Ein Klassiker der Gaming-Welt: Pac Man. Das Bild zeigt eine Aufnahme des Spiels von 1983. Pac-man wird von drei Geistern gejagt, während er versucht, so viele Punkte wie möglich zu "fressen".

26.7.2019 | Von:
Yasmina Banaszczuk

Toxic Gaming. Rassismus, Sexismus und Hate Speech in der Spieleszene

Potenziale für Veränderungen

Dass Frauen, Personen des LGBTQ-Spektrums sowie People of Color zu den häufigsten Zielen von Hate Speech im Gaming-Umfeld gehören, ist kein Zufall. Eine Umfrage der International Games Developer Association offenbart, dass diese Gruppen auch in der Gaming-Branche Minderheiten und dort teilweise stark unterrepräsentiert sind: So sind nur 21 Prozent der Befragten Cis-Frauen,[25] zwei Prozent sind Trans-Frauen, und weniger als ein Prozent sind Trans-Männer. Noch eindrücklicher sind die ethnischen Zusammensetzungen: Personen mit einer arabischen oder westasiatischen Herkunft machen gerade einmal zwei Prozent der Befragten aus, schwarze Personen nur ein Prozent.[26]

Den überwiegend mit weißen Personen besetzten Spielestudios fehlen also häufig jene wichtigen Perspektiven von Personen of Color. In diesem Kontext lassen sich die oben beschriebenen sexistischen und/oder rassistischen Inhalte in Videospielen noch einmal anders betrachten – nämlich als Projektionsfläche einer homogenen, überwiegend männlichen und weißen Gruppe, die die Spiele entwickelt. Ohne die vielfältigen Perspektiven einer diversen Mitarbeiterschaft innerhalb des Entwicklungsprozesses können Videospiele eine gute Repräsentation kaum leisten, ohne in Stereotype zu fallen. Gleiches gilt vermutlich auch für große Teile des Spielejournalismus.

Die Folgen der Gamergate-Attacken sind derweil noch Jahre später zu spüren: Von Spielestudios über -medien bis hin zu Fangemeinschaften beschäftigen die Hate-Speech-Auswüchse noch immer Fachleute wie die amerikanische Anti-Defamation League.[27] Damit keine diskriminierenden Inhalte mehr publiziert werden und entsprechende Äußerungen innerhalb der Spieleindustrie sowie innerhalb der Fangemeinschaften zu absoluten Ausnahmen werden, haben sich verschiedene Diversitätsinitiativen gegründet, die versuchen, Herstellende wie Konsumierende für gelebte Vielfalt im Gaming zu sensibilisieren.[28] Manche Studios beauftragen bereits externe Expertinnen und Experten, um sensible Inhalte prüfen zu lassen, beispielsweise wenn schwarze oder transgeschlechtliche Charaktere in Spielen vorkommen und die Schreibenden nicht genügend eigene Erfahrung mit dem Thema haben, um es realistisch genug wiederzugeben.[29]

Auch innerhalb der Fangemeinschaften wird der Bedarf nach sicheren Orten, an denen keine Hate Speech geäußert oder reproduziert wird, lauter. Plattformen wie Twitch oder Youtube werden zunehmend vehement aufgefordert, entsprechende Inhalte zu sanktionieren und zu entfernen. Tatsächlich zeigt sich auch hier ein allmählicher Bewusstseinswandel: So sorgten die zeitweiligen Sperrungen der Streamer Joel Zimmerman ("Deadmau5") und Ashkan Hornayouni ("TF Blade") auf Twitch im Frühjahr 2019 für einiges Aufsehen. Ersterer war homophob aufgefallen, Letzterer durch Nutzung des N-Worts.[30] Auf Youtube erfolgen Sperrungen seltener, wofür das Unternehmen (auch intern) häufig in der Kritik steht.[31]

Letztendlich bleibt abzuwarten, inwiefern die verschiedenen Diversitätsinitiativen Früchte tragen werden. Rein finanziell sollte es sich zumindest für die Gaming-Branche lohnen, eine inklusive Umgebung mit vielfältigen Spielen zu bieten – schließlich sind sowohl die Bevölkerung als auch die Konsumierenden selbst divers. Seit den ersten öffentlich geführten Debatten um Sexismus und Rassismus in Videospielen hat sich einiges getan, doch der Weg zu tatsächlicher, gelebter Repräsentation ist noch weit.

Fußnoten

25.
Cis, auch cisgeschlechtlich, bedeutet, dass das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht mit der eigenen Geschlechtsidentität übereinstimmt.
26.
Vgl. Johanna Weststar/Victoria O’Meara/Marie-Josée Legault, Developer Satisfaction Survey 2017 – Summary Report, International Game Developers Association, 8.1.2018, https://cdn.ymaws.com/www.igda.org/resource/resmgr/2017_DSS_/!IGDA_DSS_2017_SummaryReport.pdf«, S. 11f.
27.
Vgl. Brian Crecente, Inside the ADL’s Plans to Take on Gamergate, Hate in Gaming, 29.6.2018, https://variety.com/2018/gaming/news/adl-gamergate-hate-in-gaming-1202861522«.
28.
Zum Beispiel die Organisationen I Need Diverse Games, Women in Games und das Crash Override Network: https://ineeddiversegames.org, http://www.womeningames.org«, www.crashoverridenetwork.com.
29.
Vgl. Patrick Weekes, Building a Character: Cremisius "Krem" Aclassi, 4.12.2014, http://blog.bioware.com/2014/12/04/building-a-character-cremisius-krem-aclassi«.
30.
Vgl. John Cameron, Deadmau5 Uses Hate Speech During PUBG Live Stream, 11.2.2019, https://edm.com/news/deadmau5-hate-speech-pubg-twitch«; Josh Katzowitz, Twitch Star TF Blade Banned for Racial Slur – But He Swears He Didn’t Say It, 24.4.2019, http://www.dailydot.com/upstream/tf-blade-twitch-n-word«.
31.
Vgl. Megan Farokhmanesh, Google’s LGBTQ Employees Are Furious About Youtube’s Policy Disasters, 7.6.2019, http://www.theverge.com/2019/6/7/18656540/googles-youtube-lgbtq-employees-harassment-policies-pride-month«.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Yasmina Banaszczuk für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und des/der Autors/-in teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.