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4.4.2005 | Von:
Yfaat Weiss

Rückerstattung und Heimkehr

Israel ist ein Gemeinwesen, das sich aus verschiedenen Vergangenheiten verschiedener Judenheiten zusammensetzt. Die materielle Seite dieser Vergangenheiten schlug sich in der Frage der Restitution nieder, die überlebende Juden aus Deutschland erhielten.

Einleitung

In den vergangenen Jahren ist weltweit das Interesse an den Reparationsfragen gestiegen. Das hat zum einen mit Entwicklungen im postkolonialen Kontext zu tun, zum anderen, und im Falle Israels und Deutschlands vorrangig, mit dem Ende des europäischen Kommunismus.[1] Neue Schichten historischen Unrechts wurden aufgedeckt. Das Grundbuch wurde zum Ort dokumentierten Unrechts, schrieb Dan Diner; die Wiederherstellung von Privateigentum in den ehemals sozialistischen Staaten habe als unbeabsichtigte Nebenfolge so etwas wie einen Gedächtnisschub ausgelöst.[2]




Der Jurist und Historiker Jacob Robinson, Berater des amerikanischen Anklägers bei den Nürnberger Prozessen und Beteiligter am Verfahren gegen Adolf Eichmann in Jerusalem, meinte bereits 1944, dass Entschädigungsleistungen für die Kriegsverluste auch eine Aufgabe der neu zu gründenden Vereinten Nationen sein sollten: " Clearly, indemnification for losses suffered in consequence of war and persecution is not only a requirement of justice, but also the only sound policy for the United Nations and the individual states to pursue if peace and order are to be reestablished nationally and internationally."[3]

Es gibt verschiedene Positionen, von denen aus solche Rückerstattungen beurteilt werden können. Sie legen Spannungen zwischen der Praxis der Rückgabe und Kompensation und ihren symbolischen und fundamentalen Bedeutungen offen. Einen vor allem bei Historikern, die sich auf die Rekonstruktion quantitativer Aspekte von Kompensationsvereinbarungen spezialisiert haben, beliebten Ansatz wollen wir den "skeptischen" nennen. Ein anderer Ansatz wird von jenen verwendet, die sich auf die grundsätzliche Bedeutung dieser Verfahren konzentrieren. Ihnen geht es in erster Linie um die unbeabsichtigten und positiv beurteilten Konsequenzen der Reparationen. Diese zweite Gruppe vergleicht die Vorgänge aus einer politischen Perspektive und kümmert sich weniger um Details als Historiker. Im Mittelpunkt stehenfast immer die Zahlungen, welche Deutschland an die jüdischen Opfer erbracht hat und weiterhin erbringt. Man ist sich darüber einig, dass diese Vereinbarungen das Urmodell für alle Prozesse der Kompensation und Rückgabe seit 1990 abgeben.[4]


Fußnoten

1.
Vgl. vor allem Elazar Barkan, Völker klagen an. Eine neue internationale Moral, Düsseldorf 2002; Ruti G. Teitel, Transitional Justice, Oxford 2000; John C. Torpey, Politics and the Past: On Repairing Historical Injustices, Maryland 2003.
2.
Vgl. Dan Diner, Gedächtnis und Restitution, in: Norbert Frei/Volkhard Knigge, Verbrechen Erinnern. Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord, München 2002, S. 299 - 305.
3.
Zit. in: Nehemiah Robinson, Indemnification and Reparations. Jewish Aspects, New York 1944, S. 7 f.
4.
Vgl. John C. Torpey, "Making whole what has been smashed". Reflections on Reparations, in: The Journal of Modern History, 73 (2001) 2, S. 333 - 358.