeweiligen Kriegskinder besonders unter ihrem Schicksal gelitten haben. Doch das ist nur in wenigen Fällen möglich, gibt es doch meist keine ärztlichen Gutachten oder sonstige Dokumente, mit denen die Leiden auf familiärer, schulischer, sozialer und politischer Ebene belegt werden können.

Die Kriegskinder und ihre Interessenorganisationen empfinden diese Entschädigung daher als viel zu gering, zumal Forschungsergebnisse zeigen, dass viele erheblich schwierigere ökonomische Ausgangsbedingungen hatten als andere und dass der norwegische Staat daran eine Mitschuld trug.[8] So wurde es jahrelang unterlassen, Unterhaltspflicht von deutschen Vätern einzufordern. Als spät, erst 1957, das Gesetz über eine Vorschussauszahlung des Kindesunterhalts in Kraft trat, waren die meisten der betroffenen Kinder schon aus Altersgründen nicht mehr bezugsberechtigt. Des Weiteren war das Kindergeldgesetz so formuliert, dass viele Kriegskinder von der Berücksichtigung ausgeschlossen wurden.

Es ist schwer zu sagen, ob der norwegische Umgang mit den Kriegskindern im Vergleich zu dem in anderen Ländern besonders diskriminierend war. Die Auswertung historischer Dokumente belegt zumindest einige spezielle Einstellungen in Wissenschaft und Politik nach der Befreiung.[9] So wurden die Kinder als Deutsche betrachtet, obwohl die meisten die norwegische Staatsbürgerschaft hatten. Kurz nach Kriegsende wurde ein Kriegskindausschuss gegründet, um zu entscheiden, was mit dem ungeliebten Nachwuchs passieren sollte. Dabei wurde auch die Überlegung ins Auge gefasst, inwieweit die Kinder nach Deutschland oder in ein anderes Land abgeschoben werden könnten, u.a. nach Australien. Andererseits wurden Kinder, die bereits während des Krieges in Deutschland adoptiert worden waren, teilweise mit Zwang nach Norwegen zurückgeholt, während andere Kinder und ihre Mütter ausgebürgert wurden und nach Deutschland geschickt werden sollten. Kinder, die bei Kriegsende in Heimen des "Lebensborns" lebten und nicht bei ihren Müttern oder anderen Verwandten untergebracht werden konnten oder adoptiert wurden, kamen in Heime. Darunter waren auch einige, die in psychiatrischen Anstalten platziert wurden, ohne als "geisteskrank" diagnostiziert worden zu sein.

Auf dem Höhepunkt des Krieges waren etwa 400 000 deutsche Soldaten in Norwegen stationiert.[10] Richtlinien legten fest, wie sich die deutschen Soldaten den Einheimischen gegenüber zu verhalten hatten. Darin wurde betont, dass Norwegen kein Feindesland sei, sondern dass die Deutschen im Lande seien, um es zu beschützen.[11] Da Norwegerinnen in der NS-Ideologie als "arisch" und damit als "hochwertig" galten, wurden Beziehungen zwischen deutschen Soldaten und Norwegerinnen vom NS-Regime unterstützt und Heime des "Lebensborns" zur Unterbringung von Müttern und Kindern eingerichtet.[12] Bis kurz vor Kriegsende wurden von der deutschen Besatzung Statistiken geführt und Akten erstellt, in denen die Identität der Eltern festgehalten wurde. Diese werden im norwegischen Reichsarchiv aufbewahrt und wurden 1986 zur Einsicht geöffnet, als in Norwegen ein neues Adoptionsrecht verabschiedet wurde, nach dem jeder Bürger ein Recht haben sollte zu erfahren, wer seine leiblichen Eltern sind.[13]

Auf Basis der "Lebensborn"- und Personalnummern konnten norwegische Kriegskinder identifiziert und deren Lebensverlauf untersucht werden.[14] Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild der Lebensbedingungen. Einerseits weisen die norwegischen Kriegskinder im Vergleich zu Gleichaltrigen einen höheren Anteil von Selbstmorden und Tod durch Herzkrankheiten auf. Auch ist der Anteil derjenigen, die relativ früh berufsunfähig geworden sind, höher. Einkommen und Bildung sind niedriger als bei Gleichaltrigen. Die Ergebnisse weisen jedoch andererseits auch auf Ähnlichkeiten mit vergleichbaren Altersgruppen hin. Viele Kriegskinder scheinen wie der Durchschnitt der Bevölkerung gelebt zu haben: normale Bildung, durchschnittliches Einkommen, verheiratet, mit Kindern.[15]

Die Suche nach der eigenen Identität

Es ist unmöglich, subjektive Erlebnisse und Gefühle allein mittels objektiver Daten zu beschreiben. Aus diesem Grund hat eine internationale Forschergruppe Umfragen unter Kriegskindern in Norwegen, Dänemark und den Niederlanden durchgeführt. Erste Ergebnisse hauptsächlich auf Basis der dänischen Umfrage sollen im Folgenden präsentiert werden.[16]

Es gibt große Unterschiede zwischen Norwegen und Dänemark bei der Frage, ob die Betroffenen wussten, dass sie Kriegskinder sind. Während in Norwegen 64,1 % der Kinder darüber informiert waren, kannten in Dänemark nur 47,8 % der Befragten den Ursprung ihrer Herkunft. Dies soll jedoch nicht zu der Annahme verleiten, dass viele Kinder nicht dennoch in einer außergewöhnlichen Lebenssituation aufgewachsen sind, z.B., weil sie anders behandelt wurden als ihre Geschwister, die sich später als Halbgeschwister erwiesen, oder weil sie nicht nachvollziehen konnten, wieso ihr Vater, der eigentlich ihr Stiefvater war, sie nicht leiden konnte. In einigen Fällen hat sogar die Mutter ihre Wut und Verzweiflung für ihre miserable Lage auf das Kind übertragen. So hat z.B. fast ein Viertel (24,4 %) der dänischen Kriegskinder schon vorher die Vermutung gehegt, dass sie vielleicht Kriegskinder seien; 31,6 % waren enttäuscht, es nicht früher erfahren zu haben.

Verleumdung, Verheimlichung und Vertuschung der Herkunft dieser Kinder waren jahrzehntelang nichts Ungewöhnliches. Viele wuchsen in dem Glauben auf, der Stiefvater sei der tatsächliche Vater oder die Großeltern seien die wirklichen Eltern und die eigene Mutter eine Schwester oder Tante. Die Mütter haben sich, wie es scheint, in Schweigen gehüllt und wenig oder gar nichts erzählt - auch, um sich selbst, das Kind oder beide zu schützen. Auf die Frage, was sie von der Mutter über den leiblichen Vater wüssten, antworteten 33,5 % der dänischen Befragten, dass die Mutter ihnen nie etwas von ihm erzählt habe. 44,5 % berichteten, dass die Mutter nie darüber habe erzählen wollen, was in den ersten Nachkriegsjahren passiert ist. So basierenviele der ausführlichen Informationen über Väter und Mütter, die in den Fragebögen zum Vorschein kommen, auf den Vaterschaftsakten, die in Archiven gelagert waren und in die viele Kinder später als Erwachsene Einsicht bekamen.

Bei der Frage, wieso es wichtig war, den eigenen Hintergrund zu kennen, sagten 60,3 % der dänischen Kriegskinder, dass sie Klarheit über einen Teil ihres Lebensverlaufs haben wollten, an den sie sich selber nicht erinnern können; 24,9 % gaben an, dass das "schwarze Loch" in ihrem Lebenslauf, das sie jahrelang begleitet hatte, erst durch die Akteneinsicht überwunden worden sei.

Dass die Suche nach der eigenen Identität nicht nur für die Kriegskinder, sondern auch für die nachfolgenden Generationen von hoher Bedeutung war, zeigen die Ergebnisse der Befragung ebenfalls. 17,7 % der Dänen antworteten, dass ihre Kinder, also die Enkelkinder der deutschen Soldaten, oft nach ihrer Herkunft gefragt hätten und es somit wichtig wurde, mehr über die eigene Identität zu erfahren. Nur 14,8 % gaben an, eigentlich kein Bedürfnis verspürt zu haben, mehr über ihre Identität zu wissen. Dagegen wollten 47,8 % der dänischen Befragten wissen, ob Ähnlichkeiten bezüglich des Charakters oder der Begabungen bestehen, und über 42 %, ob sie dem Vater ähnlich seien. 32,1 % war es wichtig, Näheres über Erbkrankheiten zu erfahren. Nur 2,9 % wollten ihre Eltern mit dem Verrat an ihren Kindern konfrontieren, lediglich 1,0 % der Dänen war es wichtig, Informationen über Vermögen und Einkommen zu erhalten, um Erbansprüche stellen zu können.[17]

Wie gingen die Kriegskinder mit dem Wissen um, dass ihre Väter zur Besatzungsmacht gehörten und ihre Mütter sich mit dem Feind eingelassen hatten? Während 63,2 % der Dänen keine Probleme damit haben, dass ihr Vater während des Krieges als deutscher Soldat in Dänemark war, sind nur 17,7 % stolz auf ihre deutsche Herkunft. Wenn es darum geht, dass ihre Mutter eine Beziehung zum Feind gepflegt hat, meinen 39,7 %, dass der Preis, den ihre Mutter für ihre Liebe zahlen musste, mehr als hoch gewesen sei. Fast die Hälfte aller befragten Dänen (49,8 %) ist der Überzeugung, dass ihre Mutter mit dem Vater ihre größte Liebe erlebt hat.

Kriegskinder gestern und heute

"Es ist schwer, Töchter zu haben, wenn Soldaten in der Nähe sind", sagte eine dänische Großmutter, als ihre Enkelin fragte, ob es wahr sei, dass ihr Vater ein deutscher Soldat war. Diese Aussage trifft den Kern des Problems und gilt unabhängig von Zeit und Raum. Solange es Kriege bzw. Bürgerkriege gibt, wird es auch Kriegskinder geben: in Vietnam, Liberia, Bangladesh, Ruanda und auf dem Balkan, um nur einige Kriegsgebiete zu nennen.[18] Das gilt nicht nur für Kinder, die von Soldaten feindlicher Truppen gezeugt wurden. Untersuchungen zeigen, dass auch Kinder amerikanischer Soldaten auf Island stigmatisiert worden sind,[19] sowie Kinder, die von UN-Soldaten in Kambodscha gezeugt wurden.

Weil ihre Herkunft offenkundig war, wurden Kinder und ihre Mütter aus der Gesellschaft ausgegrenzt.[20] Ebenso sollte auch an die Einstellung gegenüber Kindern von Soldaten der Alliierten im Nachkriegsdeutschland erinnert werden. Besonders diejenigen, deren Väter einen afroamerikanischen Hintergrund hatten, mussten sich gegen gesellschaftliche Ausgrenzung behaupten.[21] Besonders verabscheuungswürdig war und ist in allen Kriegen die Vergewaltigung von Frauen als Teil der Militärstrategie, mit dem Ziel, durch die gewaltsame Zeugung von Kindern die ethnische Zusammensetzung ganzer Regionen zu verändern, wie dies u.a. in den Balkankriegen Anfang der neunziger Jahre und während des Genozides in Ruanda geschah.[22]

Verschärft wird die Problematik dadurch, dass es Länder gibt, in denen Kinder ohne Väter als Staatenlose gelten und ihnen Rechte wie Gesundheitsfürsorge, Krankenhausversorgung und Schule vorenthalten werden.[23] Seit dem Jahr 2000 setzt sich deshalb "The War and Children Identity Project" (WCIP) dafür ein, dass die Interessen von Kriegskindern in militärische Leitlinien, sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene, sowie in Menschenrechtskonventionen und insbesondere in die UN-Kinderkonvention aufgenommen werden, damit der Schutz der Kriegskinder schon vor dem Entstehen eines Konflikts geregelt ist. Die Sorge um andere Kriegskinder kommt auch bei den norwegischen und dänischen Befragten zum Ausdruck, ebenso die Frage, wie es Kindern aus anderen stigmatisierten Gruppen bzw. gesellschaftlichen Randgruppen, sowohl in der Nachkriegszeit als auch in der heutigen Gesellschaft, ergeht. Darüber hinaus stellen viele aufgrund der eigenen Suche nach ihrer Identität die moralische Richtigkeit anonymer Samenspenden in Frage, weil dies den Kindern für immer die Möglichkeit raubt, mehr über ihre Herkunft zu erfahren.

Deutschland hatte in der Nachkriegszeit schwerwiegendere Probleme, als sich um die Kinder ihrer ehemaligen Soldaten im Ausland zu kümmern. Es stellt sich jedoch die Frage, warum dieses Thema in Deutschland bis heute noch nicht näher untersucht worden ist, obwohl es inzwischen kaum noch ein Gebiet der Kriegsgeschichte gibt, das nicht als ausgiebig erforscht gilt. Die Kriegskinder gehören schließlich zur "Familie" der Deutschen - wenn nicht rechtlich, so doch zumindest genetisch und emotional. Viele deutsche Männer wussten, dass sie Kinder im Ausland hatten. So erzählte eine dänische Befragte: "Meine Mutter hat ihn einmal in Deutschland besucht - sie glaubte, er würde sie heiraten - stattdessen hat seine Frau angeboten, mich zu adoptieren." Besonders bedrückend empfand eine norwegische Befragte, nachdem sie herausgefunden hatte, wer ihr leiblicher Vater war, die Erkenntnis, dass er sich das Leben genommen hatte, weil er nichts hatte, wofür es sich zu leben gelohnt hätte. Er wusste nicht, dass er ein Kind in Norwegen hatte.

Internet-Empfehlung
War and Children Identity Project (WCIP),
Rafto Human Rights House,
Menneskerettighetenes Plass1,
5007 Bergen/Norwegen;
www.warandchildren.org

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Fußnoten

1.
In der deutschen Sprache wird als "Kriegskind" normalerweise jedes Kind bezeichnet, das in Kriegszeiten aufwächst; mit "Besatzungskind" werden meist Kinder deutscher Mütter mit alliierten Soldaten in Nachkriegsdeutschland bezeichnet. Ebba D. Drolshagen verwendet den Begriff "Wehrmachtskind" für die Nachkommen der Wehrmachtssoldaten: Wehrmachtskinder. Auf der Suche nach dem nie gekannten Vater, München 2005, S. 13. In diesem Beitrag sollen als "Kriegskinder" alle Kinder bezeichnet werden, die aus einer Beziehung zwischen einem ausländischen Soldaten und einer Einheimischen hervorgegangen sind.
2.
Die Ergebnisse beruhen auf einer vergleichenden Befragung von Kriegskindern unter Leitung von Stein Ugelvik Larsen, Universität Bergen/Norwegen. Aus der Befragung stammen auch die übrigen direkten Zitate.
3.
Vgl. Ebba D. Drolshagen, Schattendasein der Feindeskinder. Die Nachkommen der Wehrmachtssoldaten in den ehemals besetzten Ländern, in: Neue Zürcher Zeitung vom 17.1. 2004.
4.
Vgl. Michael Foedrowitz, Deutsch-polnische Kriegskinder, sowie Alexander Latotzky, Kindheit hinter Stacheldraht. Bericht eines sowjetischen Soldaten und einer deutschen Mutter. Beide Beiträge in: The War and Children Identity Project (WCIP), The War Children of the World Report, Report 2, Bergen 2003, S. 84 - 97.
5.
Vgl. u.a. Anette Warring, Tyskerpiger. Under besættelse og retsopgor, Kopenhagen 1994; Ebba D. Drolshagen, Nicht ungeschoren davongekommen. Das Schicksal der Frauen in den besetzten Ländern, die Wehrmachtssoldaten liebten, Hamburg 1998; Fabrice Virgili, Shorn Women. Gender and Punishment in Liberation France, London 2002; Katja Happe, "Moffenmeiden". Der Umgang mit Kollaborateuren in den Niederlanden nach 1945, in: Norbert Fasse/Johannes Howink ten Cate/Horst Lademacher (Hrsg.), Nationalistische Herrschaft und Besatzungszeit. Historische Erfahrung und Verarbeitung aus niederländischer und deutscher Sicht, Münster 2000, S. 405 - 416.
6.
Vgl. u.a. Per Arne Löhr Meek, Lebensborn 6210, Kristiansund 2002; Kåre Olsen, Vater: Deutscher. Das Schicksal der norwegischen Lebensbornkinder und ihrer Mütter von 1940 bis heute, Frankfurt/M. 2002; Arne Øland, Horeunger og helligdage - tyskerborns beretninger, Kopenhagen 2001; Jean-Paul Picaper/Ludwig Norz, Enfant maudit, Paris 2004.
7.
Vgl. Det Kongelige Justis-og Politidepartement, Erstatningsordning for krigsbarn og erstatningsordning for romanifolk/tatere og eldre utdanningslidende samer og kvener, St.meld. nr. 44, 2003 - 2004, und Innst. S. nr. 152 (2004 - 2005), 18.3. 2005.
8.
Vgl. Lars Borgersrud, Staten og krigsbarna. En historisk undersokelse av statsmyndigheternes behandling av krigsbarna i de forste etterkrigsårene, Oslo 2004, S. 413.
9.
Vgl. Stein Ugelvik Larsen (Hrsg.), I krigens kjolevann, Oslo 1999; K. Olsen (Anm. 6); Eva Simonsen/Kjersti Ericsson, Krigsbarn i fredstid. Sosialpolitiske og profesjonelle foringer i synet på tysk-norske krigsbarn 1945 - 47, Oslo 2004; L. Borgersrud (Anm. 8).
10.
Vgl. L. Borgersrud (Anm. 8), S. 20.
11.
Vgl. Dorothee Schmitz-Köster, Der Krieg meines Vaters. Als deutscher Soldat in Norwegen, Berlin 2004, S. 63.
12.
Vgl. u.a. Georg Lilienthal, Der Lebensborn e. V. Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik, Frankfurt/M. 1993.
13.
Vgl. K. Olsen (Anm. 6), S. 367. Erst Mitte der neunziger Jahre bekamen auch adoptierte Kriegskinder sowie Kinder, deren Väter rechtlich nicht festgesetzt worden waren, Einsicht in ihre Akten.
14.
Zu den ausführlichen Ergebnissen sowie methodischen Details dieser Untersuchung siehe Dag Ellingsen, Krigsbarns levekår. En registerbasert unders?kelse. Statistics Norway, Rapport Nr. 2004/19 Oslo, 2004.
15.
Es wurde auch ein Vergleich mit Kindern allein erziehender Mütter durchgeführt; als Kontrollgruppe, um zu untersuchen, ob die Stigmatisierung aufgrund des Kriegskindhintergrundes oder als uneheliches Kind zurückzuführen ist. Aufgrund der ungleichen Verteilung der Auswahl erwies sich dieser Vergleich als sehr kompliziert; vgl. D. Ellingsen (Anm. 14), S. 3.
16.
Die Umfrage wurde unter den 650 Mitgliedern des norwegischen Kriegskindverbundes (NKBF) 1997 undknapp 400 Mitgliedern des dänischen Kriegskindverbundes (DKBF) 2003 durchgeführt. Zusätzlich wurden ca. 50 niederländische Kriegskinder befragt. Mit 250 Fragen, sowohl standardisierten, wie auch offenen, ist der Fragebogen sehr umfassend und enthält Themen wie Sozialstruktur, Gesundheit, Wohnorte, Jugend- und Erwachsenenleben, Identität, Fragen zur Mutter und zum leiblichen Vater, Fragen zur eigenen Familie, zur sozialen Integration und zur Identität als Kriegskind. Die Antwortquote lag in beiden Ländern bei ca. 50 %. Es soll betont werden, dass diese Auswahl nicht als repräsentativ für die Gruppe der Kriegskinder insgesamt gelten kann, da sie sich hauptsächlich auf Mitglieder der Verbände bezieht. Auch ist die Anzahl der Frauen in der Auswahl größer als die der Männer; Norwegen: 218 Frauen und 108 Männer; Dänemark: 129 Frauen und 85 Männer. Trotzdem kann davon ausgegangen werden, dass die Daten aufgrund ihrer komparativen Orientierung sowie ihrer strukturierten und teilweise standardisierten Frageform eher Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Kriegskinder wiedergeben können als Monographien mit Einzelinterviews, die bis jetzt in diesem Forschungsbereich angewandt worden sind.
17.
Es muss betont werden, dass bei unehelichen Kindern, die vor dem 1. Juli 1949 geboren wurden, keine Erbansprüche bestehen. Mit diesem Stichtag sollte verhindert werden, dass sich Väter nichtehelicher Kinder nach über 40 Jahren mit "unvorgesehenen Ansprüchen" konfrontiert sehen; vgl. Süddeutsche Zeitung vom 26.9. 1997, S. 1.
18.
Vgl. WCIP (Anm. 4), Reports 1 - 3, Bergen 2001 - 2003.
19.
Vgl. Inga Dóra Björnsdóttir, Island: Uheldige kvinner I et heldig land, in: Dag Ellingsen/Anette Warring/Inga Dóra Björnsdóttir, Kvinner, Krig og Kjærlighet, Oslo-Gjovik 1995, S. 149 - 209.
20.
Vgl. WCIP (Anm. 4), Report 1, S. 42f.
21.
Vgl. Yara Colette Lemke/Muniz de Fraria, Zwischen Fürsorge und Ausgrenzung. Afrodeutsche "Besatzungskinder" in Nachkriegsdeutschland, Berlin 2002.
22.
Vgl. Charli Carpenter, Forced Maternity, Children's Rights and the Genocide Convention, in: Journal of Genocide Research, 2 (2000) 2, S. 213 - 244.
23.
Vgl. E. D. Drolshagen (Anm. 1), S. 353.