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Hochschulreform aus studentischer Perspektive


17.11.2006
Rückkehr zur Wissenschaftlichkeit, soziale Absicherung und Chancengleichheit, das fordern die Studierenden von der Hochschulreform. Marktwirtschaftliche Effizienz kann das nicht leisten - die öffentliche Hand ist gefragt.

Einleitung



Die deutsche Hochschullandschaft ist seit mehreren Jahrzehnten gewaltigen Veränderungen unterworfen. Ab Mitte der siebziger Jahre stiegen die Studierendenzahlen in der Bundesrepublik kontinuierlich an, bis Mitte der neunziger Jahre waren schließlich mehr als doppelt so viele Studierende an deutschen Hochschulen immatrikuliert wie noch 20 Jahre zuvor. Ein Rückgang der Zahlen war nicht absehbar, auch der politische Wille zielte nach wie vor auf die Erhöhung der Bildungsbeteiligung bis zum tertiären Sektor.

Gleichzeitig wurde im zusammenwachsenden Europa nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" der Bildungsbereich zu einem Schauplatz der europäischen Zusammenarbeit, die weit über die Grenzen der Europäischen Union hinausging. 1999 trafen sich in der italienischen Universitätsstadt Bologna 29 Bildungsministerinnen und -minister, um sich auf die grundlegenden Ziele einer gemeinsamen europäischen Hochschulpolitik zu einigen.

Die Studiengänge an europäischen Hochschulen sollten angeglichen, die Chancen zum Studienwechsel innerhalb der EU verbessert und der europäische Bezug im Hochschulbereich insgesamt verstärkt werden.[1] Ein Jahr später formulierte der Rat der Europäischen Union das Ziel der EU und ihrer Mitgliedsländer, zum wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Der Bildungs- und insbesondere der Hochschulbereich waren dabei von großer Bedeutung.[2]

Für beide Prozesse ist die Zielmarke das Jahr 2010. Ebenfalls gemeinsam ist beiden Prozessen der unverbindliche Charakter, der dadurch entsteht, dass die Ziele und Absichten durch die entsprechenden Ministerinnen und Minister unterzeichnet werden und die einzelnen Länder die Umsetzung in nationalen Gesetzgebungsverfahren realisieren müssen. In der Bundesrepublik geschieht dies in erster Linie auf der Ebene der Bundesländer. Der Handlungsbedarf, der sich durch die steigenden Studierendenzahlen zwangsläufig ergeben hat, und die gemeinsamen europäischen Bestrebungen haben in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts zu tiefgreifenden Veränderungen im Hochschulbereich geführt. Obgleich die beiden genannten Prozesse auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden, ist in grundsätzlichen Fragen eine ähnliche Strategie zu erkennen. Beide Bestrebungen sehen eine europäische Zusammenarbeit vor - mit dem Ziel, Europa im weltweiten Wettbewerb zu stärken und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.


Fußnoten

1.
Vgl. Bologna Declaration 1999, in: http://www.bologna-bergen2005.no/Docs/00-Main_doc/990719BOLOGNA_DECLARATION.PDF.
2.
Vgl. http://ec.europa.eu/education/policies/2010/et_2010_en.html.