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28.9.2006 | Von:
Belwe, Katharina

Editorial

Gesellschaftliche Desintegrationsprozesse von Teilen der deutschen wie der zugewanderten Bevölkerung haben vielfältige Ursachen. Aus deren Analyse lassen sich Voraussetzungen für die Integration ableiten. Hierzu zählt zuallererst eine Existenz sichernde Beschäftigung.

Gesellschaftliche Desintegration von Teilen der deutschen wie der zugewanderten Bevölkerung hat vielfältige Ursachen. Aus deren Analyse lassen sich Voraussetzungen für die Integration ableiten.

Ein wesentlicher Faktor für die Integration in die Gesellschaft ist eine Existenz sichernde Beschäftigung. Erste Voraussetzungen, diese zu finden, sind eine solide Bildung und Ausbildung. Gering Qualifizierte - Einheimische wie Zugewanderte - laufen Gefahr, an den äußersten Rand der Gesellschaft zu rutschen oder in das inzwischen eher grobmaschige soziale Netz zu fallen. Eine auf mehr Chancengleichheit ausgerichtete Bildungspolitik könnte als präventive Sozialpolitik wirken.

Wer an den Rand der Gesellschaft zu geraten droht, sucht nach Strategien zur Verteidigung der eigenen sozialen Position, die sich auch in Ressentiments gegen meist noch schlechter Gestellte niederschlagen können. Im Falle unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit kommt es daher nicht selten zu wechselseitigen negativen Klassifikationen. Wenn ethnische mit sozialen Problemen zusammentreffen und sich gegenseitig verschärfen, entstehen soziale Brennpunkte.

Ohne ein reguläres Arbeitsverhältnis ist es schwierig, eine Wohnung zu finden. Nicht nur Migrantinnen und Migranten, auch einheimische gering Qualifizierte sind inzwischen vermehrt auf preiswerten Wohnraum angewiesen. Dieser konzentriert sich in immer weniger Stadtvierteln, in denen es in der Folge zu einer hohen Konzentration von Haushalten mit sozialen Problemlagen kommt. Hier ist eine präventive Stadtpolitik gefragt. Das Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" weist einen Weg in diese Richtung.