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Editorial


17.11.2006
Reformen prägen die Universitäten, vor allem der "Bologna-Prozess". Die europaweite Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge zielt auf eine Vernetzung der europäischen Hochschullandschaft und soll die Studiendauer verkürzen.

Die Hochschulen sind im Wandel begriffen. Reformen prägen das aktuelle Erscheinungsbild der Universitäten, vor allem der so genannte Bologna-Prozess. Die europaweite Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge wird in den kommenden Jahren abgeschlossen. Die Reform zielt auf eine bessere Vernetzung der europäischen Hochschullandschaft und soll die Studiendauer verkürzen. Die individuellen Folgen für die Studierenden sind unklar: Welche Berufschancen hat ein Bachelor-Absolvent, der de facto über keine wissenschaftliche Ausbildung mehr verfügt?

Auch die Finanzierung der Hochschulen wird reformiert. Trotz vehementer Proteste der Studierenden und allerlei Dementis von Politikern werden in mehreren Bundesländern in diesem Semester erstmals 500 Euro für einen Studienplatz erhoben. Die Studiengebühren dürften in Zukunft ansteigen, um die prekäre Finanzsituation der Hochschulen zu verbessern. Während sich der Staat allmählich aus seiner Verantwortung für die Bildungseinrichtungen zurückzieht, liegen die sozialen Folgen auf der Hand: Auch ein umfangreiches Stipendiensystem wird auf Dauer kaum verhindern können, dass Schulabgängern aus finanzschwächeren Familien der Zugang zur Hochschulausbildung erschwert wird.

Die Hochschulen sollen um ihr Profil kämpfen und wie Wirtschaftsunternehmen miteinander konkurrieren. Bestes Beispiel ist die umfangreiche "Exzellenz-Initiative" der Bundesregierung: Während sich inzwischen drei Hochschulen mit dem Titel "Eliteuniversität" schmücken und über eine kräftige finanzielle Unterstützung freuen können, bleibt anderen Einrichtungen die Gewissheit, bis auf Weiteres eine Universität "zweiter Klasse" zu sein.