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Editorial


4.4.2005
Das Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis ist 40 Jahre nach der Aufnahme offizieller Beziehungen gut und belastbar – vielleicht gerade weil die Vergangenheit stets präsent ist.

Als die Bundesrepublik Deutschland und Israel am 12. Mai 1965 diplomatische Beziehungen vereinbarten, war der unmittelbare Anlass Ulbrichts pompöser Staatsbesuch in Ägypten im Februar. Das drohende Scheitern der Hallstein-Doktrin in der arabischen Welt führte zur Flucht nach vorn.

Israel befand sich vom Tag der Staatsgründung im Mai 1948 an im Konflikt gegen feindliche Nachbarn. Die inoffiziellen Kontakte zur Bundesrepublik waren weit vorangeschritten - ein hohes Gut, nur wenige Jahre nachdem alliierte Soldaten die Vernichtungslager der Nationalsozialisten befreit und den Völkermord an den Juden beendet hatten. Die DDR hat Israel niemals anerkannt. Erst die frei gewählte Volkskammer bekannte sich im April 1990 zur Verantwortung für die deutsche Geschichte.

In den vergangenen 40 Jahren gab es in den bilateralen Beziehungen Höhen und Tiefen, wesentlich bestimmt vom persönlichen Verhältnis der Regierenden zueinander. Doch zugleich ist ein tragfähiges, außerordentlich verzweigtes zivilgesellschaftliches Netzwerk gewachsen, zu dem auch die Bundeszentrale für politische Bildung weiter beitragen wird.

Das Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis ist gut und belastbar - vielleicht gerade weil die Vergangenheit stets präsent ist. Nicht aufgrund einer deutschen Kollektivschuld, sondern einer wohl verstandenen kollektiven Verantwortung, so Botschafter Rudolf Dreßler, ist die gesicherte Existenz des Staates Israel heute Teil der deutschen Staatsräson. Dazu bedarf es an erster Stelle der Beilegung des Dauerkonfliktes mit den arabischen Nachbarn und einer friedlichen Entwicklung im Nahen Osten.