Ein Klassiker der Gaming-Welt: Pac Man. Das Bild zeigt eine Aufnahme des Spiels von 1983. Pac-man wird von drei Geistern gejagt, während er versucht, so viele Punkte wie möglich zu "fressen".

26.7.2019 | Von:
Yasmina Banaszczuk

Toxic Gaming. Rassismus, Sexismus und Hate Speech in der Spieleszene

Beängstigende Gegner: nicht-weiße Figuren

Auch Rassismus in Videospielen ist in den vergangenen Jahren vermehrt zum Diskussionsstoff geworden. Im Fokus stehen dabei vor allem die mangelnde Diversität und stereotype Darstellung von nicht-weißen Personen in westlichen Videospielen.

Während sowohl in den Spielestudios als auch in der Spielepresse eine gewisse Sensibilisierung für sexistische Darstellungen zu beobachten ist, sieht es beim Thema Rassismus und angemessener Repräsentation nicht-weißer Menschen noch anders aus: So tauchen beispielsweise in dem 2015 veröffentlichten Fantasy-Rollenspiel "The Witcher 3" keine Menschen mit einer anderen Hautfarbe als weiß auf, was jedoch erst mit Verzögerung den Weg in die sonst so kritischen Spielemedien fand. In einem Spiel, in dem es Hexerei gibt und das Fantasy als Genre beansprucht, fällt die mangelnde Repräsentation verschiedener Ethnien besonders auf. Fans des Spiels versuchten die Abwesenheit von Personen of Color damit zu rechtfertigen, dass es historisch gesehen in der zugrunde liegenden slawischen Mythologie eben nur weiße Menschen gegeben habe – was jedoch eine banale wie sinnlose Ausrede ist, wenn es um Fantasieregionen geht. Der Spielejournalist Tauriq Moosa zeigte die Widersprüchlichkeit auf, als er darauf hinwies, dass einige Regionen der Spielereihe aus dem arabischen Raum inspiriert zu sein scheinen, inklusive arabisch klingender Namen, sich dies jedoch nicht in der Hautfarbe der Figuren niederschlage.[17] "The Witcher 3" ist zwar keineswegs das einzige Spiel, in dem People of Color unterrepräsentiert sind – aber eben ein besonders erfolgreiches, weshalb die Diskussion hierzu ausgiebiger geführt wurde als bei anderen Spielen.[18]

Auch intersektionale Repräsentation – also die Einbeziehung mehrfach diskriminierter Gruppen – bleibt schwierig: Fans des beliebten Multiplayer-Spiels "Overwatch" verlangen seit Erscheinen des Spiels 2016 nach einer schwarzen Heldin, die sie im Spiel steuern können – bislang ohne Erfolg. Und als im 2019 herausgebrachten Shooter "Far Cry: New Dawn" zwei schwarze Frauen im Zentrum der Story stehen sollten, war allein diese Tatsache berichtenswert. Im Oktober 2018 fasste es eine Autorin auf der Seite "Eurogamer" wie folgt zusammen: "Seeing a black person in a game is still a strange experience more often than not."[19] Schwarze Personen fielen ihr zufolge meist in eine von zwei Kategorien: angsteinflößend oder merkwürdig.

Bei muslimischen Personen sieht es noch schlechter aus. In der beliebten Shooter-Reihe "Call of Duty" (seit 2003) sind Gegner oft arabische Muslime, die es zu erschießen gilt. Für Spiele generell gilt: Frauen muslimischen Glaubens tragen häufig ein Kopftuch, die Männer haben entweder lange Gewänder und führen eine Ziege, oder sie sind aggressiv und gefährlich – und eine Trennung zwischen Muslimen und Arabern findet nur selten statt, die Menschen und Religionen der Region werden in vereinfachten und stereotypen Figuren vermischt. Erst in den vergangenen Jahren gibt es hier einen zaghaften Wandel hin zu mehr positiver Repräsentation. Vereinzelt gelangen muslimische Charaktere auch in großen Titeln wie "Assassin’s Creed" (2007) sehr gut.[20] Auch in "Overwatch" finden sich zwei Frauen aus Ägypten als Heldinnen wieder, und einer der vielen spielbaren Orte ist eine futuristische Variante des Irak, der als außerordentlich fortschrittlich dargestellt wird.

Vereinzelte Lichtblicke gibt es auch hinsichtlich der Repräsentation von Personen of Color: Das Indie-Spiel "Never Alone" von 2014 etwa thematisiert die Kultur der Iñupiat, indigene Ureinwohner Nordamerikas, und der 2018 veröffentlichte Blockbuster "Red Dead Redemption 2" nimmt sich Zeit, um die Story der Bevölkerung eines Ureinwohnerreservats zu erzählen. Hier unternahm das Entwicklerstudio Rockstar Games sogar narrativ passende Vorsichtsmaßnahmen, um rassistische Handlungen der Spielerinnen und Spieler in der Story zu unterbinden: Im Reservat der Ureinwohner können keine Waffen benutzt werden.

Wie sehr eine unbeabsichtigte Reproduktion rassistischer Inhalte aber auch vom Ort der Veröffentlichung beziehungsweise von der verwendeten Sprache abhängt, zeigt sich an einem anderen Beispiel aus "Red Dead Redemption 2": Während in einer Szene, in der ein Nebencharakter der Hauptfigur erzählt, wie er aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe rassistisch beleidigt wird, im englischen Original bereits abwertend von "Darkies" die Rede ist, wird im deutschen Untertitel ohne Not das offensiv rassistische N-Wort ausgeschrieben.[21] Sensibilisierung, auch für Sprache, ist also an allen Stellen des Spielentwicklungsprozesses bedeutend.

Fußnoten

17.
Vgl. Tauriq Moosa, Colorblind: On The Witcher 3, Rust, and Gaming’s Race Problem, 3.6.2015, http://www.polygon.com/2015/6/3/8719389/colorblind-on-witcher-3-rust-and-gamings-race-problem«.
18.
Die Diskussion dauert an: Als es 2018 Gerüchte gab, dass in der vom Spiel inspirierten Netflix-Serie eine nicht-weiße Person eine der Hauptrollen spielen könnte, sorgte das für Empörung. Vgl. Julius Vietzen, Nicht-weiße Ciri in Netflix-Serie: "The Witcher" erlebt den ersten Shitstorm, 10.9.2018, http://www.filmstarts.de/nachrichten/18520968.html«.
19.
Malindy Hetfeld, The State of Blackness in Games, 3.10.2018, http://www.eurogamer.net/articles/2018-10-03-the-state-of-blackness-in-games«.
20.
Vgl. Nicole Lee, Shooting the Arabs: How Video Games Perpetuate Muslim Stereotypes, 24.3.2016, http://www.engadget.com/2016/03/24/shooting-the-arabs-how-video-games-perpetuate-muslim-stereotype«.
21.
Beide Begriffe sind rassistisch, das N-Wort jedoch einzigartig in seiner traumatischen Wirkung.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Yasmina Banaszczuk für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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