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24.11.2006 | Von:
Eva Sternfeld

Umweltsituation und Umweltpolitik in China

Energie und Umwelt

Die Umweltsituation Chinas wird maßgeblich dadurch beeinflusst werden, wie das Land künftig seine Energiefrage lösen wird. Seit 1990 ist Chinas Energiekonsum um fast 70 Prozent gewachsen, und das Land ist heute weltweit der zweitgrößte Energieverbraucher (nach den USA) und der drittgrößte Energieproduzent (nach den USA und Russland). Zwei Drittel seiner Energieversorgung gewinnt China aus Kohle (zum Vergleich: In Deutschland wird mittlerweile nur noch ein Viertel der Energie aus Kohle gewonnen.). Mit einem Anteil von 23 Prozent ist Erdöl in den vergangenen Jahren zum zweitwichtigsten Energieträger avanciert. Zwar verfügt das Land über begrenzte eigene Vorräte, ist aber seit 1993 zunehmend auf Importe aus anderen erdölproduzierenden Ländern angewiesen. Ein weiterer Anstieg der Nachfrage nach Erdöl ist in den kommenden Jahren mit dem wachsenden Trend zur Motorisierung zu erwarten: Noch liegt China mit rund 20 Kraftfahrzeugen pro 1 000 Einwohner weit hinter Deutschland (588) und den USA (780).[11] Mit dem Energiehunger geht ein Anstieg der Treibhausgasemissionen einher. Nach Berechnungen der Energy Information Administration (EIA) haben sich Chinas CO2-Emissionen seit 1994 von 2,67 Milliarden Tonnen fast verdoppelt und betragen derzeit mehr als 4 Milliarden Tonnen; dies entspricht einem Pro-Kopf-Ausstoß von 3,2 Tonnen CO2.[12]

Die umweltfreundlichere Alternative Erdgas, von dem China nur über geringe eigene Vorkommen verfügt, spielt im Energiemix mit einem Anteil von 2,8 Prozent bislang eine untergeordnete Rolle. Auch wenn in letzter Zeit verstärkt Erdgas aus Russland und Kasachstan bezogen wird, wird dies lediglich ausreichen, um einige Schwerpunktstädte zu versorgen.

Entwicklung von regenerativen Energien: Obwohl es ein großes Potenzial an nutzbaren regenerativen Energien sowie eine lange Tradition ihrer Nutzung gibt, werden diese emissionsarmen Alternativen bislang - mit der Ausnahme von Wasserkraft - nur in relativ bescheidenem Umfang genutzt. Nur etwa zwei Prozent der Energie werden aus Sonnen-, Wind-, Biomasse-, geothermischer und Gezeitenenergie gewonnen. Hier wird ein bedeutender Entwicklungsschub angestrebt: Bis zum Jahr 2020 sollen etwa zwölf Prozent der Energie aus regenerativen Ressourcen gewonnen werden.

Etwa sieben Prozent der Energie (bzw. 26 Prozent der Elektrizitätsproduktion) wurden 2003 aus Wasserkraft gewonnen. Das potenziell nutzbare Wasserkraftpotenzial wird auf 395 Gigawatt (das entspricht etwa der Stromproduktion Chinas im Jahr 2003) geschätzt. Wegen der erheblichen ökologischen Risiken und sozialen Probleme sind Großprojekte wie das gigantische Drei-Schluchten-Staudammprojekt und das geplante 13-stufige Dammprojekt am Nujiang (Oberlauf des Irrawaddy) umstritten.

Das entwickelbare Potenzial von Windenergie wird auf 250 GW im Inland und 750 GW für Windparks an den Meeresküsten geschätzt. Bisher gibt es in Nordchina und in den Küstenregionen 40 Windparks mit einer installierten Kapazität von etwa 1 GW. Bis 2020 soll die installierte Kapazität 20 GW betragen. Ähnlich große Potenziale werden bei der Entwicklung von Solarenergie gesehen. Etwa zwei Drittel des Territoriums sind mit über 2 200 Sonnenstunden im Jahr für Energiegewinnung geeignet. Bereits jetzt ist China der weltweit größte Markt für Solar-Warmwassergeräte.

In ländlichen Gebieten ist die Energiegewinnung aus Biomasse noch entwicklungsfähig. Bereits seit den siebziger Jahren hat China in ländlichen Regionen die Entwicklung von Biogas als Energieversorgung für die ländliche Bevölkerung gefördert. Die Entwicklung von Bio-Diesel und Bio-Ethanol befindet sich zur Zeit noch im Anfangsstadium, ebenso wie die Nutzung von Deponiegasen.

AKW-Programm: Als einer der wenigen Staaten der Welt verfolgt die chinesische Regierung noch ein ambitioniertes Programm zum Ausbau von Atomenergie. Sie gilt bei chinesischen Energiepolitikern als "saubere" Alternative zur Kohle. Zu den derzeit neun Atomreaktoren in Qinshan, Daya Bay, Ling'ao und Tianwan sollen in den kommenden 16 Jahren noch 32 weitere hinzukommen. Mögliche Sicherheits- und Umweltrisiken durch Nuklearunfälle wie auch die bisher nicht gelöste Frage der Endlagerung von Atomabfällen werden derzeit weder von der Regierung noch von Umweltaktivisten thematisiert.

Fußnoten

11.
Vgl. ebd., S. 5.
12.
Damit liegt China deutlich hinter der EU (pro Kopf 8 Tonnen) und den USA (19 Tonnen).