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5.1.2005 | Von:
Alexander Gallus

Biographik und Zeitgeschichte

Vor wenigen Jahrzehnten genossen Biographien im wissenschaftlichen Metier keinen guten Ruf. In der Zeitgeschichtsforschung erlebt dieses Genre jedoch eine Renaissance.

Einleitung

Die Branche der Biographik erfreut sich einer Dauerblüte. "Man könnte meinen", kommentierte Ulrich Raulff vor einigen Jahren, "es gäbe keine andere Textart mehr, keine Geschichte und keine Philosophie. 'Biography` ist zur tragenden Säule des Buchmarkts geworden; sie unterwandert die Literatur und resümiert das Beste, was die Sachbücher zu bieten haben. Es ist, als ob das Publikum von einem maßlosen Hunger nach geschriebenem Le-ben befallen sei, einer Art literarischem Kannibalismus. Roland Barthes, der als Strukturalist ein Feind der Biographik war, als Liebhaber des Texts aber ein Freund des biographischen und autobiographischen Experiments, hätte das Phänomen das 'biographische Verlangen' genannt."[1]




Fußnoten

1.
Ulrich Raulff, Der große Lebenshunger. Erlösende Literatur: Das biographische Verlangen wächst, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 4.3. 1997.